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Patenschaften für Kinder psychisch kranker Eltern

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Von: Maren Schimkowiak

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Kümmern sich mehrmals die Woche um ein fremdes Kind: Bärbel Schell, ihr Mann Peter Leimbach und Hündin Finja haben die Patenschaft für ein neunjähriges Mädchen übernommen.
Kümmern sich mehrmals die Woche um ein fremdes Kind: Bärbel Schell, ihr Mann Peter Leimbach und Hündin Finja haben die Patenschaft für ein neunjähriges Mädchen übernommen. © Maren Schimkowiak

Verein Aufwind sucht Paten für Kinder psychisch kranker Eltern. Menschen, die diese Aufgabe übernehmen, bekommen oft viel zurück.

Werra-Meißner – Einem Kind, dessen Eltern an einer psychischen Krankheit leiden, Zeit und Aufmerksamkeit schenken, diese verantwortungsvolle Aufgabe hat das Ehepaar Bärbel Schell und Peter Leimbach aus Eschwege übernommen. Vor gut einem Jahr sind die beiden Rentner durch einen Aufruf in der Werra-Rundschau auf das Patenschaftsprojekt des Vereins Aufwind aufmerksam geworden.

Die Patenschaft stellt für betroffene Familien ein entlastendes und präventives Angebot dar, bei dem einem Kind eine erwachsene Vertrauensperson an die Seite gestellt wird, von dem es außerhalb der teilweise kritischen Familiensituation Zeit, Aufmerksamkeit und Ablenkung erfährt. Vorgesehen ist, dass die Paten an einen festen Nachmittag in der Woche etwa drei Stunden Zeit mit dem Kind verbringen. Aber oft entwickelt sich daraus so eine herzliche Beziehung, dass die Paten mehr leisten. So wie bei der Familie Leimbach/Schell. „Unser Patenkind ist jeden Mittwoch bei uns“, erklärt Peter Leimbach, wird aber von seiner Frau korrigiert: „Und freitags, da ist nämlich Fußballtraining und sonntags oft ein Spiel. Dahin begleiten wir sie.“

Das Ehepaar ermöglicht dem Mädchen das Fußballspielen, gemeinsam mit Hündin Finja werden lange Spaziergänge im Wald unternommen, regelmäßig stehen Friseurbesuche an oder die Neunjährige führt eine selbsterdachte Kasperlegeschichte mit Handpuppen vor, Geburtstage werden gemeinsam gefeiert. Einiges davon würde für das Patenkind ohne diese Unterstützung so nicht möglich sein, etwa weil die Mutter kein Auto hat.

„Als wir sie kennenlernten, war sie ein schüchternes, zurückhaltendes Mädchen“, erinnert sich Bärbel Schell. „Im vergangenen Jahr hat sie sich wirklich gut gemacht, ist wissbegierig und hat viel gelernt. Danke und Bitte zu sagen etwa“, fügt Peter Leimbach lachend an. Jetzt gerade ist das Mädchen sogar einige Wochen bei ihnen, weil die Mutter ins Krankenhaus muss. „Besser bei uns, als bei einer fremden Pflegefamilie. Ein eigenes Zimmer hat sie hier ohnehin schon.“

Engagement geht weit über das eigentliche Maß hinaus

Dass das Engagement des Paares, das selbst inzwischen erwachsene Enkelkinder hat, weit über das das eigentliche Maß hinausgeht, das wissen auch Andrea Selig und Susanne Reiß, die beide für das Patenschaftsprojekt bei Aufwind e.V. verantwortlich sind. „Es kommt vor, dass richtige Herzensverbindungen entstehen“, freuen sich die Mitarbeiterinnen. „Das ist aber natürlich kein Muss.“

Sie sind es auch, die die Interessenten mit den potenziellen Patenkindern und ihren Familien zusammenbringen. Generell halten sie zu allen Beteiligten engen Kontakt, bieten Schulungen an und organisieren auch Patentreffen, die dem Erfahrungsaustausch dienen. „Die Patenschaften sind für alle wertvoll“, da sind sich Andrea Selig und Susanne sicher.

Die Paten sollten ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft mitbringen, sich regelmäßig und langfristig Zeit für ein Patenkind zu nehmen. Der ehrenamtliche Einsatz lohnt sich. „Für die Kinder sind diese Menschen, die sich unvoreingenommen um sie kümmern, ein wichtiger Ankerpunkt im oftmals entbehrungsreichen Alltag.“

„Unsere Patentochter macht uns so viel Freude. Sie gibt uns das Gefühl, das Richtige zu tun.“

Bärbel Schell und Peter Leimbach

Diese Erfahrung macht auch das Ehepaar Leimbach/Schell. Einseitig ist diese Patenschaft nicht – im Gegenteil „Unsere Patentochter macht uns so viel Freude. Sie gibt uns das Gefühl, das Richtige zu tun.“

Weitere Informationen: Das Patenschafts-Angebot wird vom Werra-Meißner-Kreis und durch die VR-Bank Stiftung finanziert. Die Paten erhalten monatlich eine Aufwandsentschädigung, mit der Fahrtkosten oder Eintrittsgelder abgegolten werden. Interessierte können sich für Infos beim Verein Aufwind melden, per E-Mail an info@aufwind.de oder telefonisch 0 56 51/74 38 15 (Susanne Reiß), 0 56 51/74 38 29 (Andrea Selig), aufwind-wmk.de.

(Maren Schimkowiak)

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