Post-Streik trifft Politik, Wirtschaft und Bürger

Symbolisch: Dieses Bild bietet sich Passanten, die an der Hessisch Lichtenauer Zustell-Zentrale der Deutschen Post in der Straße „Am Mühlweg“ vorbeikommen. Mitarbeiter sind dort fast gar nicht anzutreffen. Filialen zur Paket- und Sendungsannahme wie im Rewe-Markt in Hessisch Lichtenau sind noch besetzt – mit Angestellten des Supermarkts. Foto: Künemund

Werra-Meißner. Die Auswirkungen des Poststreiks könnten unterschiedlicher kaum sein. Während einige seit zwei Wochen keine Post mehr erhalten, läuft's bei anderen reibungslos.

Die für Freitagabend vorgesehene Sitzung des Bad Sooden-Allendorfer Stadtparlaments ist gestern kurzfristig abgesagt worden. Bürgermeister Frank Hix teilte die Entscheidung von Stadtverordnetenvorsteherin Silvia Börner am Donnerstag mit.

Grund für die Absage: Obwohl die Einladungen an die Stadtverordneten rechtzeitig auf den Postweg geschickt wurden, haben nicht alle die Unterlagen erhalten, zumindest nicht rechtzeitig. Als Ursache dafür ist der andauernde Generalstreik bei der Post.

Daher waren schon die Sitzung des Stadtparlaments Sontra und die der Gemeindevertretung Meinhard um je eine Woche verschoben worden.

Der Streik bei der Post sorgt im Werra-Meißner-Kreis für massive Probleme bei der Brief- und Paketzustellung. In manchen Postbezirken geben Einwohner an, seit knapp zwei Wochen keine Sendungen mehr erhalten zu haben.

Laut Post-Pressesprecher Thomas Kutsch kommen derzeit 20 Prozent der Briefe und zwischen 30 und 40 Prozent aller Päckchen nicht pünktlich bei den Adressaten an. Im Postverteilzentrum in Eschwege blieben täglich 7000 Briefe und über 600 Päckchen liegen.

Auch die Bürger in Hessisch Lichtenau beklagen aktuell die Auswirkungen des Poststreiks, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufrufen hat. Einer davon ist Peter Brauner. Der Inhaber der Axa-Versicherungs-Hauptagentur in Hessisch Lichtenau sagt: „Ich habe in der vergangenen Woche einige wichtige Dokumente nicht bearbeiten können, die dringlich waren. Das ist für meine Kunden von Nachteil.“

Es sei sogar denkbar, dass demnächst jemand ohne Versicherungsschutz gegen Krankheit oder Unfälle durch die Gegend laufe, ohne dass er das wisse. „Bis jetzt konnte ich es immer noch irgendwie hinbiegen, wenn irgendwelche Vorgänge nicht abgeschlossen werden konnten, weil Dokumente per Post nicht ankamen. Aber das ist schon eine brisante Angelegenheit“, sagt Brauner.

Alexandra Dickel, die das Wellness-Studio Alex in Hessisch Lichtenau betreibt, bekam gut eine Woche lang überhaupt keine Post. Zahlreiche wichtige Briefe wie Rechnungen etwa seien dadurch nicht angekommen oder abgeschickt worden. Da die 45-Jährige ohnehin häufig den Kontakt zu Kunden per E-Mail pflege und Rechnungen online abwickle, sei ihr ein größerer Schaden erspart geblieben. Erst gestern bekam sie das erste Mal wieder Post von der Zustellerin in ihr Geschäft an der Burgstraße, sagt Dickel.

Betroffen war auch die Stadtverwaltung Waldkappel. Bürgermeister Reiner Adam gibt an, dass die Sendungen im Rathaus knapp eine Woche ausblieben. „Dann kam plötzlich alles auf einmal“, sagt er. Wichtige Fristen seien aber nicht verstrichen. Überhaupt scheint die Uhlenfängerstadt besonders vom Streik betroffen zu sein.

Auch Privatpersonen ärgern sich, etwa Petra Rümenapf. Ihr Briefkasten an der Wehrgasse bleibt schon seit elf Tagen leer. „Zwei bis drei Tage wären ja ok“, sagt sie, betont aber, dass sie trotzdem volles Verständnis für die Streikenden habe. Problematischer sei die Situation für eine Bekannte, die dringend auf Zubehör für ihre Hochzeit warte.

Ganz entspannt reagiert Dr. Alexander Wachter, der Leiter des Amtsgerichts. Bisher habe man überhaupt keine Auswirkungen bemerkt, weder beim Postein- noch beim Postausgang.

Anders im Klinikum Werra-Meißner in Eschwege. „Wir haben teilweise erhebliche Verzögerungen“, sagt Sprecherin Anna Dorothee Neusüß. Wichtige Schreiben würde man daher vorübergehend per Email oder ganz klassisch per Fax verschicken.

Bei der Sparkasse Werra-Meißner gab es laut Sprecher Ulrich Siebald keine nennenswerten Probleme. Man könne zwar nicht nachvollziehen, wann versendete Briefe bei den Kunden ankämen, aber Beschwerden wegen verspäteter Zustellung habe es noch keine gegeben. (sff/lad/flk/uli)

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