Ohne Ehrenamt läuft nichts

Diskussion über Auflösung der Ortsbeiräte 

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Will das Dorf erhalten: Ortsvorsteherin Birgit Osigus-Koch setzt sich für die touristische Vermarktung als Premiumwanderweg ein. Ein Projekt der Dorferneuerung ist der Bau einer öffentliche Toilette am Vereinsheim für Wanderer.

Werra-Meißner. Die Verkleinerung der Ortsbeiräte wird im Werra-Meißner-Kreis immer wieder diskutiert. Aktuell wird in Großalmerode über eine Verkleinerung des Gremiums nachgedacht.

In Berkatal wird heute bei der Gemeindevertretersitzung sogar über eine Auflösung des Gremiums diskutiert. „Dass es aber tatsächlich so weit kommt, halte ich für unwahrscheinlich“, sagt Bürgermeister Friedel Lenze.

Sollten sich in einem Ort nicht genügend Ehrenamtliche zur Wahl stellen, bedeutet das konkret, dass es in diesem Ort bis zur nächsten Kommunalwahl keinen Ortsbeirat gibt. Die Hessische Gemeindeordnung (HGO) besagt, dass bei einem fünfköpfigen Ortsbeirat mindestens fünf Bewerber auf der Liste stehen müssen. „Es gibt Probleme mit der Rekrutierung und es wird immer schwieriger, die Listen voll zu bekommen“, sagt Großalmerodes Bürgermeister Andreas Nickel (SPD). Die Stadtverordneten sollen deshalb in ihrer nächsten Sitzung am Donnerstag, 5. März, über die Verkleinerung der Ortsbeiräte abstimmen.

2012 hatte das Parlament sich gegen die Reduzierung von fünf auf drei Ortsbeiratsmitglieder in Rommerode und Epterode entschieden. In beiden Ortsteilen gibt es derzeit nur vier statt fünf Ortsbeiratsmitglieder. Die Verwaltung habe die Ortsbeiräte bereits über die Überlegung informiert. Die Verkleinerung des Gremiums soll für jeden Ortsteil individuell entschieden werden.

In Hessisch Lichtenau werden sich im Jahr 2016 vier von 14 Ortsbeiräten verkleinern, teilte Bürgermeister Jürgen Herwig (SPD) auf Anfrage mit. In Fürstenhagen und der Kernstadt gibt es dann nur noch sieben statt neun Mitglieder. In Quentel und Retterode verkleinert sich das Gremium ebenfalls jeweils um zwei Sitze auf nunmehr fünf Ortsbeiratsmitglieder. Die Änderung der Hauptsatzung zur Reduzierung der Mitglieder wurde bereits im Mai 2014 von den Stadtverordneten beschlossen. (alh)

Ortsvorsteherin setzt auf Mitbestimmung und Engagement 

Reichenbach. „Für den Ortsbeirat sind die Menschen im Dorf sehr wichtig“, beschreibt Birgit Osigus-Koch ihr ehrenamtliches Engagement in Reichenbach. Die Ortsvorsteherin und Stadtverordnete (FWG) kennt die Belange ihres Dorfes bestens. Seit 18 Jahren ist sie Mitglied in dem ehrenamtlichen Gremium und seit zehn Jahren bekleidet sie das Amt der Ortsvorsteherin.

Für die Ortsbeiratswahl im kommenden Jahr wünscht sich die 57-Jährige, dass sich jüngere Reichenbacher engagieren. „Wir müssen sehen, dass unser Ort attraktiv bleibt“, begründet sie den Wunsch.

Der Ortsbeirat sei ein unverzichtbares Instrumentarium, dass sowohl auf Positives als auch auf Negatives im Dorf aufmerksam machen kann: „Der Ortsbeirat ist somit das Bindeglied zwischen den Ortsteilen und der Verwaltung.“ Je mehr Austausch zwischen Ortsbeirat und Verwaltung bestehe, desto größer seien das Verständnis und der Zusammenhalt. Den Bürgern müsse das Gefühl vermittelt werden, ernstgenommen zu werden. Und ein Gremium wie der Ortsbeirat könne die „Weichen so stellen, dass etwas erreicht werden kann.“ Als Beleg dafür nennt sie die Dorferneuerung in Reichenbach, für die sich Osigus-Koch seit acht Jahren stark macht (wir berichteten). „Jedes Dorf kann an seinen Schwerpunkten arbeiten, bei uns bietet sich der Tourismus an“, sagt Osigus-Koch, die sich mit vielen fleißigen Reichenbachern wegen der Dorferneuerung fast jede Woche zusammensetzt.

In der Regel treffen sich die Ortsbeiräte viermal im Jahr. Der Ortsvorsteher organisiert die Sitzungen und lädt dazu ein. Ein besonderes Augenmerk legt das Gremium auf Haushaltsfragen. Bevor das Parlament das Rechenwerk verabschiedet, kann der Ortsbeirat eine Stellungnahme dazu abgeben. „Ich halte es demokratisch für wichtig, denn wer beteiligt wird, engagiert sich“, sagt Osigus-Koch. Deshalb spricht sich die Ortsvorsteherin auch gegen die aktuell diskutierte Verkleinerung der Parlamente aus. Das sei schlecht für den Pluralismus in unserer Gesellschaft. „Ich kann jedem Dorf nur dazu raten, dass es einen aus dem Ort in das Parlament entsendet, um repräsentativ vertreten zu sein“, sagt die Ortsvorsteherin. Deutschland funktioniere nicht ohne das Ehrenamt. Deshalb sei es auch wichtig, dass Bürger und Ortsbeiräte in die Ausschüsse gehen.

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