Nicht überall ist der Ofen aus

Unternehmer im Kreis suchen Nachfolger: Doch das klappt nicht immer

Zwei Männer mit Helmen stehen vor einer Kalkverarbeitungsanlage.
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Neues und Bewährtes: Norbert und Christian Köhler leiten Köhler Kalk erst einmal zusammen, Vater Nobert möchte den Betrieb aber irgendwann abgeben.

Ob Familie, Bekannte oder Mitarbeiter, wenn Unternehmer in Rente gehen, muss einer den Chefsessel übernehmen, doch das klappt nicht immer.

Werra-Meißner – Obwohl die Nachfolge in den Betrieben im Werra-Meißner-Kreis schwierig ist, sieht Thomas Wehrum seine Nachfolge ganz entspannt. Der Zaunanlagen-Unternehmer leitet seit 23 Jahren einen eigenen Betrieb, ist jetzt 58 Jahre alt und macht sich keine Sorgen um die Nachfolge. In zwei Jahren will er in Rente gehen und vor Kurzem hat er einen potenziellen Nachfolger aus einem anderen Betrieb anwerben können, Kinder hat er nicht. „Ich werde ihn ein Jahr lang einweisen und dann noch begleiten“, sagt Wehrum. Erst einmal will er nur die Hälfte der Unternehmensanteile verkaufen, um den Nachwuchs finanziell nicht zu überfordern.

Weil Wehrum bisher keinen Nachfolger in Aussicht hatte, waren auch die Schließung seines Betriebes und der Verkauf an eine fremde Firma eine Option für den Unternehmer. Er weiß, dass es schwierig ist einen Nachfolger zu finden. „Denn machen wir uns nichts vor, Industrielöhne können wir nicht zahlen“, sagt Wehrum.

Manchmal klappt es nicht

Da, wo keine Nachfolger gefunden werden können, müssen Betriebe schließen. „Das passiert im Werra-Meißner-Kreis nicht selten“, sagt Peter Döring von der Wirtschaftsförderung.

Zu den Betrieben, die ihre Türen für immer schließen, gehört auch der Elektrotechniker H.Kühn aus Meinhard. Geschäftsführer Holger Kühn läuft durch die dunklen Flure, vorbei an leeren Büros und Fertigungshallen. Eigentlich wollte der 63-Jährige den Betrieb in diesem Jahr an einen Ingenieur abgeben. Frühzeitig hatte Kühn nach einem Nachfolger gesucht, denn seine Kinder haben andere Pläne, doch der potenzielle Nachfolger sagt die Übernahme vor sechs Jahren ab.

Dann hatte Kühn Glück, ein Mitarbeiter wollte die Firma übernehmen. „Der sagte dann im Winter, letzten Jahres, dass er es doch nicht machen will“, erklärt der Unternehmer. Dabei hatte Kühn gerade angebaut und die Lagerhalle erweitert, war er sich doch sicher, dass es seinen Betrieb auch weiterhin geben würde.

Als die Wirtschaftsförderung bei der Suche mithalf, suchte Kühn deutschlandweit, doch kein Erfolg. Holger Kühn vermutet: „Die jungen Leute scheuen die Verantwortung und die viele Arbeit.“ Dass es so schwer werden und er letztendlich scheitern würde, hätte Holger Kühn nicht gedacht. „Aber ich habe jetzt mit der Sache abgeschlossen“, sagt er.

Nachfolge gesichert

In der Firma Köhler Kalk, die in Vockerode in der Gemeinde Meißner Dolomit abbaut, war lange Zeit nicht klar, wer nach Vater Norbert Köhler den Betrieb weiterführen würde. Sohn Christian hatte Chemie in Freiburg studiert und wollte zunächst nicht in den Werra-Meißner-Kreis zurückziehen.

„Als unser erster Sohn zur Welt kam, haben sich die Pläne geändert“, erklärt Christian Köhler. Als er dann 2013 in den Betrieb der Eltern mit einstieg, sei schnell klar gewesen, dass er bleibe.

Den Anspruch, den Betrieb weiter zu führen, hätten die Eltern nie an ihn und seinen Bruder gestellt, erinnert sich Christian Köhler.

Trotzdem strahlt Vater Norbert Köhler, als er sagt: „Dass der Betrieb von Christian weitergeführt wird, ist einfach nur klasse.“

Damit der Ofen auch weiter brennt, haben Christian und Norbert Köhler in eine neue Anlage investiert. „Ob die einmal von der nächsten Generation weitergeführt wird, wird sich zeigen,“ sagt Christian Köhler. Die Unternehmensnachfolge ist also auch in Zukunft keine reine Familiensache. Kim Hornickel

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