WR-Spende aus der Aktion Advent

Suchthilfe erklärt: „Pandemie verstärkt die Sucht“

Die Spende aus der Aktion Advent werden Harald Nolte (links) und Vanessa Mörbel für das Suchtpräventionsprojekt HaLt und den Elterntreffpunkt einsetzen.
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Die Spende aus der Aktion Advent werden Harald Nolte (links) und Vanessa Mörbel für das Suchtpräventionsprojekt HaLt und den Elterntreffpunkt einsetzen.

Die Werra-Rundschau sucht sich jedes Jahr zwei gemeinnützige Initiativen, die sie mit je 1500 Euro aus der Aktion Advent unterstützt. Bedacht wird in diesem Jahr die Suchthilfe.

Eschwege – Eines ist in den vergangenen Monaten ganz deutlich geworden. „Die Pandemie verstärkt die Probleme und damit auch die Sucht“, sagt Vanessa Mörbel von der Fachstelle für Suchtprävention in Eschwege. Die Nachfrage nach Beratung ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen, gleichzeitig hat sich die Präventionsarbeit der Fachstelle ziemlich verändert.

Gerade bei Anfragen der Angehörigen von Süchtigen sei der Beratungsbedarf „exorbitant gestiegen“, sagt Vanessa Mörbel. Die Menschen würden im Lockdown viel Zeit miteinander verbringen. „Dabei fällt das Suchtproblem eher auf“, sagt die Beraterin. Das betreffe alle Arten von Sucht. Langeweile führe dazu, dass Alkoholismus steige. Auch Drogenkonsum lasse durch die Beschränkungen der Pandemie nicht nach, sagt Harald Nolte, viele Jahre Leiter der Fachstelle. Und auch, wenn Spielhallen und Casinos derzeit geschlossen seien, ende dadurch die Glücksspielsucht nicht. „Für Süchtige gibt es immer Alternativen“, sagt Mörbel. Die Sucht habe sich dadurch in das Internet verlagert. Hier gäbe es unzählige Angebote, ohne das Haus verlassen zu müssen. Durch Verlinkungen unter den Glücksspielseiten werden die Betroffenen immer tiefer in den Teufelskreis hineingezogen. „Wenn jemand nicht in der Spielhalle, sondern vor dem Computer sitzt, bekommt man seine Sucht auch weniger mit“, sagt Mörbel.

Eine Sucht, die durch die Pandemie deutlich verstärkt wird, ist der Medienkonsum. „Die exzessive Nutzung ist extrem nach oben geschnellt“, sagt Nolte. Von bis zu 80 Prozent spricht der Experte. Man könne seltener das Haus verlassen und suche deshalb Ablenkung am Smartphone, Tablet oder Notebook. Eltern sind deshalb in diesen Tagen besonders gefordert und auch gelegentlich überfordert. Auch sie suchen sich dann Hilfe bei den Mitarbeitern der Diakonie in der Leuchtbergstraße. „Eltern müssen in diesen Monaten doppelt steuern und Schule und Freizeit trennen“, sagt Nolte. Die Kinder müssen ihre Schulaufgaben am Rechner machen und suchen auch den Rest des Tages Zerstreuung mit den Endgeräten. „Im Gegensatz zu vielen Erwachsenen kennen Jugendliche hier keine Sättigung“, sagt Nolte.

Die Aufklärungsarbeit ist in diesen Wochen schwer für das sechsköpfige Team der Diakonie. In die Öffentlickeit gehen können sie mit ihren Angeboten derzeit nicht. Elternabende finden derzeit im Netz statt. Die Frequenz dieser Angebote sei zurzeit eher schwach, die einzelnen Rückmeldungen der Teilnehmer dafür stark. Die Beratungen werden auf verschiedenen Kanälen weitergeführt. Am Telefon, per Videokonferenz, manchmal auch eine Hybridveranstaltung. „Wir versuchen so gut es geht präsent zu sein“, sagt Nolte.

So erkenne ich, ob mein Kind smartphonesüchtig ist

. Das Kind verliert die Kontrolle über seine Zeit (Termine versäumen).

. Es chattet und surft auch nachts, statt zu schlafen.

. Es kann seinen Handy-Konsum nicht mehr begrenzen, kann das Smartphone tageweise nicht weglegen.

. Reagiert aggressiv bzw. depressiv auf Handyverbote.

. Es zieht sich von persönlichen Treffen mit Familie und Freunden zurück.

. Er oder sie gibt Hobbys und ehemalige Interessen auf.

. In der Schule wererden die Noten schlechter.

. Auf Essen wird verzichtet, um sich nicht vom Handy zu trennen. QUELLE: Initiative für mehr Sicherheit im Netz

Kontakt: Die Suchthilfe ist unter 05651/3 39 42 92, die Suchtprävention unter 0 56 51/3 39 42 96 zu erreichen. (Von Tobias Stück)

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