Experte gibt Tipps für Firmen

Neue Datenschutzverordnung: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Werra-Meißner. Viele Firmen sind wegen der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verunsichert. Wir stellen die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema vor.

Er ist Experte für den Datenschutz: Stefan Pietsch aus Wabern.

Auch im Werra-Meißner-Kreis sind viele Firmenchefs unsicher, wie sie mit der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) umgesehen sollen, berichten Dr. Lars Kleeberg von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, und Dr. Michael Ludwig von der Industrie- und Handelskammer. Bei ihnen häufen sich derzeit die Anfragen. Datenschutzexperte Stefan Pietsch (Wabern), der mit der WFG und der IHK zusammenarbeitet, beantwortet die häufigsten Fragen.

Wozu brauchen wir den Datenschutz?

Die Datenschutzregelungen sollen ein wichtiges Persönlichkeitsrecht von Menschen schützen: die informationelle Selbstbestimmung. Das heißt: Jeder soll stets Kontrolle über seine Daten behalten und wissen, wer und warum seine Daten wie und zu welchem Zweck verarbeitet. Dazu werden Rechte und Pflichten beim Umgang mit diesen Daten festgelegt, die von jedem außer dem privaten Umfeld zu beachten sind.

 Ab wann gilt die neue DSGVO?

Am heutigen Freitag endet eine zweijährige Übergangsphase. Dann gilt die DSGVO über nationalem Recht der EU-Mitgliedstaaten. Bis heute hatte man Gelegenheit, sich auf die neuen Regeln einzustellen. Das Bundesdatenschutzgesetz gilt seit über 40 Jahren – für alle, die sich bereits mit den deutschen Datenschutzbestimmungen beschäftigt haben, erwartet Pietsch keine gravierenden Schwierigkeiten mit der Umsetzung der neuen Regeln. Wer jedoch erst vor Kurzem begonnen hat, sich um Datenschutz zu kümmern, hat Probleme, alle Auflagen termingerecht zu erfüllen.

Was droht mir, wenn ich mich nicht korrekt verhalte?

„Neben Schadensersatz und Freiheitsstrafen sind es vor allem die Bußgelder, vor denen viele Angst haben“, so Pietsch. Es werden 20 Millionen Euro oder vier Prozent des Jahresumsatzes als Obergrenze genannt. „Welche Beträge später tatsächlich zum Tragen kommen, kann derzeit kaum jemand abschätzen.“ Offenbar soll es mehr Bußgelder geben, die wirksam, abschreckend, aber angemessen sein sollen. Die Höhe richtet sich nach Schwere des Verstoßes und Leistbarkeit des Verursachers.

Wer kann gegen mich klagen?

Neben den von einem Datenmissbrauch Betroffenen kann auch die zuständige Aufsichtsbehörde kontrollieren und bei Verstößen handeln – also der Hessische Landesdatenschutzbeauftragte. Darüber hinaus sind Datenschutzverstöße auch im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) aufgenommen worden. „Daher können auch Mitbewerber und Verbraucherschützer gegen Verursacher vorgehen. Dies kann vor allem zu Abmahnungen führen“, erklärt Pietsch. Während Aktionen der Aufsichtsbehörden sicherlich nicht unmittelbar drohen, sind es gerade die Abmahnungen, die sicherlich jeden auch kurzfristig treffen können.

Was muss ich alles umsetzen?

Die Liste der Pflichten ist zu lang, um sie hier komplett aufzuzählen. Auch ist die Gewichtung abhängig vom individuellen Einzelfall. Vor allem sollte man beginnen, sich mit der DSGVO zu beschäftigen. Gerade gegenüber Aufsichtsbehörden hat man viel erreicht, wenn man guten Willen zeigt und das Thema Datenschutz ernst nimmt. „Dabei ist zu beachten, dass man die Arbeiten nicht zum Zeitpunkt X erledigt und für immer abgeschlossen hat“, warnt Pietsch. Vielmehr wird der Datenschutz ein permanenter Begleiter bleiben, der kontinuierlicher Pflege bedarf. 

Was ändert sich beim WhatsApp-Service der HNA?

22.000 Nutzer haben sich seit 2015 bei unserem kostenlosen WhatsApps-Service angemeldet. Dort bekommen User alle wichtigen nachrichten des Tages direkt aufs Handy. In einem separaten Artikel erklären wir, welche Auswirkungen die DSGVO nun auf den HNA-Service hat.

Rubriklistenbild: © dpa

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