Gründung soll am Montagabend stattfinden

Neuer Verein will an jüdische Kultur im Werra-Meißner-Kreis erinnern

+
Sie wollen einen Verein zur Erinnerung an das jüdische Leben im Werra-Meißner-Kreis gründen: (von links) Lutz Bergner, Ludger Arnold, Andrea Röth und Dr. Martin Arnold.

Während in Deutschland nach den Anschlägen von Halle eine Diskussion über Antisemitismus, wird sich im Werra-Meißner-Kreis der Verein „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens“ formieren.

Die Gründerversammlung findet am Montag, 21. Oktober, ab 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus von Abterode statt. Jedermann ist eingeladen, sich in dem Verein für den Schutz der jüdischen Kultur zu engagieren.

„Gerade in Zeiten, in denen antisemitisches Gedankengut wieder zunimmt, sehen wir die Notwendigkeit, mit Aufklärung und Erinnerung dagegen zu halten“, sagt der Eschweger Dekan Dr. Martin Arnold. Die Initiative geht auf den Arbeitskreis „Spuren jüdischen Lebens in der Region Werra-Meißner“ zurück. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Orte des jüdischen Lebens im Landkreis wiederzuentdecken.

Dabei sind die Spuren jüdischer Kultur heute gering. Synagogen wie in Abterode, Harmuthsachsen, Witzenhausen und Eschwege und insbesondere jüdische Friedhöfe wie in Wanfried, Hebenshausen und Sontra zeugen davon, dass jüdisches Leben die Region einmal geprägt hat. 1933 war der Anteil der Juden an der Bevölkerung im Kreisgebiet überdurchschnittlich hoch. Lag ihr Anteil im Deutschen Reich bei 0,76 Prozent, waren es im Landkreis 1,6 Prozent. In Eschwege machten Juden 3,1 Prozent der Bevölkerung aus, in Abterode elf Prozent. Am 1. Dezember 1933 lebten 749 Juden im Landkreis Eschwege. Heute gibt es keine jüdische Gemeinde mehr im Landkreis. Zahlen, wie viele Menschen jüdischen Glaubens hier leben, kann auch der Werra-Meißner-Kreis nicht liefern. Gläubige fahren in die Gemeinden nach Kassel, Göttingen, Fulda oder Felsberg.

Ein Problem mit Antisemitismus gibt es nach Angaben des Demokratiezentrums Hessen im Werra-Meißner-Kreis selten. Im vergangenen Jahr waren es zwei Vorfälle. Hessenweit sei das weit unter dem Durchschnitt. Martin Arnold und Andrea Röth führen das auf ein hohes zivilgesellschaftliches Engagement gegen rechte Tendenzen zurück. Die Initiative Bunt statt braun gehört dazu. „Für uns ist die Tat von Halle eine erneute Mahnung, konsequent gegen Antisemitismus aufzustehen“, sagen sie.

Lern- und Gedenkort in ehemaliger Synagoge

Im Obergeschoss der ehemaligen Synagoge in Abterode, der ehemals größten jüdischen Gemeinde des Kreises, wird am 2. November ein Lern- und Gedenkort für jüdisches Leben eröffnet. Hier soll die Kultur des Judentums in Erinnerung gerufen werden. Angesprochen werden sollen Schulklassen, historisch interessierte Menschen und Nachkommen jüdischer Familien, die sich auf Spurensuche befinden.

Was sich der Verein sonst noch vornehmen will, lesen Sie in der gedruckten Montagsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeinen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.