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Polizistin überwindet mit Musik Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas

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Von: Stefanie Salzmann

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Sie singt sich zurück ins Leben: Nach einem schweren Unfall hat Stephanie Pudenz (hier mit Hund Ben) lange gekämpft. Nächste Woche gibt sie in Nesselröden ein Konzert.
Sie singt sich zurück ins Leben: Nach einem schweren Unfall hat Stephanie Pudenz (hier mit Hund Ben) lange gekämpft. Nächste Woche gibt sie in Nesselröden ein Konzert. © STEFANIE SALZMANN

Von einem Schleudertrauma nach ein Unfall erholt sich die junge Polizistin Stephanie Pudenz nicht. Sie wird pensioniert und beginnt zu singen, um zurück ins Leben zu finden. Nächste Woche gibt sie in Nesselröden ein Benefiz-Konzert zugunsten der Hannelore-Kohl-Stiftung.

Nesselröden – Ihr Weg zurück ins Leben war schwer. Und noch heute – zwölf Jahre nach dem Autounfall – verliert Stephanie Pudenz im Gespräch plötzlich den Faden, ist unkonzentriert. Ihre beste Zeit ist am frühen Morgen, sagt die 47-Jährige. „Da ist meine Gehirnleistung noch am besten.“ Aber sie brauche den Tag über viele Pausen.

„Ich wollte einfach nur mein Leben wiederhaben, mein Pferd reiten und mit meinen Töchtern Sport machen.

Stephanie Pudenz

2010 hat die damals 35-jährige Polizistin im Dienst einen Autounfall, sie sitzt auf dem Beifahrersitz, als ungebremst ein Auto in den stehenden Streifenwagen fährt. Im Krankenhaus diagnostiziert man ein Schleudertrauma und eine Brustkorbprellung. Ihr ist immer wieder übel und schwindlig, sie kann Worten und Handlungen nicht folgen. Sie erholt sich nicht, beginnt eine Odyssee von Arzt zu Arzt. Niemand vermag ihr zu helfen. Ihre Versuche, zu arbeiten, scheitern, sie macht Fehler, ist nicht in der Lage den Inhalt einer Ermittlungsakte zu erfassen. „Ich wollte einfach nur mein Leben wiederhaben, mein Pferd reiten und mit meinen Töchtern Sport machen“, sagt sie. Stattdessen wird sie von Gutachter zu Gutachter gereicht, nach drei Jahren in Pension geschickt.

Ein Buch ensteht aus Gedächtnisprotokollen

Ihre Ehe geht kaputt. „Ich hatte mich verändert.“ Seit ein paar Jahren lebt sie wieder in ihrem Elternhaus in Nesselröden, mit Hund Ben und einer Katze, ihre beiden Töchter sind erwachsen und aus dem Haus. Weil ihre Mädchen eines Tages verstehen sollten, was mit ihr passiert ist, macht sie aus zahlreichen Gedächtnisprotokollen aus der Zeit nach dem Unfall ein Buch „(M)ein Schleudertrauma“. Sie entscheidet sich dazu, das Buch zu veröffentlichen.

Das Schreiben, aber vor allem das Singen hat Stephanie Pudenz über schwere Jahre getragen. Gesungen habe sie schon immer. Als ihre jüngere Tochter Gesangsunterricht nimmt, steigt sie mit ein und lernt über Jahre klassischen Gesang, später Musical, Pop und Rock. In der Kirche von Nesselröden gestaltet sie einen ersten Liederabend, singt sowohl das Ave Maria von Franz Schumann als auch „Summer of 69“ von Brian Adams. „Ich hab gemerkt, ich kann noch was.“

Wirklich gut geht es ihr da noch lange nicht – bis sie im Internet auf die Hannelore-Kohl-Stiftung stößt, die Unfallopfer mit Schädel-Hirn-Trauma unterstützt. Sie nimmt ein Beratungsgespräch wahr und sagt heute: „Dieser Mann (der Berater) hat alle Last von mir genommen und mir versichert, dass ich alles richtig gemacht habe.“

Inzwischen unterrichtet sie selbst Gesangsschüler. Am 21. Mai gibt sie mit ihren Schülern und mit denen ihrer ehemaligen Gesangslehrerin ein Benefizkonzert vor der Kulisse des Schlosses Nesselröden zugunsten der Hannelore-Kohl-Stiftung. „Es wird eine bunte Mischung aus Profis und Schülern“, sagt Stephanie Pudenz. Auf dem Programm stehen Pop, Musicals und Filmmusik. Das Konzert findet am Samstag, 21. Mai um 17 Uhr statt.

Karten: 10 Euro im Tegut-Lädchen in Eschwege an der Wendischen Mark oder Online über stephie-singt.de erhältlich. (Stefanie Salzmann)

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