Privatzoo im Garten

Tierarztfamilie Kalden in Wanfried päppelt verwaiste und verletzte Tiere auf

Die Sonne genießen und im Wassertrog suhlen: Der kleine Keiler Beethoven fühlt sich im Garten der Kaldens sauwohl.
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Die Sonne genießen und im Wassertrog suhlen: Der kleine Keiler Beethoven fühlt sich im Garten der Kaldens sauwohl.

Die Tierarztfamilie um Ernst-Wilhelm Kalden in Wanfried päppelt verwaiste und verletzte Tiere auf. Manche werden wieder ausgewildert. Manche bleiben aber auch. Wir waren zu Besuch.

Wanfried – Betritt man das Heim von Familie Kalden in Wanfried, kann es schon mal vorkommen, dass ein kleines Wildschwein durch die Küche wuselt. Mal kommt auch ein Schaf vorbei. Oder ein Hirsch. Aber der handzahme Rothirsch Franz soll eigentlich nicht ins Haus. „Los, raus mit dir“, schickt ihn Friederike Kalden zurück nach draußen in den zwei Hektar großen Garten. Sie lacht. Franz stolziert souverän die Treppe zu seiner Hirschkuh Bambi herunter. Jagdhündin Levi blickt unbeeindruckt drein. Ist doch alles ganz normal hier.

Sophia (6) schmiegt sich an den zahmen Rothirsch Franz, der seit zwei Jahren bei den Kaldens lebt.

Willi Kalden steht indes am Küchentresen und bereitet zwei warme Milchflaschen vor. Eine davon bekommt der seit dem vergangenen Besuch gut gewachsene, aber noch immer freche kleine Keiler Beethoven. Er springt bettelnd am Bein seines Ziehvaters hoch, erhascht einen kurzen Blick auf die Küchentheke, quietscht und grunzt ungeduldig. Aber er muss noch warten.

Die andere Milchflasche bekommt zuerst eines der neuesten Familienmitglieder der Kaldens: das Lämmchen Lisbeth. Die schwarzen Knopfaugen des wenige Monate alten Walliser Schwarznasenschafs sind hinter der flauschigen Wolle kaum zu erkennen. Halb tot haben die Besitzer das Lamm nach der Geburt auf der Weide gefunden, berichtet Kalden. „Die Mutter scheint das Lämmchen nicht angenommen zu haben, es war unterkühlt und die Krähen hatten es angepickt“, sagt der Tierarzt. So wurde es zu der Tierarztfamilie gebracht.

Mittlerweile hat es sich gut entwickelt und geht durch dick und dünn mit dem Schmusewildschwein. Dicht an dicht erkunden die aktuell noch fast gleich großen Tiere jeden Winkel des Geländes. Obwohl Beethoven bereits normales Futter bekommt und sich auch bei den Hunden, Hühnern und Hirschen mit durchfrisst, bekommt er noch sein Fläschchen Milch. „Er wird bei uns etwas verwöhnt“, sagt Kalden und schmunzelt darüber. Mit seiner Adoptivmama, der Dackeldame Urmel, schläft Beethoven nachts im Hundekörbchen im Wohnzimmer. Tagsüber tut er, was Wildschweine eben so tun: Er suhlt sich im Wasser und wühlt den Garten um.

Neben Lisbeth und Beethoven gibt es auf dem Gelände der Kaldens noch viele weitere Tiere, die frei laufend und friedlich gemeinsam dort leben. In einem kleinen Teich am Rande des Gartens baden zum Beispiel die beiden Rothirsche Franz und Bambi, es gibt zudem mehrere Rehe, einen Wildschweinopa, eine Ziege, Mufflonschafe, Pfauen, Tauben, Fasane, diverse Hühnerarten und weiteres Geflügel. „Mein Huhn Heidi war auch schon mal mit im Urlaub“, berichtet Tochter Sienna und streichelt die dicke weiße Henne auf ihrem Arm.

Sienna (10) hat ihre Henne Heidi per Hand großgezogen. Das Huhn war schon mit im Urlaub in Österreich.

Die Zehnjährige hat das zahme Huhn per Hand groß-gezogen. Dass sich die ganzen Tiere inklusive Hunden so gut vertragen, ist besonders, findet Kalden. Und woran liegt das? „Wir sind die Chefs des ganzen Rudels, das färbt ab.“

In ihre Obhut hat Familie Kalden derzeit auch Greifvögel aufgenommen, darunter einen Falken mit gebrochenem Flügel und einen Bussard. Außerdem päppelt die Familie einen vier Wochen alten Waldkauz im Wohnzimmer auf. Spaziergänger haben das Küken im Wald bei Neuerode gefunden. Bisher lebt er noch in einer Box und wird dreimal täglich mit Hühnerküken gefüttert. In der Natur frisst er Mäuse.

„In diesem Ästlingsalter sind sie noch recht anspruchslos“, erklärt Kalden. Das heißt: Sie sitzen viel herum und warten auf Futter. Das Jagen von Mäusen muss er dann selbst lernen. Darin sieht Kalden aber keine Probleme. „Das ist ein angeborener Instinkt.“ Sofern es möglich ist, wildern die Kaldens die aufgepäppelten Tiere wieder aus.

Bei dem Waldkauz wird dafür, sobald er selbstständig genug ist und fliegen kann, die Box draußen am Wohnhaus befestigt, ihre Tür bleibt offen. Er kann dann kommen und gehen, wie er will – und je nachdem, wie erfolgreich er in seiner Mäusejagd ist. „Irgendwann kommt er gar nicht mehr, wenn er uns nicht mehr braucht“, erklärt Kalden. Aber das Auswildern der Tiere geht nicht immer. Der Rehbock Friedolin etwa war bereits handzahm, bevor er zu den Kaldens kam. Er sei ihnen beim Spazierengehen im Feld einfach nachgelaufen. Seitdem lebt er mit auf dem Anwesen. Die Familie vermutet, dass er per Hand aufgezogen und dann ausgesetzt wurde.

„Wenn sie aber zu sehr an den Menschen gewöhnt und handzahm sind, geht das Auswildern nicht mehr.“ Dass Familie Kalden so viele verschiedene Tiere halten kann, geht nur, weil alle mit anpacken und an einem Strang ziehen, sagen Willi und Friederike Kalden. Schon vor der Schule fangen zum Beispiel die Töchter Sophia und Sienna mit dem Füttern an. „Ich finde es toll, so viele Tiere hier zu haben“, sagt Sophia. Und bald kann sicher auch der einjährige Valentin mithelfen. (Jessica Sippel)

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