Suchttherapeuten und Krankenkassen schlagen Alarm

Problem Alkoholmissbrauch: Mehr Arbeitnehmer im Werra-Meißner-Kreis trinken

Suchttherapeuten und Krankenkassen schlagen Alarm: Alkoholmissbrauch ist im Werra-Meißner-Kreis ein Problem – und zwar ein viel größeres als im hessischen Durchschnitt.

Nach Angaben der AOK Hessen aus dem Jahr 2017 wurde kreisweit bei 746 von insgesamt rund 26.800 Versicherten eine Alkoholkrankheit diagnostiziert. Das ist im Verhältnis ein doppelt so großer Anteil wie im Hessen-Durchschnitt. Außerdem alarmierend: Auch die Häufigkeit von Alkoholkrankheiten innerhalb von fünf Jahren sei im Kreis viermal so steil angestiegen wie in Hessen, sagt Riyad Salhi von der AOK. Im Durchschnitt seien die Betroffenen etwa 56 Jahre alt. Ein Alter, in dem die meisten Menschen noch mitten im Berufsleben stehen. In Dreiviertel der Fälle handele es sich um Männer.

150 Fehltage pro Jahr

Laut Torsten Zahn von der BKK Werra-Meißner ist die Anzahl der Arbeitsunfähigkeiten wegen Alkoholkonsums im Kreis dramatisch gestiegen. Wo 2016 noch 50 Fehltage pro Versichertem verzeichnet wurden, waren es im vergangenen Jahr bereits 150 Fehltage. Beide Krankenkassen sprechen bei Alkoholkrankheiten von diagnostizierten psychischen Verhaltensstörungen durch Alkohol.

Alkohol sei eine Volksdroge, sagt Harald Nolte, Leiter der Fachstelle für Suchtprävention im Werra-Meißner-Kreis: „Es gibt ihn überall, er wirkt schnell und zuverlässig und er ist absolut vergesellschaftet.“ Alkohol am Arbeitsplatz sei zwar kaum noch erlaubt. „Doch für viele bedeutet der Job Druck. Alkohol wird nicht selten als Entspanner genutzt“, so Nolte.

Wichtig sei es, als Kollege zu reagieren, wenn bemerkt wird, das jemand gehäuft mit einer Fahne zur Arbeit kommt. Oftmals seien Kollegen nämlich in einer objektiveren Position als die Familie, die das Alkoholproblem aufgrund ihrer Co-Abhängigkeit nicht erkennen kann. „Der Arbeitgeber kann den Betroffenen dann konfrontieren und seine Unterstützung anbieten“, sagt Nolte.

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Rubriklistenbild: © dpa

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