Verkehrsinitiativen begrüßen Änderungen

Neue Regeln schützen Radfahrer im Werra-Meißner-Kreis

Seit Ende April müssen Autofahrer beim Überholen von Radfahrern innerorts einen Abstand von 1,5 Metern halten, wie hier auf der Witzenhäuser Werrabrücke.
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Seit Ende April müssen Autofahrer beim Überholen von Radfahrern innerorts einen Abstand von 1,5 Metern halten, wie hier auf der Witzenhäuser Werrabrücke.

Mehr Abstand beim Überholen, Schrittgeschwindigkeit beim Rechtsabbiegen und Halteverbot auf Radwegen: Verkehrsinitiativen im Werra-Meißner-Kreis finden die neuen Regeln der Straßenverkehrsordnung gut.

„Die meisten Radfahrer sterben bei Unfällen, bei denen Rechtsabbieger den Radler, der geradeaus weiterfahren will, nicht gesehen haben“, berichtet Michael Liebmann, der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Werra-Meißner. Vor allem Lkw-Fahrer hätten mit dem toten Winkel zu kämpfen, würden Radfahrer nicht durchgehend im Rückspiegel sehen. Moderne Fahrzeuge verfügten deshalb über mehrere Spiegel oder spezielle Sensoren. Schritttempo entschärfe das Problem.

„Eine Vergrößerung des Abstands beim Überholen fordern wir seit Langem“, betont Liebmann. Künftig müssen Kraftfahrer innerorts anderthalb Meter Distanz wahren, außerhalb von Ortschaften zwei Meter. Das führt bei Gegenverkehr oder schmalen Straßen dazu, dass Autofahrer gegebenenfalls nicht mehr an einem Radfahrer vorbeikommen. „Auf der alten Werrabrücke in Witzenhausen ist das schon seit langem regelmäßig der Fall“, sagt Liebmann. Bisher hätten Autofahrer oft waghalsige Überholmanöver gestartet. Einige Radfahrer seien bereits bei Unfällen verletzt worden.

Seit Ende April dürfen Autofahrer nicht mehr kurz auf einen Radschutzstreifen oder Radweg halten. 

Ähnliche Probleme gibt es außerhalb der Ortschaften, da im Werra-Meißner-Kreis oft Radwege fehlen. „Kritisch ist die Situation etwa auf der Landstraße hinter Wendershausen Richtung Burg Ludwigstein“, sagt Liebmann. Die Situation auf den Land- und Bundesstraßen beschäftigt auch den Vorsitzenden der Kreisverkehrswacht, Rolf Schäfer. „Die Fahrzeuge fahren mit 100 Kilometern pro Stunde dicht an den Radfahrern vorbei“, sagt er. Ein Windstoß oder eine unachtsame Bewegung bringe die Radler in Lebensgefahr. Dem trage der Gesetzgeber nun Rechnung. „Das Land muss mehr Geld in den Radwegebau in Nordhessen investieren“, fordert der ADFC-Vorsitzende Liebmann. Bisher fließe ein Großteil entsprechender Mittel nach Südhessen.

Mit der Gesetzesänderung ist nun das kurze Anhalten auf Radwegen untersagt. „Das macht Sinn, weil Radfahrer sonst häufig auf die Straße ausweichen“, meint Schäfer von der Kreisverkehrswacht. Die neue Regel könne aber ihrerseits zu Problemen führen, gibt Ludger Beesten von der Bürgerinitiative Sinnvolle Verkehrsplanung Witzenhausen zu bedenken. Lieferfahrzeuge könnten dann nicht mehr schnell Waren abladen, etwa beim Mitgliederladen Fette Beute an der Witzenhäuser Nordbahnhofstraße. Dort gebe es einen Radschutzstreifen.

Zweiradfahrer mit stabilen Fahrrädern dürfen künftig nicht nur Kinder unter sieben Jahren, sondern auch Ältere transportieren, erlauben die neuen Regeln. „Radler sollten dabei unbedingt auf die Leistungsfähigkeit ihrer Bremsen achten“, mahnt Schäfer. Andere Neuerungen hätten im ländlichen Raum weniger Bedeutung, etwa ein Grünpfeil an Ampeln für rechtsabbiegende Radfahrer oder die Einrichtung von Fahrradzonen.

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