Höchststand für flexibles Geld

Pandemie: Auf den Girokonten der Banken lagert so viel Geld wie nie zuvor

Eine SMS, in der eine sogenannte "mobileTAN" zur Verifikation von Banküberweisungen angezeigt wird, steht am 12.06.2017 in Berlin auf dem Display eines Handys.
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Auf den Girokonten der heimischen Kreditinstitute lagert momentan so viel Geld wie nie zuvor.  Der Grund dafür ist die Coronavirus-Pandemie.

Auf den Girokonten der heimischen Kreditinstitute lagert momentan so viel Geld wie nie zuvor.

Werra-Meißner - Das bestätigen die Marktführer, Sparkasse Werra-Meißner und VR-Bank Mitte, auf Anfrage unserer Zeitung. Beide Banken machen die Pandemie und die dazu angeordneten Lockdowns im Frühjahr und Winter verantwortlich.

„In den vergangenen Monaten war eine Konsumzurückhaltung bis hin zum teilweisen Konsumverzicht zu verzeichnen“, sagt Lutz Römer, Unternehmenssprecher der Sparkasse. Die nicht abschätzbare Auswirkung der Pandemie auf die Wirtschaft und damit den eigenen Arbeitsplatz und damit verbundener Existenzsorgen, hätten dazu geführt, zusätzliche Spargelder anzusammeln.

„Unsicherheiten erzeugen meist ein höheres Sicherheitsbedürfnis“

„Unsicherheiten erzeugen meist ein höheres Sicherheitsbedürfnis, nicht unbedingt notwendige Investitionen werden daher zurückgestellt“, sagt auch Florian Hartleib, Sprecher der VR-Bank Mitte. Im Vergleich von Anfang zu Ende 2020 sind die fälligen Einlagen auf Giro- und Tagesgeldkonten bei der VR-Bank um 147 Millionen Euro gestiegen. Bei der Sparkasse Werra-Meißner war ein Anstieg von 127 Millionen Euro innerhalb des Jahres 2020 zu verzeichnen.

Noch einen Grund gibt es für die Entscheidung zum schnell verfügbaren Geld: Die klassischen Anlagemöglichkeiten bieten kaum noch Rendite. „Viele Sparer ziehen die Flexibilität der kurzfristigen Verfügbarkeit einer möglichen Rendite vor“, sagt Hartleib.

Diese Zurückhaltung hat aber Nachteile für die Kunden. Weil für Sichteinlagen und Sparguthaben keine oder allenfalls noch geringe Sparzinsen gezahlt werden, wird die Inflationsrate (in Deutschland in 2020 im Schnitt 0,5 Prozent) dauerhaft kompensiert. „Die Folge ist, dass das Geld auf den Konten schleichend einen Teil seines Wertes verliert“, sagt Römer.

Für Banken hat das kurzfristig verfügbare Geld Nachteile

Auch für die Banken hat das kurzfristig verfügbare Geld Nachteile. Die hohen Kundeneinlagen belasten die Gewinn- und Verlustrechnungen der Kreditinstitute, weil für ihre Kontoguthaben bei deren Bankpartnern Verwahrentgelt bzw. sogenannte Negativzinsen berechnet werden.

Schon jetzt geben beide Banken die Kosten an Kunden mit über 100 000 Euro Vermögen weiter. Eine weitere Reduzierung dieses Freibetrags sei derzeit nicht geplant, erklären beide Unternehmenssprecher. Sie gehen aber auch davon aus, dass die Konsumfreudigkeit der Sparer wieder steigt, sobald die Pandemie vorbei sein wird. (Tobias Stück)

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