Arbeitskreis Hessenluchs hofft jetzt auf Wiederbesiedlung in Nordhesssen

Neuer Luchs bei Herleshäuser Ortsteil Breitzbach von Wildkamera erfasst

Auf der Pirsch: Dieser Luchs wurde im September von einer
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Auf der Pirsch: Dieser Luchs wurde im September von einer Wildkamera bei Breitzbach erfasst.

Freude beim Arbeitskreis Hessenluchs. Nahe des Herleshäuser Ortsteils Breitzbach wurde ein Luchs zweimal im Abstand von etwa 45 Minuten von einer Wildkamera erfasst. Auf beiden Fotos der Fotofalle ist ein und dasselbe Tier zu sehen.

Breitzbach - „Die Fellzeichnung ist gut zu erkennen“, sagt Stephan Boschen, Luchsbeauftragter des Arbeitskreises für den südlichen Teil des Werra-Meißner-Kreises. Daher habe man einen Abgleich mit bereits erfassten Luchsen machen können. „Wir haben aber kein vergleichbares Fellmuster gefunden“, sagt Boschen. „Das Tier ist neu in der Gegend.“ Ob es sich dabei um ein männliches oder weibliches Tier handelt, sei ebenfalls auf den beiden Aufnahmen nicht zu erkennen. „Wir gehen davon aus, dass der Luchs möglicherweise aus Thüringen eingewandert ist“, so der Luchsbeauftragte. Dort gebe es nach langer Zeit auch wieder Nachweise für die Anwesenheit der Großkatze.

Bisher keine weiteren Anzeichen für Anwesenheit des Luchses

Weitere Hinweise auf Luchse habe man nicht gefunden. Das liege daran, dass das Raubtier seine Beute an abgelegene Stellen schleppe und oft auch verblende. Auch Kot sei nicht zu finden, weil auch der Luchs nach Katzenart seine Losung vergrabe, erklärt Boschen. „Aber wir suchen ihn auch nicht.“ Die Bilder aus der Wildkamera, von der drei Stück in der Gegend um Breitzbach installiert sind, wurde bereits am 5. September dieses Jahres aufgenommen, die Daten aber erst im November ausgewertet.

Kleine Luchspopulation in Nordhessen durch Räude verschwunden

Seit sich seit Ende der 1990er-Jahre in Nordhessen wieder eine Luchspopulation gefestigt hatte, hatte der Ausbruch der Räude den kleinen Bestand wieder verschwinden lassen.

Einen Luchsnachweis gab es auch bereits im Frühjahr dieses Jahres. Bei Markershausen war ein Riss gefunden worden, die Analyse einer Genprobe hatte dort als Verursacher einen Luchs bestätigt.

Risse von Weidentieren bei Wanfried werden auf Luchs als Verursacher untersucht

Der Luchs, der sich von der Maus, über Vögel bis zum Reh ernährt, macht aber auch nicht Halt vor Weidetieren. In der vorigen Woche sind innerhalb von zwei Tagen zwei Schafe auf einer Weide bei Wanfried gerissen worden, bestätigt Boschen, der die Tiere begutachtet und Proben genommen hat, die jetzt an das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zur Analyse geschickt werden sollen. Bei dem ersten Riss bei Wanfried spräche aus Boschens Sicht rein äußerlich wenig für einen Luchs. „Die Kehle war stark verletzt und aufgerissen und man sah, dass das Tier geschüttelt worden war.“ Als Verursacher kämen da auch Hund oder Wolf in Betracht. Bei dem zweiten Tier – es handelt sich um ein Lamm aus dem Frühjahr – gebe es mehr Hinweise auf den Luchs. Gewissheit kann erst die Genanalyse bringen.

Nachweise in Nordhessen

Zwischen Mai 2020 bis April 20021 gingen beim Arbeitskreis Hessenluchs 50 plausible Luchshinweise ein. Darunter waren siebzehn sogenannte C1-Nachweise (eindeutig). Das geht aus dem Luchsbericht 2021 hervor. Neben zehn Zufallsnachweisen gelangen sieben Aufnahmen durch Fotofallen der Universität Göttingen. Es konnten in Hessen insgesamt drei Individuen nachgewiesen werden: das adulte Männchen M12 im Großraum Frankfurt und zwei einjährige Luchse unbekannten Geschlechts in Nordhessen. Bei Neu-Eichenberg konnte ein Luchs mehrfach fotografiert werden. Das Tier geriet im März 2021 in die Fotofallen, die das Luchsprojekt Uni Göttingen in Kooperation mit dem HLNUG dort installiert hat. Die Kameras waren installiert worden, nachdem im Dezember 2020 ein Jäger dort einen Luchs mit einer Wärmebildkamera gefilmt hatte. (Stefanie Salzmann)

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