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Ost und West zusammenbringen: Die IG Heldrastein pflegt Begegnungspunkt

Heute mal keine freie Sicht: Auf dem 504 Meter hohen Heldrastein genießen Andreas Müller (links), Peter Bühn und alle anderen Ehrenamtlichen der IG Heldrastein sowie Besucher sonst einen klaren Blick über das Werratal.
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Heute mal keine freie Sicht: Auf dem 504 Meter hohen Heldrastein genießen Andreas Müller (links), Peter Bühn und alle anderen Ehrenamtlichen der IG Heldrastein sowie Besucher sonst einen klaren Blick über das Werratal.

Vereine halten unsere Gesellschaft zusammen. Seit Jahren haben sie mit Problemen zu kämpfen. Und dann kam auch noch Corona. Wir porträtieren besondere Vereine aus unserer Region.

Werra-Meißner/Treffurt – Die Interessengemeinschaft Heldrastein hat sich eine große Aufgabe auf die Fahne geschrieben: die während der DDR getrennten Nachbarn zusammenbringen, Bürger aus Hessen und Thüringen vereinen. Und das alles am besten noch am gemeinsamen Aussichtspunkt Heldrastein, der sich genau an der hessisch-thüringischen Grenze befindet.

Kurz nachdem die Mauer vor mehr als 30 Jahren fiel und Deutschland wiedervereinigt wurde, haben Bürger aus dem hessischen Heldra und dem thüringischen Schnellmannshausen die IG Heldrastein gegründet. Das, was einst ein Sperrgebiet war, wo selbst Einheimische nie hindurften, sollte ein Knotenpunkt für Begegnungen aller Menschen werden. „Ich war bei der Gründung damals 30 Jahre alt und konnte meine Heimat bis dahin nie richtig kennenlernen“, sagt Gründungsmitglied und zweiter Vorsitzender Andreas Müller aus Schnellmannshausen.

Gemeinsam haben damals Menschen von beiden Seiten der ehemaligen Grenze die Grundsteine gesetzt und auf dem Heldrastein einen Treffpunkt errichtet. Am Fuße des geschichtsträchtigen Turms der Einheit ist die Historie des Turmes und des Grenzgebiets am Heldrastein dokumentiert, die Mitglieder bieten Führungen an. „Wir haben angesichts der Historie auch einen Bildungsauftrag“, sagt Müller.

166 Stufen und 30 Meter hinauf: Der ehemalige NVA-Funkturm wurde auf IG-Initiative 1996 zum Aussichtsturm umgebaut, zum „Turm der Einheit“. Kosten: 205 000 D-Mark, finanziert über Sponsoren. Das Wahrzeichen ist stets für Besucher offen zugänglich.

Mitglieder aus unter anderem aus Thüringen und Hessen

Seit der Grenzöffnung engagieren sich Ehrenamtliche unter anderem aus dem Treffurter Raum, Wanfried, Weißenborn und Ringgau Hand in Hand für den Heldrastein. Heute zählen rund 400 Mitglieder zur IG Heldrastein – verteilt auf ganz Deutschland. Was zunächst nach einem großen Verein klingt, hat aber auch eine Kehrseite der Medaille: Wirklich aktiv in der IG Heldrastein engagieren sich mittlerweile nur noch 15 bis 20 Personen. „Unsere Altersstruktur ist sehr hoch. Viele, die bei der Gründung noch voller Energie waren, sind heute weit über 80 und schaffen vieles nicht mehr“, erklärt Kassenwart und Gründungsmitglied Peter Bühn.

„Was den Nachwuchs betrifft, habe sich im vergangenem Jahrzehnt wenig getan. Zu wenig aktive Mitglieder seien das Hauptproblem der IG Heldrastein, wie auch der erste Vorsitzende Ludwig Weller aus Wanfried mitteilt. Zuletzt hätten aber immerhin drei etwa 30 Jahre alte Freiwillige aus Altenburschla, Wanfried und Eschwege fest zugesagt, aktiv im Verein mitarbeiten zu wollen.

Tatkräftige Unterstützer werden gebraucht

Ein paar zusätzliche tatkräftige Hände sind bei der Fülle an Arbeit gut zu gebrauchen: Denn regelmäßig stünden Reparaturen und Instandhaltungen an, etwa an den Wegen, Zäunen und der Schutzhütte. Dazu soll Wanderern jeden Sonntag eine Bewirtung vor Ort gewährleistet werden – Einkäufe müssen getätigt, die Toilettenhäuschen und die Küche der Schutzhütte gilt es in Schuss zu halten.

Es kommt ein Erschwernis hinzu: Auf dem Heldrastein gibt es keinen Strom und kein Wasser. „Alles was wir brauchen, müssen wir jedes Mal hier hochfahren.“ Das Befahren des Berges mit dem Auto sei dem Verein im Naturschutzgebiet um den Heldrastein jedoch nur per Sondergenehmigung gestattet, betont er. „Über den Sommer konnten wir mehrere Wochen lang aber keine Bewirtung anbieten, weil uns schlicht die Leute fehlten“, sagt Müller.

Die Sorgen um den Bestand des Vereins sind kräftezehrend, die Coronapandemie war dabei keine Hilfe. Aber der Aufwand und der Einsatz lohnen sich, sind sich die Vereinsmitglieder sicher, die mit Herzblut und Enthusiasmus bei der Sache sind. „Der Berg als solcher ist besonders, wir erhalten hier eine uralte Tradition und bringen die Menschen zusammen“, sagt Bühn. Mitmachen lohnt sich aus Sicht der Ehrenamtlichen immer.

Denn die IG Heldrastein ist ein besonderer und auch aus historischer Sicht wichtiger Verein für die Region, mit dem großen Ziel, die innerdeutsche Grenze in den Köpfen der Menschen verblassen zu lassen, ein Gemeinschaftsgefühl herzustellen und die Botschaft der Einheit zu entsenden.

IGHeldrastein sucht fachmännische Unterstützung fürs Dachdecken

Die Ehrenamtlichen der IG Heldrastein haben immer gut zu tun. Als nächstes größeres Projekt steht die dringend notwendige Sanierung des Daches der Schutzhütte an dem Aussichtspunkt an, für das die Interessensgemeinschaft nun freiwillige aber dennoch fachliche Hilfe sucht.

Die Förderung der Sanierung aus dem Lotto-Fonds des Landes Thüringen in Höhe von 5000 Euro wurde über die thüringische Umweltministerin Anja Siegesmund bereits bewilligt und ausgezahlt, Material ist ebenfalls bereits bestellt, wie die Vereinsvorsitzenden Ludwig Weller und Andreas Müller mitteilen. Alles ist vorbereitet. Bislang konnten die Arbeiten, die die Ehrenamtlichen aus Budgetgründen in Eigenarbeit leisten müssten, jedoch nicht starten.

Es fehlen helfende Hände, ebenso wie die Expertise. „Wir brauchen jemanden vom Fach, der sich mit dem Dachdecken auskennt und uns anleiten kann“, erklärt Gründungsmitglied und Kassenwart Peter Bühn. „Sollten wir das Dach bis kommenden Juni nicht saniert haben, müssen wir das Geld zurückzahlen“, fügt Andreas Müller hinzu. Kontakt: info@ig-heldrastein.de

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite der IG Heldrastein.

Von Jessica Sippel

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