Gegen Hass und Intoleranz

Projekttag an Brüder-Grimm-Schule sensibilisiert zum modernen Antisemitismus

Die Veranstalter und Referenten, darunter Ben Salomo (Mitte), beim Projekttag „Jüdisches Leben und Kultur“, der vor Kurzem an der Brüder-Grimm-Schule in Eschwege stattgefunden hat.
+
Die Veranstalter und Referenten, darunter Ben Salomo (Mitte), beim Projekttag „Jüdisches Leben und Kultur“, der vor Kurzem an der Brüder-Grimm-Schule in Eschwege stattgefunden hat.

Bei einem Projekttag „Jüdisches Leben und Kultur“ konnten sich Schüler mit der Lebensrealität jüdischer Mitmenschen im modernen Deutschland auseinandersetzen.

Eschwege – Dieser Artikel erscheint mit einiger Verzögerung. Das hat Sicherheitsgründe. „Ich erhalte Morddrohungen für meine Aufklärungsarbeit“, erklärt Ben Salomo, ein aus Israel stammender jüdischer Rapper, der sich gegen Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit und Diskriminierung von Minderheiten stark macht. „Aber ich stehe trotzdem hier, weil diese Arbeit so wichtig ist.“

Der Projekttag zum Thema „Jüdisches Leben und Kultur“ fand schon vor den Herbstferien an der Brüder-Grimm-Schule in Eschwege statt. Die Schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 erfuhren viel über die Lebensrealität von modernen Juden, aber auch über Antisemitismus. Weil Salomo zum Zeitpunkt des Projekttages antisemitisch motivierte Morddrohungen erhielt und der genaue Aufenthaltsort, einerseits zu seinem eigenen, aber auch zum Schutz der Schüler, nicht bekannt werden durfte, berichteten wir nicht aktuell – die Brisanz des Themas könnte aber nicht aktueller sein.

Sensibilisieren wolle Ben Solomo für die Macht der Sprache, gegen Gewalt in Rapsongs, gegen Hass und Intoleranz. „Ihr müsst genau hinhören, was die da sagen“, appellierte Salomo. „Die verwenden Codes für Hass, die prägen eure Sprache, eurer Denken.“

Wachsam sein, sich informieren und gegen Diskriminierung aufstehen, so lautet auch die Mahnung des Vereins der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens, der diese Projektreihe an verschiedenen Schulen im Werra-Meißner-Kreis ausrichtet.„In unserer Region gibt es seit dem 16. Jahrhundert eine große jüdische Gemeinde“, erklärte Pfarrer Dr. Martin Arnold, „es gibt an vielen Orten Zeugnisse jüdischer Geschichte, zu viel davon wurde von den Nazis zerstört.“

Zur durch den Holocaust ausgelöschten jüdischen Gemeinde in Eschwege berichtete Annamaria Zimmer. Der 25-jährige Frederic Willing aus Felsberg plauderte aus dem Leben eines Juden in der heutigen Zeit. „Geht ihr denn auch mal einen trinken?“, wollte ein Schüler wissen. „Ja natürlich.“ Die Antwort ließ viele Schüler schmunzeln. Und schmecken lassen konnten es sich die Teilnehmer des Projekttages auch, denn gemeinsam mit Food-Journalistin Sabine Knappe wurden kleine jüdische Speisen zubereitet.

Ludger Arnold vom Verein der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens zog eine positive Bilanz des Projekttages zu Antisemitismus: „Wir haben aus der Geschichte gelernt. Wir haben den Antisemitismus durchschaut. Deshalb: Seid solidarisch mit Jüdinnen und Juden, die unter uns leben.“ (Maren Schimkowiak)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.