Jugend will ernstgenommen werden

Organisatoren ziehen Bilanz zur Aktionswoche „Was sagt ihr zu Corona?“ im Werra-Meißner-Kreis

Die Jugendpflegerinnen Paula Zacher (links) und Christina Gliemroth und ihr Projekt „Starke Statements – Jugend eine Stimme geben“.
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„Was sagt ihr zu Corona?“ An dieser Aktion beteiligte sich auch die Jugendförderung Eschwege. Unser Bild zeigt die Jugendpflegerinnen Paula Zacher (links) und Christina Gliemroth und ihr Projekt „Starke Statements – Jugend eine Stimme geben“.

Wie erleben Kinder und Jugendliche die Corona-Pandemie? Darum drehte sich die Aktionswoche „Und wer fragt uns?“ im Werra-Meißner-Kreis. Die Ergebnisse überraschen.

Werra-Meißner – Rund 200 junge Menschen beteiligten sich an 13 Projekten – vom Grundschüler bis zum jungen Erwachsenen, sagen die Organisatoren. Dazu gehören die Jugendförderung, die Schul- und Familiensozialarbeit, die Diakonie, Rundfunk Meißner, die Partnerschaft für Demokratie und der Verein La.Le.Schu. Die Ergebnisse:

Sorge ist da

Bereits Grundschüler wüssten viel über die Pandemie, erfuhr etwa Kim Hofmann, Jugendkoordinatorin der Partnerschaft für Demokratie (PfD), in Interviews. „Die Sorge um die Familie und die Älteren ist meist größer als um sich selbst.“

Viele Kinder hätten grundsätzlich Verständnis für die AHA-Regeln. Mit Masken und Decken würden sie pragmatisch umgehen. Das bestätigt Katharina Franke (PfD): Kinder und Jugendliche würden nicht nur an sich denken, sondern Regeln auch in Beziehung setzen. „Sie sagen: Ich finde die Maske doof, aber ich kann damit meine Oma schützen.“

Eigene Meinung

Viele hätten der Pandemie auch gute Seiten abgewinnen können. „Sie fanden es toll, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen“, sagt Matthias Heintz (Diakonie). Sie hätten im Lockdown weniger Stress gehabt und ihren Alltag selbst gestalten können. Andere fanden, dass die Erwachsenen nicht genug täten, um die Bevölkerung zu schützen. Das bestätigt Hofmann: Oberstufenschüler hätten sich für Unterricht in kleineren Gruppen ausgesprochen, um sich sicherer zu fühlen.

Persönlicher Verzicht

Nicht Partys würden vermisst, sondern vor allem ein Gemeinschaftsgefühl, Hobbys und ein unbeschwerter Alltag, sagt Hofmann. Schulabgänger fühlten sich in ihrer Lebensplanung eingeschränkt. „Das war für sie aber nicht wichtiger als andere Themen.“ Das bestätigt Heintz: „Kinder opfern sich in Krisen schnell und verzichten auf ihr Vergnügen.“

Keine Gewalt

Es habe keine Hinweise von mehr häuslicher Gewalt gegeben, sagt Franke. Für solche persönlichen Berichte hätten sich die Projekte aber nur begrenzt angeboten. Existenzängste wegen Kurzarbeit oder drohendem Jobverlust hätten die Kinder mitbekommen. Sie berichteten auch teilweise von mehr Streit unter Geschwistern, etwa weil die Jüngeren zu laut gewesen wären und sich die Älteren nicht auf ihre Aufgaben konzentrieren konnten.

Gehör finden

Viele Kinder und Jugendliche hätten sich gefreut, überhaupt nach ihrer Meinung gefragt zu werden, sagt Franke. Eine „Jammerkultur“ habe es nicht gegeben. „Sie wollten ihre Sorgen loswerden und ernst genommen werden.“

Mitbestimmen

Es sei klar geworden, dass Kinder und Jugendliche mehr einbezogen werden wollen, sagt Heintz. Die Pandemie habe diesen Wunsch verdichtet: Junge Leute wollten nicht nur Verhaltensregeln vorgesetzt bekommen, sondern sie auch mitgestalten. Viele hätten gute Ideen, wie man etwa den Schulalltag sicher gestalten könnte, so Heintz: „Kinder und Jugendliche können früh eine demokratische Grundhaltung entwickeln und mitbestimmen.

Die Frage ist: Wie viel trauen wir ihnen zu?“ Die Pandemie habe wie ein Brennglas vernachlässigte Themen wie Kinderrechte sichtbar gemacht, bilanziert Franke. Jetzt gebe es eine Chance, sie mehr in den Blick zu nehmen. Dazu soll es von Januar bis Juli weitere Projekte geben.

Alle Projekte, Interviews und den Fachvortrag zum Auftakt gibt es hier: zu.hna.de/aktionJugend

(fst)

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