Leben ohne Strom und fließendes Wasser: Ein Blick in den ökologischen Schaugarten

Natur besser als Fernsehen: Zoë Lubbers (links) und Maria Fiedler jäten Unkraut aus ihrem Gemüsebeet im ökologischen Schaugarten in Witzenhausen. Foto: Leissa

Witzenhausen. Keinen Strom und kein fließendes Wasser zu haben - für viele schier unvorstellbar. Für sieben Menschen in Witzenhausen ist es aber gelebter und willkommener Alltag.

Maria Fiedler und Zoë Lubbers sehen es als Herausforderung, wie sie sagen: 360 Tage im Jahr leben die jungen Frauen in Bauwagen auf einer ehemaligen Kirschenplantage, die seit sechs Jahren zu einem ökologischen Schaugarten ummodelliert wird.

Fließender Strom und Wasser sind hier Mangelware: Über Solarpaneele steht den Studentinnen sowie ihren fünf Mitbewohnern für einige Stunden am Tag Strom zur Verfügung. „Im Sommer können wir eigentlich den ganzen Tag Radio hören oder unsere Geräte, wie Handys, aufladen.

Aber im Winter, wenn die Sonne nicht so viel scheint, müssen wir den uns zur Verfügung stehenden Strom rationieren“, erklärt die 28-jährige Lubbers. Auch können sie nicht einfach den Hahn aufdrehen, wenn sie Wasser brauchen.

Geduscht wird bei Wind und Wetter in einer Gemeinschaftsdusche, in welcher Regenwasser durch Sonnenenergie erwärmt wird. „Im Sommer hier zu duschen und dabei ganz Witzenhausen überblicken zu können, das ist unvergleichlich“, meint Maria Fiedler und blickt strahlend vom Rabenberg zu der im Tal liegenden Kirschenstadt hinunter.

Lebensstil härtet ab 

Dieser Lebensstil härtet ab, meint Lubbers. Sie könne sich nicht mehr daran erinnern, wann sie zuletzt eine Erkältung hatte. Überhaupt vermisse sie eigentlich kaum etwas in ihrem Bauwagen: Im Sommer setzen die Studenten ihre Uni-Projekte praktisch im Schaugarten um, während sie im Winter weitere entwickeln und Ideen austauschen.

„Ich liebe die Natur, sie ist sehr viel besser als ein Fernseher“, sagt die gebürtige Holländerin, die für den ökologischen Schaugarten eine Pflanzenkläranlage entwickelte. Diese klärt mittels Schilfwurzeln Wasser und bereitet es zur weiteren Nutzung auf.

Alles im Garten sei darauf ausgelegt, einen biologischen Kreislauf zu bilden. Ebenso wie die Dusche steht für die Betreiber des Schaugartens ein Toilettenwagen bereit. „Es ist eine Trockentoilette. Die Notdurft wird mit Sägespänen vermengt und kompostiert“, erklärt die 23-jährige Fiedler. Aber nur Jungpflanzen, die noch keine Früchte gebildet haben, werden damit gedüngt. Die Saat für ihr Obst und Gemüse wird selber gezüchtet, nur wenig Saatgut muss eingekauft werden. In ihrem Gewächshaus wachsen aktuell zehn verschiedene Tomatensorten.

„Wir bemühen uns, auch alte und nicht mehr bekannte Sorten anzubauen, so wie die gelbe Himbeere zum Beispiel“, sagt Lubbers. Nicht weit von dem Gemüsebeet, in dem Mangold, Bohnen und Lauch wachsen, wächst auch ein Mini-Kiwi-Strauch.

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