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Energieversorgung im Kreis kann durch schnell wachsende Bäume gestützt werden

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Von: Nicole Demmer

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Heimischer Rohstoff zur Wärmeversorgung: Christian Siebert vom LLH-HeRo (links) und Wolfgang Hüller vom Fachdienst Abfallwirtschaft und Klimaschutz des Kreises in einer Pappel-Plantage in Witzenhausen.
Heimischer Rohstoff zur Wärmeversorgung: Christian Siebert vom LLH-HeRo (links) und Wolfgang Hüller vom Fachdienst Abfallwirtschaft und Klimaschutz des Kreises in einer Pappel-Plantage in Witzenhausen. © Nicole Demmer

Rasch nachwachsende Holzarten sind eine sichere Energiequelle und können im Werra-Meißner-Kreis zur Wärmeversorgung beitragen.

Werra-Meißner – Werra-Meißner – Drohende Versorgungsengpässe bei Strom und Gas und steigende Energiekosten, führen dazu, dass sich immer mehr Menschen nach alternativen Energiequellen umschauen. Dabei rückt auch ein Projekt des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) wieder in den Vordergrund, das seine Anfänge bereits vor knapp 20 Jahren fand. Schnell wachsende Baumarten auf landwirtschaftlichen Flächen sollen helfen, den möglichst raschen Umstieg auf CO2-neutrale Wärmequellen speziell für Gebäude umzusetzen.

Dabei handelt es sich um eine Brückentechnologie, auf bestimmte Holzarten wie Pappel und Weide zu setzen, erklärt Christian Siebert von LLH-HeRo in Witzenhausen. Er berichtet auch von einer gestiegenen Nachfrage zur Umstellung der Heiztechnologie, zum Beispiel, wenn sowieso eine neue Heizung benötigt wird. Wolfgang Hüller vom Fachdienst Abfallwirtschaft und Klimaschutz des Werra-Meißner-Kreises ergänzt: Durch das fix nachwachsende Holz könne eine zeitliche Versorgungslücke geschlossen werden. Langfristiges Ziel sei es dann, weniger Holz zu verbrennen und Gebäude besser zu dämmen.

Zur Energieversorgung gerade im ländlichen Raum seien Wärmenetze von Vorteil, die durch Biogasanlagen oder Holzhackschnitzel(heiz)-kraftwerke gespeist werden. Die Wärme entsteht hier bei der Stromproduktion in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Gespeist werden Biogasanlagen neben Abfällen wie Gülle und Mist häufig noch mit Mais – ein nicht unumstrittener Rohstoff. Holzhackschnitzelanlagen werden mit Waldrest- und Landschaftspflegeholz beschickt.

Um nicht noch mehr Anbaufläche für die Biogas-Produktion zu verbrauchen, kommen nun die schnell wachsenden Holzarten ins Spiel, die auf kleinflächigen Plantagen und in streifenförmigen Agroforstsystemen angebaut werden – wie es schon auf einigen Arealen im Kreis geschieht, bekannt sind aktuell 30 bis 40 Hektar, berichtet Hüller. Siebert ergänzt: Nach acht bis zehn Jahren bringen die Pappeln die beste Verbrennungsleistung.

Zwei Rechenbeispiele zeigen, wie effektiv die Brückentechnologie ist: Die amerikanische Baumpappel kann nach wenigen Jahren, und dann dauerhaft, Erträge von mehr als zehn Tonnen pro Hektar liefern. Das entspricht etwa 5000 Litern Heizöl beziehungsweise 50 000 Kilowattstunden. Und – grob gerechnet – können mit einem Hektar schnell wachsendem Holz zehn Hektar Waldholz ersetzt werden, so Hüller.

Seit 2016 steht in der Gemarkung von Witzenhausen etwa eine Pappel-Plantage, säuberlich aufgereiht zwei Reihen gegenüber.

Die Pappel habe zum Beispiel den Vorteil, dass sie, einmal „abgeerntet“, wie es in der Fachsprache heißt, neu austreibt und nach spätestens fünf Jahren wieder geerntet werden kann. In Linien angepflanzte Pappeln können zudem als Wildtierpfade dienen. Sie sind Wasserspeicher und brechen Windspitzen, erklärt Christian Siebert vom Landesbetrieb Landwirtschaftliche Flächen (LLH)-HeRo.

Und noch weitere Vorteile hat die Pappel, sagt Wolfgang Hüller vom Fachdienst Abfallwirtschaft und Klimaschutz des Werra-Meißner-Kreises. Der Boden, auf dem sie wachsen, muss nicht gedüngt werde. Vielmehr holen die Bäume Nährstoffe aus tieferen Erdschichten nach oben, so dass der Boden nach 20 Jahren ertragreicher ist – ein finanzieller Aspekt angesichts der aktuell hohen Düngerpreise. Und: Die Pappel stellt keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion dar und ist zudem eine sichere Quelle. „Seit 2018 gab es keinen Ausfall an Ertrag“, berichtet Wolfgang Hüller. Auch Pelletanlagen könnten mit dem Holz betrieben werden. Hier sei es möglich, eine Versorgungslücke in Deutschland zu schließen. Aktuell reiche das Holz für rund eine Million Anlagen, rund 600 000 werden schon betrieben.

Wie gut diese Wertschöpfung funktioniere, zeigten zum Beispiel Kommunen in Sachsen, die schnellwachsende Bäume als Hackschnitzel für Wärmenetze einsetzen und die Firma Viessmann in Allendorf/Eder, die mit schnell nachwachsendem Holz den ganzen Betrieb heizt. (nde)

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