Wohnung in Sontra verwüstet, Nachbarn bedroht

Prozess am Landgericht: Psychiater bestätigt bei Angeklagtem Schizophrenie

Vor dem Landgericht Kassel wird das Verfahren gegen den 34-jährigen Mann aus Sontra geführt. Archivfoto: Dieter schachtschneider
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Vor dem Landgericht Kassel wird das Verfahren gegen den 34-jährigen Mann aus Sontra geführt.

Er hat seine Wohnung verwüstet und Nachbarn bedroht und steht deshalb vor Gericht: Nach Einschätzung des Psychiaters leidet der Mann zweifelsfrei an einer schizophrenen Erkrankung.

Sontra/Kassel – Im Verfahren vor dem Kasseler Landgericht gegen einen 34-jährigen Mann aus Eschwege, der in Sontra seine eigene Wohnung verwüstet, Nachbarn bedroht und Polizisten beleidigt haben soll, hat gestern der psychiatrische Sachverständige sein Gutachten vorgestellt. Die Schiziphrenie habe seit über zehn Jahren einen chronischen Verlauf und wird immer dann sichtbar, wenn der Mann seine Medikamente absetzt.

Der Probant mache – wenn er seine Medikamente zuverlässig einnehme – durchaus einen netten und freundlichen Eindruck. Ohne Medikamente freilich werde seine krankhafte seelische Störung sichtbar, die sich in wahnhaften Handlungen niederschlage. Er höre dann Stimmen, berufe sich auf Gott und Jesus, seine Steuerungsfähigkeit sei aufgehoben und er sei zu gefährlichen Taten fähig.

Schwierig sei, dass der 34-Jährige keine Einsicht in seine Erkrankung zeige und sich selbst für gesund halte. Deshalb bestehe die Gefahr, dass er die Behandlung nicht fortsetzt, weiter Cannabis, Amphetamin und vor allem Alkohol konsumiere. Die Krankheit könne eskalieren, die krankhaften Phasen könnten immer häufiger auftreten.

Eine Unterbringung des Beschuldigten in einer psychiatrischen Klinik könne daher angeordnet werden, eventuell auch erneut zur Bewährung. Die müsse aber dann mindestens fünf Jahre laufen, um eine Behandlung des Mannes sicher zu stellen.

Im September 2019 hatte der Mann seine eigene Wohnung in Sontra zerlegt, das Mobiliar zertrümmert. Im November ließ er eine Zigarette aufs Sofa fallen, das Feuer fing. Bei dem Zimmerbrand entstand ein Schaden von rund 26 000 Euro.

Mit einem Messer bewaffnet war er in die über der seinen liegenden Wohnung einer Nachbarin eingedrungen und hatte die junge Mutter mit ihrer zweijährigen Tochter bedroht. Der offenbar krankhaft lärmempfindliche Mann hatte sich vom Fernseher der Frau belästigt gefühlt. Als er sich dem Gerät zuwandte, konnte die Frau mit ihrem Kind auf die Straße fliehen, berichtete eine Polizistin als Zeugin vor Gericht.

Schon 2011 hatte der Mann während eines psychotischen Schubs seinen Vater mit einem Messer bedroht, ein Jahr später einen 80-Jährigen mit einer Buddha-Statue angegriffen. Schon damals war er in die Psychiatrie eingeliefert worden. 2015 ordnete das Landgericht Mühlhausen die Unterbringung in der Psychiatrie an, setzte diese aber zur Bewährung aus. 2019, so der Psychiater, sei in einem Berliner Klinikum das Ausschleichen und schließlich komplette Absetzen der Medikamente vollzogen wurde, was letztlich zu den gefährlichen Vorfällen in Sontra geführt habe. Bisher habe der Mann mehrmals mit einem Messer gedroht, die Waffe aber tatsächlich nie eingesetzt. Das müsse aber nicht so bleiben: „Auch der Messereinsatz gegen Menschen ist denkbar“, sagte der Psychiater. Vor allem dann, wenn er wieder Stimmen höre und Cannabis und Alkohol konsumiert habe.

Die ersten Begegnungen mit den Drogen im Alter von 16 Jahren hätten bei dem gebürtigen Thüringer zu „einem Knick in der bis dahin geraden Lebenslinie“ geführt. Allerdings seien die Drogen nicht ursächlich für die schizophrene Erkrankung des Mannes, der aus einem gut bürgerlichen Elternhaus stamme und dessen drei Geschwister sämtlich beruflich erfolgreich seien.

Das Verfahren wird am heutigen Dienstag fortgesetzt, eine Entscheidung will das Gericht spätestens am Mittwoch treffen.

Von Thomas Stier

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