Eine Reise zurück in die Jugend

Oldtimer-Freunde Eschwege organisieren Ausstellung mit Ausfahrt

Familienausflug: Rudolf (rechts) und Jürgen Jacob sind mit ihrem Opel Kadett B LS Super beim Oldtimertreffen dabei, der sich seit 1978 in Familienbesitz befindet.
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Familienausflug: Rudolf (rechts) und Jürgen Jacob sind mit ihrem Opel Kadett B LS Super beim Oldtimertreffen dabei, der sich seit 1978 in Familienbesitz befindet.

63 Old- und Youngtimer haben die Oltimerfreunde Eschwege am vorigen Wochenende in einer kleinen Schau am Hessenring in Eschwege präsentiert.

Eschwege – Thomas Huff ist aus Haunetal mit seiner Jugendliebe angereist. Zum einen saß sie auf dem Beifahrersitz, zum anderen hat er sie selbst gefahren. Einen Audi Coupé GT aus dem Jahr 1985 hatte er als junger Mann schon einmal besessen. Dann wurde der Sportwagen unpraktisch. Vor zwei Jahren hat er sich den Traum von früher zurückgeholt. „Jetzt, wo die Kinder aus dem Haus sind, passt es wieder“, sagt seine Frau.

Die Idee zum Treffen

So wie Thomas Huff geht es vielen Ausstellern und Besuchern der kleinen Messe der Oldtimer-Freunde Eschwege an diesem Tag: Über die Fahrzeuge versetzen sie sich zurück in ihre Kindheit und Jugend. Außerdem können sie sich mit Gleichgesinnten austauschen. Das kommt an. 63 Old- und Youngtimer sowie fünf Motorräder wurden am Samstag auf dem Außengelände von Mercedes-Schäfer am Hessenring ausgestellt. Mehr als hundert Besucher kamen zum Zuschauen.

Nachdem das Treffen im vergangenen Jahr ausgefallen ist, hat Wolfgang Goethe zusammen mit Karl Becker in diesem Jahr die Auto-Liebhaber aus der Region zusammengetrommelt. Goethe hatte, als er von Frankfurt zurück nach Eschwege kehrte, den Oldtimer-Stammtisch gegründet. Vor zwei Jahren hat er von Günter Schotte die Tradition der Ausstellungen mit Ausfahrten übernommen. „Nach der Pause im vergangenen Jahr ist die Freude bei allen Beteiligten groß, sich jetzt wieder treffen zu können“, sagt Goethe. Die Teilnehmer schauen, was die Gleichgesinnten so zu bieten haben, führen „Benzingespräche“ und fachsimpeln über Techniken und Ersatzteilbeschaffung. Viele seien Wiederholungstäter.

Besondere Geschichte

Rudolf und Jürgen Jacob aus Reichensachsen kommen gerne zu dem Treffen. Wie immer haben sie ihren 53 Jahre alten Opel Kadett B LS Super dabei. Der gehört zur Familie. 1978 hatte ihn Rudolf Jacob als Zweitwagen für seine Frau gebraucht gekauft. Sohn Jürgen hat den Wagen dann übernommen, als er seinen Führerschein gemacht hat. Auch er fährt ihn schon seit über 30 Jahren. Irgendwann musste sich die Familie entscheiden: Abgeben oder Aufbereiten. 200 D-Mark wollte ein Sammler noch hinlegen. Für die Jacobs keine Alternative. Er wurde aufbereitet, generalüberholt, bekam einen neuen Motor und erstrahlt jetzt in altem, zweifarbigem Glanz. Zwischenzeitlich hatten die Jacobs gleich mehrere alte Kadetts. Die wurden aber zwischenzeitlich ausgeschlachtet, alle Ersatzteile verkauft. Geblieben ist der treue Wegbegleiter aus dem Baujahr 1968.

Außergewöhnliches

Die Bandbreite der Ausstellung ist riesig. Mitmachen durften Autos und Motorräder, deren Baujahr vor 1996 liegt. Unter den Youngtimern befanden sich viele BMW und Mercedes. Die 1970er- und 1980er-Jahre wurden durch zahlreiche Opel und Ford vertreten. Zu den Exoten gehörte ein Bricklin SV-1, der eine echte Rarität ist. Laut Kraftfahrtbundesamt existieren davon genau drei Stück in Deutschland. Der Sportwagen mit Flügeltüren ist das einzige Modell des kanadischen Herstellers Bricklin Vehicle Corporation und wurde innerhalb von drei Jahren in 2875 Exemplaren produziert. Michael Mangold aus Reichensachsen bezeichnet ihn als klassischen Scheunenfund. 25 Jahre stand er in der Schweiz unter einer Plane, bevor er ins Wehretal ging. Wegen Mikrorissen im Lack hat ihn Mangold foliert. Der Innenraum befindet sich im Originalzustand. Seinen Exoten mit 5,8 Litern Hubraum und 350 PS holt er meistens nur zu Überführungsfahrten aus der Garage. 1000 Kilometer fährt er damit pro Jahr.

Das älteste Fahrzeug brachte Wilhelm Götting mit. Sein BMW-Cabrio 327 datiert aus dem Jahr 1938. Der Tourensportwagen wurde zwischen 1937 und 1941 genau 1606-mal als Cabrio gebaut – übrigens nicht weit von hier im BMW-Zweitwerk in Eisenach.

Die Ausfahrt

Göttings Cabrio ging mit auf die Ausfahrt. Die Cabrios konnten auf dem Weg über Rambach, Sontra, Thurnhosbach und Waldkappel bis nach Germerode weitestgehend offen fahren, weil das unbeständige Wetter des Wochenendes am Samstag hielt. 33 Autos und zwei der fünf vorgefahrenen Motorräder fuhren die knapp 70 Kilometer lange Strecke mit. „Wenn sich der Tross durch die Dörfer schlängelt, halten die Passanten inne und winken uns zu“, berichtet Goethe von der Ausfahrt. Viele denken bei den vorbeifahrenden Klassikern an die eigene Kindheit und Jugend zurück. (Von Tobias Stück)

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