Arbeiten von zu Hause

Öffentlicher Dienst stellt durch Pandemie schneller auf Homeoffice um

Timo Friedrich, Bürgermeister von Wehretal, arbeitet teilweise von zu Hause aus.
+
Timo Friedrich, Bürgermeister von Wehretal, arbeitet teilweise von zu Hause aus.

Werra-Meißner – Arbeiten im Homeoffice wird in Einrichtungen des öffentlichen Dienstes im Werra-Meißner-Kreis jetzt verstärkt genutzt. Die meisten Gemeinde- und Stadtverwaltungen, das Kreiskirchenamt oder die Sparkasse beispielsweise haben umgestellt – durch die Pandemie schneller als geplant. Vorbereitet worden sei das schon zuvor, aber erst seit der Coronakrise sind Notebooks und Diensthandys von zu Hause im Einsatz – gegen die Ansteckung am Arbeitsplatz.

Um die neuen Maßnahmen umzusetzen, haben die Verwaltungen investiert. „Über 90 000 Euro wurden für Hardware investiert“, sagt Scarlett Grebestein, Sprecherin der Stadt Eschwege. Um die Ausgaben zu stemmen, hat die Stadt auch Unterstützung vom Land Hessen erhalten. Für den digitalen Umbau der Kreisverwaltung wurden bisher 60 000 Euro investiert, teilt Kreissprecher Jörg Klinge mit – Kosten für Software, W-Lan, Headsets und Webcams nicht eingeschlossen. Wie die Stadt Wanfried mitteilt, werden pro Arbeitsplatz mindestens 1000 Euro Einrichtungskosten fällig. Dabei bieten die meisten Verwaltungen all ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten. „Grundsätzlich dürfen alle Beschäftigten im Homeoffice arbeiten, wenn die Arbeitsaufgaben auch von zu Hause möglich sind“, erklärt beispielsweise Pressesprecherin Catiana Monteiro Lanca für das Finanzamt Eschwege-Witzenhausen.

Anders sei das in den kleinen Gemeindeverwaltungen. Hier arbeite eine geringe Zahl an Mitarbeitern, jeder habe ein eigenes Büro, und so sei Homeoffice nicht nötig, berichtet beispielsweise Ringgaus Bürgermeister Mario Hartmann. Amtskollege Thomas Mäurer aus Weißenborn sieht noch einen anderen Aspekt, der gegen Homeoffice in der Gemeindeverwaltung spreche: „In einer kleinen Verwaltung, wo alle Mitarbeiter einen Teil der Arbeit am Bürger ausüben, ist die Sinnhaftigkeit von Homeoffice-Arbeitsplätzen schwer.“

Thomas Mäurer, Bürgermeister Weißenborn

Teilweise bis zu 50 Prozent der Belegschaft kommunaler Verwaltungen im Kreis wird die Arbeit zu Hause ermöglicht, ergab eine stichprobenartige Umfrage. (Kim Hornickel)

Regional geringere Homeoffice-Quoten

Während in den Bundesministerien die Homeoffice-Quote bis zu 85 Prozent betrage, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur DPA bestätigt, sind die Quoten in den lokalen Behörden geringer und nähmen weiter ab, je lokaler eine Behörde sei. Nachfragen bei 14 Großstädten und 16 Bundesbehörden zeigten, dass weniger als die Hälfte der Mitarbeiter im Innendienst die Möglichkeit haben, von zu Hause aus zu arbeiten. Das bestätigte ein Bericht der Welt am Sonntag. kh

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.