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Von fliegenden Eiern bis bunten Paraden: Das sind Ostertraditionen im Kreis und der Welt

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Von: Theresa Lippe

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Osterfeuer: In vielen Orten des Werra-Meißner-Kreises finden am Samstagabend Osterfeuer statt. archi
Osterfeuer: In vielen Orten des Werra-Meißner-Kreises finden am Samstagabend Osterfeuer statt. archi © privat

Jeder Ort und jede Familie hat eigenen Traditionen. Am höchsten christlichen Feiertag Ostern gibt es im Werra-Meißner-Kreis verschiedene Bräuche; einige außergewöhnliche haben wir zusammengetragen.

Werra-Meißner – Die Ostertraditionen im Werra-Meißner-Kreis reichen vom traditionellen Eiersuchen, bis hin zum Bau einer Höhle.

Osterfeuer

Fast jeder Ort hat sein eigenes Osterfeuer, das in der Nacht von Samstag zu Sonntag abgebrannt wird. Doch bevor die Scheiterhaufen entzündet werden, lassen es sich manche Dörfer nicht nehmen, ihren Nachbarn einen Streich zu spielen.

Teilweise versuchen Bewohner der Nachbarorte das Holz anderer Dörfer schon vor dem eigentlichen Termin anzuzünden, damit am Samstagabend nur noch Asche vorzufinden ist und die Feierlichkeiten ausfallen müssen. Alles natürlich ohne böse Absichten. Damit diese Versuche jedoch vergebens bleiben, wird in den Tagen Ostern am Scheiterhaufen von Dorfbewohnern Wache gehalten.

Nestbau

Die Kinder in Renda basteln Osternester aus Moos, Heu oder Kunstgras sowohl zuhause, als auch bei Nachbarn und Freunden. Doch dafür haben sie nicht ewig Zeit: Die Nester müssen schon bis zum Abend vor Gründonnerstag bereit sein, damit sie an Ostern mit Leckereien gefüllt werden. „Am Gründonnerstag gehen die Kinder dann von Haus zu Haus und sammeln ihre Nester leer“ , erzählt Marieluise Wolff, die in Renda aufgewachsen ist und dort ihre Kindheit verbrachte.

Eiersuche

Während im Rest der Nation traditionell am Ostersonntag die bunten Eier gesucht werden, die der Osterhase (oder Eltern und Großeltern) für die Kinder versteckt haben, ticken im Ringgau die Uhren anders. Hier gehen die Kinder schon an Gründonnerstag auf Eiersuche.

Diese Tradition bestünde schon seit so vielen Jahren, dass niemand mehr so recht wisse, woher sie eigentlich kommt, sagt Angelika Schönewolf, Ober-Landfrau in Bischhausen. Im gesamten Werra-Meißner-Kreis ziehen die Kinder am Sonntag von Haus zu Haus. Ähnlich wie am Nikolaus, fragen sie, ob der Osterhase Eier und Süßigkeiten für sie dort gelassen hätte. „Früher waren die Kinder im kompletten Ort unterwegs, inzwischen klingeln sie eher bei Freunden und Bekannten“, so Schönewolf.

Höhlenbau

In der Woche vor Ostern bauen Eltern und Großeltern in Jesbergs Gärten Osterhöhlen für die Kinder. Auch in Frankershausen wird die Tradition gepflegt. Für den Höhlenbau werden gut biegbare Weidenzweige in immer enger werdenden Bögen in die Erde gesteckt, anschließend wird sie mit Moos bedeckt.

Die Höhle ist im Eingangsbereich etwa 30 bis 40 Zentimeter hoch, sodass ein oder zwei Osterkörbchen mit kleinen Geschenken, Süßigkeiten und bunten Eiern hineinpassen. Gesucht und ausgeräumt werden, dürfen die Höhlen am Sonntag – entweder direkt nach dem Aufwachen, oder nach dem gemeinsamen Frühstück.

Bunte Ostereier: In Orferode werden die Eier nicht nur gegessen, sondern auch geworfen.
Bunte Ostereier: In Orferode werden die Eier nicht nur gegessen, sondern auch geworfen. © pia malmus

Eierwerfen

Eine kuriose Tradition gibt es in Orferode. Hier werden die Ostereier nicht alle gegessen, sondern werden am Sonntagnachmittag zu Fluggeschossen. Auf einer Anhöhe zwischen dem Forsthaus „Halbe Mark“ und dem Dorfteich gibt es eine sumpfige Wiese, weshalb der Boden weich und federnt ist. Dort werfen die Orferoder hartgekochte Ostereier: „Es geht darum, dass die Eier möglichst nicht kaputtgehen.

Außerdem gibt es immer Wettbewerbe, wer am weitesten werfen kann“, sagt Daniela Sjuits. Die Eier, die kaputtgehen, werden entweder gleich gegessen oder mit nach Hause genommen, um daraus grüne Soße zu machen. „Dieser Brauch ist sehr alt und wird eigentlich nur von den Ur-Einheimischen gepflegt.“

Osterdisco

In Waldkappel kann man nach dem ausgiebigien Schlemmen über die Ostertage direkt ein paar Kalorien verbrennen: Traditionell findet hier am Sonntagabend im Bürgerhaus die Osterdisco statt, zu der vor allem die jüngeren Bewohner gerne gehen. Alljährlich lädt die Kirmesjugend ein.

Zwischen religiöser Tradition und Kommerz – so wird Ostern international gefeiert:

Griechenland

Statt frohe Ostern wünschten sich unsere griechischen Nachbarn eine gute Auferstehung mit „Kalí anástasi“. Für die Gläubigen der grichisch-orthodoxen Kirche ist Ostern extrem wichtig. Ihren Höhepunkt finden die Feiertage in Prozessionen am Karfreitag und den Gottesdiensten in der Nacht auf Sonntag. In Europa feiert man hier wohl das größte Osterfest.

Ein griechischer Hefekranz, der meist mit einem roten Ei verziert wird.
In Griechenland wird zu Ostern ein Hefekranz namens Tsoureki gebacken. © Flickr/Creative Commons / Via Flickr: hopkinsii

Samstags wird ein Hefebrot gebacken und mit einem traditionell rot gefärbten Ei verziert, am Sonntag wird dies bei einem Picknick mit der Familie gegessen. Die roten Eier dienen außerdem einem kleinen Wettbewerb: Zwei Teilnehmer schlagen ihre Ostereier zusammen; Sieger ist der, dessen Eierschale nicht angeknackst ist. Traditionell isst man ein gegrilltes Osterlamm.

Da die orthodoxe Kirche ihre Feiertage nach dem Julianischen Kalender berechnet, fällt Ostern häufig auf ein anderes Datum als in Deutschland. In diesem ist Ostersonntag am 24. April.

USA

Besonders in den katholisch geprägten Südstaaten ist Ostern extrem wichtig und wird mit viel Bedacht auf religiöse Inhalte begangen. Die Kinder bekommen für die Ostermesse am Sonntag neue Kleidung, die sie in die Kirche tragen, sie kennen in der Regel den Hintergrund der Festtage. Nach dem Gottesdienst gibt es in der Regel Brunch. Es geht aber auch weniger religiös: In vielen Einkaufszentren können Kinder Fotos mit einem als Osterhasen verkleideten Mitarbeiter machen. Häufig kommen dabei lustige Schnappschüsse raus, wenn sich die Kinder vor dem Kostüm erschrecken oder fürs Foto eine Grimasse ziehen.

Barack Obama beim Eierrollen im Garten vor dem Weißen Haus.
Der ehemalige PräsidentBarack Obama beim Eierrollen im Garten vor dem Weißen Haus. (Archivfoto) © dpa-tmn

Zudem gibt es so genannte „Easter Parades“, also Paraden mit Straßenzügen und Musik, bei denen sich viele Amerikaner bunt und teils als Osterhasen verkleiden. Das „White House Easter Egg Roll“ ist ebenfalls ein großes Spektakel, bei dem Kinder am Weißen Haus in Washington Eier suchen und mit einem Stock über eine Wiese rollen. Der Präsident verschenkt Eier aus Holz mit Unterschrift.

Portugal

Die Kinder in Portugal gehen häufig schon an Gründonnerstag mit ihren Schulklassen auf Ostereier-Suche. Die älteren Schüler bemalen als Scherz eierförmige Steine mit goldener Farbe und verstecken sie mit den Schoko-Eiern. Oft wird daraus eine kleine Schatzsuche mit Hinweisen gemacht.

Kabeljau aus dem Ofen mit Gemüsen auf einem Teller angerichtet.
Portugal ohne ein Gericht mit Kabeljau ist möglich, aber sinnlos. Hier: Bacalhau Gomes de Sá. © Marco Schicker

Am Karfreitag wird traditionell Kabeljau gegessen, ein typisch portugiesischer Fisch. Außerdem besuchen Kinder an diesem Tag ihre Taufpaten. In nicht-religiösen Haushalten dient Ostern alljährlich als Anlass mit der Familie zusammen zu kommen, um eine gute Zeit mit Cousins und Cousinen zu haben und gut zu essen.

Von Theresa Lippe

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