Bad Sooden-Allendorf

Naturschützer und Pferdehalter kämpfen für die Artenvielfalt

Fachmann: Heinz Bley (links) informierte auf Einladung der IG Pferdefreunde über Bedeutung der Pferde für die Landschaftspflege, rechts Jürgen Bringmann, Sprecher der IG. Fotos: Geier

Bad Sooden-Allendorf. Pferde sind nicht nur zum Reiten da, sie sind auch hervorragende Weidetiere die unsere Landschaft pflegen. Wie Rinder und Schafe eignen sich Pferde zur naturschutzgerechten Landbewirtschaftung.

Die Interessengemeinschaft (IG) Pferdefreunde Bad Sooden-Allendorf hatte für

Samstag zu einer Informationsveranstaltung mit diesem Thema eingeladen.

Pferde sind nicht nur zum Reiten da, kamen Naturschützer und Pferdehalter zusammen. Einer davon Agraringenieur Christian Faßhauer. Der Hilgershäuser hält Schafe und Pferde, die er auf einer sechs Hektar großen Fläche weiden lässt. Seine Tiere erhalten die Weiden und wirken der Verbuschung entgegen und das ist für die Mittelgebirgsregion Werra-Meißner-Kreis sehr wichtig, denn man muss diese Landschaft für den Tourismus erhalten. „Wenn man an Pferde denkt, denkt man an kleine Mädchen, die mit den Tieren in der Reithalle trainieren“, erklärte der Pferdehalter, der in seinem Leben bisher nur zweimal auf dem Rücken eines Pferdes saß. „Pferde sind aber ein aktiver Teil der Landwirtschaft.“

Dies wissen vor allem die Experten, und einer davon war zu der Veranstaltung der IG eingeladen: Heinz Bley gab einen Einblick in sein Landschaftpflegeprojekt in Crawinkel. Heute weiden um den kleinen Ort in Thüringen 500 Wildpferde und 500 Rinder auf insgesamt 2000 Hektar Land. Seit dem Jahr 2000 hat der Landwirt auf diese Freilandhaltung umgestellt.

„Jede Tierart hat ihre eigenen Vorlieben, was den Speiseplan angeht“, berichtete Bley. „Wenn uns die Schäfer wegbrechen, brauchen wir Alternativen.“ Verschiedene Tiere haben verschiedene Weideverhalten: Während Kühe eher das junge Gras bevorzugen, haben Pferde den robusteren Magen und können das späte Heu sowie Verholzungen fressen. Diese Art der Beweidung drängt Vergrasung und Verfilzung zurück und verhindert weitere Verbuschung. Einige der von Bley vorgestellten Beweidungseffekte sind vor allem die Artenvielfalt, denn auf den Weideflächen wachsen Kräuter und sie sind der Lebensraum vieler Insekten, vor allem vieler bedrohter Insektenarten wie dem Ameisenbläuling. Der Pferdemist ist hervorragender Dünger und ist zeitgleich Lebensraum von Insekten.

Diesem Urteil schloss sich auch Birgit Ungar, Landesvorsitzende der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer Deutschland an: „Pferde haben einen unheimlichen Wert in Bezug auf die Landschaftspflege.“ Ein ähnliches Urteil fällte auch Susanna Pfingst vom Naturpark Meißner-Kaufunger Wald.

Für den Naturschutzbund Deutschland gelten die Schafe und Pferde seit langem als die wichtigsten Naturschützer. Pferde haben sogar den Vorteil, dass sie ordentlicher abgrasen, sie seien wahre „Ökorasenmäher“. In einem waren sich alle Beteiligten einig: Pferde müssen raus in die Natur. (zge)

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