Interview mit Dr. Klaus Schild, Chefarzt der Pneumologie

Interview: Luftnot und Schlappheit treten nach Coronaerkrankung häufig auf

Intensivstation: Viele Menschen haben einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Corona-Infektion. Und viele von ihnen haben lange mit den Spätfolgen zu kämpfen.
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Intensivstation: Viele Menschen haben einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Corona-Infektion. Und viele von ihnen haben lange mit den Spätfolgen zu kämpfen.

Patienten, die eine Covid-19-Erkrankung mit schwerem Verlauf hinter sich haben, leiden oft noch Wochen und Monate unter den Folgen.

Eschwege – Das weiß Dr. Klaus Schild, Chefarzt der Abteilung Pneumologie, Beatmungs- und Schlafmedizin am Klinikum Werra-Meißner, zu berichten. Denn bei dem Chefarzt der Pneumologie werden pro Woche etwa fünf Patienten mit Covid-Spätfolgen vorstellig. Wir haben uns darüber mit Dr. Schild im Interview unterhalten.

Herr Dr. Schild, was sind denn die typischen Spätfolgen einer akuten Covid-Erkrankung?
Oft geht eine schwerwiegende Covid-Erkrankung mit einer viralen Lungenentzündung einher. Das führt zu einer Vernarbung am Lungenbläschen, wodurch der Sauerstoffübertritt in die an der Lunge entlang verlaufende Ader gestört wird. Das führt zu Luftnot – auch noch lange nach der eigentlichen Erkrankung. Ebenso können sich Gerinnsel in der Ader bilden oder die Bronchien sensibel werden, was ebenfalls beides Luftnot verursacht. Die Lunge wird nicht mit ausreichend Blut versorgt, verfügt dadurch also über wenige Sauerstoff. Dazu fühlen sich Patienten oft allgemein schlapp. Hinzu kommen die Probleme, dass Geruchs- und Geschmackssinn noch lange gestört sind, wobei das nichts mit der Lunge zu tun hat.
Wie werden solche Spätfolgen diagnostiziert?
In der Regel werden die Patienten vom Hausarzt zu uns geschickt, wenn sie dort ihre Beschwerden schildern. Die Diagnose bei uns erfolgt über moderne und spezielle Lungenfunktionstests sowie die Computertomographie zur Untersuchung des Gewebes. Post-Covid-Patienten werden bei uns im Übrigen prioritär ohne lange Wartezeiten behandelt.
Wie sieht die Behandlung aus?
Gegen die Gerinnsel in der Ader, auch als Lungenembolien bekannt, gibt man Gerinnungshemmer – schon während der akuten Erkrankung. Ansonsten ist bei den Post-Covid-Patienten eine Behandlung schwierig, ein Medikament gibt es in dem Sinne nicht. Was hilft, sind Inhalieren, Lungensport und eine Reha. Es ist sehr wichtig, dass Betroffene den Weg zum Arzt wählen, denn unerkannt und unbehandelt können diese Leiden natürlich zu noch schlimmeren Konsequenzen führen.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient nach einer schweren Covid-Erkrankung wieder frei von Spätfolgen ist?
Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Es liegt an der Schwere und der Art der Erkrankung. Ist die Lunge eines bspw. sehr alten Menschen in erheblichem Maße vernarbt, sinkt die Wahrscheinlichkeit natürlich. Bei jüngeren Menschen mit weniger Gewebeschäden ist es durchaus möglich. Allerdings wird sich das erst in Zukunft zeigen, das kann ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie niemand sicher beantworten.
Dr. Klaus Schild, Chefarzt der Pneumologie

Zur Person

Dr. Klaus Schild ist Arzt für Innere Medizin, Pneumologie, Allergologie, Schlafmedizin und Notfallmedizin am Klinikum Werra-Meißner. Zum Jahresbeginn 2018 hat er die Nachfolge von Dr. János Juhász angetreten, der sich 2017 aus dem Klinikum verabschiedet hatte. Schild studierte in Göttingen Humanmedizin. Seine Ausbildung zum Lungenfacharzt führte ihn bundesweit durch pneumologische Kliniken – etwa das Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft, die Fachklinik Immenhausen sowie das evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende. Zuletzt war er Chefarzt im Eichsfeld-Klinikum.

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