„Neue Ideen müssen her“

Germerodes Ortsvorsteherin Ulrike Zindel geht nach 20 Jahren

Ein Frau mit weißen Haaren steht neben einem Schild auf dem Mohndorf Germerode steht.
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Sagt „Auf Wiedersehen“: Ulrike Zindel steht nach 20 Jahren als Ortsvorsteherin nicht mehr zur Wahl zur Verfügung. Sie will Platz machen für die nachkommenden Generationen.

Ortsvorsteherin Ulrike Zindel steht nach 20 Jahren nicht mehr zur Wahl.

Germerode – „Als Ortsvorsteherin bist du immer nur so gut wie die Ehrenamtlichen, die dir zur Seite stehen“, erzählt Ulrike Zindel mit Blick auf die vergangenen 20 Jahre. Die scheidende Ortsvorsteherin ist sich absolut sicher: Sie hatte Glück mit ihren Kollegen im Ortsbeirat, mit den Germerödern aber auch mit ihrer Familie. „Ohne die Ehrenamtlichen und die Familie, die dahinter stehen, geht es nicht“, so die verheiratete Mutter von zwei Söhnen und inzwischen zweifach Oma. Nun will die 71-Jährige aber Platz machen für die nachkommenden Generationen. Die Entscheidung, nicht mehr zur Wahl als Ortsvorsteherin anzutreten, habe sie schon vor fünf Jahren getroffen. „Die jüngeren Leute wollen was tun und sollen es deshalb auch tun. Neue Ideen müssen her.“

Viel Engagement

Geschafft hat Zindel mit den Germerödern einiges. Sei es der Tag der Heimat, an dem der Ort jährlich im Frühjahr herausgeputzt wird, die Anlage des Panoramawegs oder der Stellplatz für Wohnmobile, der inzwischen sehr gut angenommen werde. Auch der Umbau des alten Lehrerhauses gehe auf die Ehrenamtlichen in Germerode zurück, erklärt Zindel.

„Zum Glück engagieren sich im Ort sehr viele Menschen.“ Es sei ein guter Mix aus Älteren, Neubürgern und Jüngeren, so die gebürtige Rodebacherin, die nun seit mehr als 50 Jahren in Germerode lebt. Als sie das Amt antrat, arbeitete Zindel noch als Laborantin bei SUET Saat- und Erntetechnik in Eschwege. „Ich hatte ein Arbeitszeitkonto und konnte dann auch mal zu besonderen Anlässen für ein, zwei Stunden ins Dorf fahren.“

Gemeinsame Fahrten

Besonders gern erinnert sich die 71-Jährige an die gemeinsamen Fahrten zurück. Dazu gehören auch Ehrungen bei Wettbewerben, an denen der Ort teilgenommen hatte. Gemeinsam im Bus wurde das Ziel angesteuert. Das seien Ausflüge gewesen, so Zindel, die den Gemeinschaftsgeist gestärkt hatten. „Der absolute Höhepunkt war im Januar 2017 der Empfang durch den damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck.“ Dem war der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ vorausgegangen. Germerode belegte 2014 im Regionalentscheid und 2015 im Landesentscheid den ersten Platz. Im Folgejahr landete Germerode dann auf Bundesebene ebenfalls auf dem Treppchen – es gab Silber. Zindel durfte auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin zusammen mit Harald Zindel und Bürgermeister Friedhelm Junghans Germerode vertreten, erinnert sie sich. Natürlich mit kleinem Präsent aus der Heimat mit Mohn und Ahler Wurst.

Einigkeit und Konflikte

Grundsätzlich sei man sich im Ort immer schnell einig gewesen, blickt Zindel zurück. Es habe aber auch politische Entscheidungen gegeben, die nicht alle akzeptieren konnten und in deren Folge sowohl ehrenamtliche Politiker als auch Gewerbetreibende angegriffen worden seien, sagt Zindel. Das sei eine schlimme Erfahrung gewesen. Die Entscheidungen seien dennoch wichtig gewesen: „Ein Ort muss sich weiterentwickeln.“

Blickt Zindel auf die Wahl vor nun gut 20 Jahren zurück, dann verzieht sich ihr Mund zu einem Lächeln. Denn sie sei mehr oder weniger in das Amt reingerutscht, erklärt die Germeröderin. Im Jahr 2000 habe man sie gefragt, ob sie sich zur Wahl aufstellen lassen würde. Daraufhin wurde sie SPD-Mitglied, nahm den fünften Platz auf der Liste ein und fuhr in den Urlaub. Als sie zurückkam, führte sie die Liste an. Wenig später dann auch Germerode. Ob sie es bereut hat? „Nein. Niemals“, sagt Ulrike Zindel. Hanna Maiterth

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