Bühnen eine Bühne geben

Open Flair und 41 weitere Festivals gründen Lobbyverband

Tausende in Feierlaune: Bilder wie diese gibt es erst 2022 wieder. Hier spieleten beim Open Flair 2010 die amerikanische Punkband Nofx.
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Tausende in Feierlaune: Bilder wie diese gibt es erst 2022 wieder. Hier spieleten beim Open Flair 2010 die amerikanische Punkband Nofx.

Das Open Flair hat sich gemeinsam mit 41 weiteren hessischen Festivals zu einem Lobbyverband „Bühnen eine Bühne geben“ zusammengeschlossen, um ihr Anliegen in einer transaprenten Kommunikation zwischen Politik und Kultur voranzutreiben.

Eschwege – 20 000 Menschen feiern gemeinsam, Tausende schlagen ihr Zelt fünf Tage lang vor Eschwege auf, große wie kleine Künstler aus dem In- und Ausland performen auf den verschiedenen Bühnen – nicht vergessen werden darf natürlich die Gänsekapelle, die durch die Eschweger Innenstadt watschelt. Das alles und noch viel mehr macht das Heimatfestival Open Flair aus, das nun erneut verschoben wird.

Das Programm aus 2020 bleibt aber auch für 2022 bestehen, die Karten behalten ihre Gültigkeit, wie Festivalchef Alexander Feiertag betont.

Was in dieser Zeit besonders ärgerlich ist, ist die fehlende Planungssicherheit durch die Coronakrise. Aus diesem Grund hat sich das Open-Flair-Festival mit zahlreichen weiteren Festivals aus Hessen zusammengeschlossen, um einen Lobbyverband zu gründen, wie Feiertag erklärt „Wir haben in Pandemiezeiten gemerkt, dass man als Einzelner wenig Gehör findet.“

Positionspapier der hessischen Open-Air-Festivals

Mit dem Lobbyverband wollen die Festivalmacher geschlossen auf die hessische Landesregierung zugehen und für ihre Anliegen werben. Neben dem Flair werden damit noch 41 weitere Festivals in Hessen repräsentiert, etwa das Stadt-ohne-Meer-Festival in Gießen und das Herzberg Festival. Hauptsächlich fordern sie eine transparente Kommunikation zwischen Politik und Kultur, eine sichere Planungsgrundlage und Förderungen. Das geht aus dem Positionspapier „Bühnen eine Bühne geben“ der hessischen Open-Air-Festivals hervor, das der Landesregierung nun vorliegt.

„Die hessische Festivallandschaft sollte auf der Liste schützenswerter Kulturgüter im Land eigentlich weit oben stehen. Leider fühlen wir uns von der Politik missachtet und keinesfalls wahrgenommen – ungeachtet der Größe des Festivals“, heißt es in dem Positionspapier.

Forderung: Konkreter Handlungsspielrahmen und Öffnungsbedingungen

Konkret sollen zum Beispiel der Handlungsspielrahmen sowie der Öffnungsablauf klar definiert werden. „Es gibt keine Ansage, ob und was im Juli und August unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein kann“, verdeutlicht Feiertag. Es sei schon hilfreich, zu wissen, ob Veranstaltungen mit 100 oder 1000 Personen möglich sein können, wenn man dafür eine Impfung oder einen negativen Coronatest voraussetzt. Das alles sei unklar. Die Veranstalter möchten zukünftig in die Erstellung solcher Richtlinien miteinbezogen werden.

Verbindliche Zusagen über Ausgleichszahlungen

Auch bei den finanziellen Aspekten fühlen sich Veranstalter allein gelassen. Auf ein bereits ausgefallenes Festivaljahr folgt nun ein weiteres. Die Einnahmen fehlen. „Als Festival haben wir ein finanzielles Problem, über das Jahr zu kommen“, sagt Feiertag. Daher wünscht sich der Verband unter anderem verbindliche Zusagen über Ausgleichszahlungen für die restliche Festivalsaison 2021 sowie finanzielle Unterstützung bei Hygienekonzepten und individuelle Förderungen.

Derzeit versucht sich das Open Flair mit Merchandising über Wasser zu halten. Verkauft werden Kleidung, Tassen, Kalender, Accessoires, Socken, Fahnen und Aufkleber über den Online-Shop. Sie sind auf die Solidarität der Künstler und Besucher angewiesen. Die Festivalmacher hoffen, dass möglichst wenige Besucher ihre Karten zurückgeben, bis es hoffentlich 2022 mit dem 36. Open Flair weitergehen kann. Das Flair ist bislang ausverkauft. „Die meisten haben bisher ihre Karten behalten. Vielen Dank dafür“, sagt Feiertag. Viele hätten trotz der Lage sogar neue Karten gekauft. Im sozialen Netzwerk Facebook zeigt sich die Flair-Gemeinschaft solidarisch. Die Fans äußern sich überwiegend verständnisvoll. Es sei zwar schade, aber umso mehr freue man sich auf das Jahr 2022, heißt es dort.

Von Jessica Sippel

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