Bewährungsstrafe

Polizeigewalt? Polizist schlägt mehrfach mit Schlagstock auf am Boden liegenden Einbrecher ein

Ein Fall von möglicher Polizeigewalt in Eschwege beschäftigte das Amtsgericht Kassel - ein Polizeibeamter hat wohl mehrfach mit einem Schlagstock auf einen am Boden liegenden Einbrecher eingeschlagen. (Symbolbild)
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Ein Fall von möglicher Polizeigewalt in Eschwege beschäftigte das Amtsgericht Kassel - ein Polizeibeamter hat wohl mehrfach mit einem Schlagstock auf einen am Boden liegenden Einbrecher eingeschlagen. (Symbolbild)

Ein Polizist ist vor dem Amtsgericht Kassel zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der 52-Jährige hatte 2019 mehrfach auf einen Einbrecher eingeschlagen.

Kassel – Wegen Körperverletzung im Amt hat das Amtsgericht Kassel am Dienstag (07.09.2021) einen 52-jährigen Beamten des Polizeipräsidiums Kassel zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Sein 42-jähriger Kollege und Streifenpartner wurde freigesprochen.

Die beiden Polizisten waren in den frühen Morgenstunden des 6. Februar 2019 in den Fernbahnhof Kassel-Wilhelmshöhe gerufen worden, weil dort ein Einbrecher in den Rossmann-Drogeriemarkt eingedrungen war. Als sie eintrafen, fanden sie eine zum Teil zerstörte Eingangstür vor und sahen in dem halbdunklen Markt einen Mann, der Zigaretten und Schnapsflaschen in einen Einkaufskorb packte.

Eschwege: Jüngerer Polizist schlägt Einbrecher mehrfach ins Gesicht

Auf allen Vieren krochen die beiden Polizisten durch die in Kniehöhe zerstörte Scheibe in den Rossmann-Markt. Der Täter, ein kräftiger, 1,86 Meter großer Mann aus Eschwege, bemerkte die Beamten und versuchte, durch die Hintertür des Ladens zu flüchten.

Die war allerdings verschlossen, und so gab es eine kurze Verfolgungsjagd durch die dunklen Regalgänge, bis der 42-jährige Polizist den Einbrecher zu Boden brachte und ihm sofort mehrere Faustschläge ins Gesicht versetzte. Sekunden später kam der ältere Beamte mit gezücktem Schlagstock hinzu und begann sofort auf die Beine des Mannes einzuprügeln.

Polizeigewalt in Eschwege? Verteidiger kündigt Rechtsmittel an

Gestochen scharfe Videoaufnahmen der insgesamt 14 Kameras zeigen 24 Schläge mit dem stählernen Schlagstock, Widerstandshandlungen des Eschwegers sind nicht zu erkennen. Wegen ungerechtfertigter Polizeigewalt im Amt forderte Staatsanwältin Böhme für den 52-jährigen Polizisten eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten, für den Jüngeren eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten.

Empfindliche Folgen für Polizeibeamten

Eine Verurteilung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und mehr hat für Beamte empfindliche Folgen: Sie verlieren ihren Beamtenstatus, dürfen ihre Tätigkeit nicht länger ausüben und büßen sämtliche Pensionsansprüche ein. Dies gilt auch im Fall einer Bewährungsstrafe, wie sie der 52-jährige Polizist gestern nach 35 unbescholtenen Dienstjahren erhielt. Verteidiger Frank Löwenstein (Baunatal) kündigte gegenüber unserer Zeitung sofort nach dem Urteil Rechtsmittel an. (tom)

Die Verteidiger Frank Löwenstein und Sven Schoeller hatten Freispruch für ihre Mandanten gefordert, weil die sich angemessen gegenüber einem möglicherweise bewaffneten und unter Drogen stehenden Einbrecher verhalten hätten.

Dieser Einschätzung folgte Amtsrichterin Focke nur für den 42-Jährigen, der freigesprochen wurde, weil seine Faustschläge gegen den Kopf des Einbrechers noch angemessen gewesen seien. Die Stockschläge des Älteren hingegen seien nicht zu rechtfertigen und mit einer Freiheitsstrafe zu ahnden, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt werde. (Thomas Stier)

Auch in Göttingen ermittelte die Staatsanwaltschaft aufgrund möglicher Polizeigewalt. Zudem setzte sich eine Studentin aus Kassel gegen einen in ihren Augen unrechtmäßig gewaltvollen Polizeieinsatz bei einer versuchten Abschiebung ein.

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