Prozess unterbrochen

Tätlichkeit nach Ruhestörung: Gericht kann Widersprüche in Aussagen nicht klären

Skulptur der Justitia mit Waage und verbundenen Augen
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Symbolbild Justiz

Vorerst ohne Urteil endete am Dienstag der Prozess gegen eine 25-jährige Frau aus dem Werra-Meißner-Kreis, die wegen Widerstands sowie tätlichen Angriffes gegen Polizeibeamte vor Gericht stand.

Eschwege - Die Aussagen der Angeklagten sowie der beiden Zeugen waren so widersprüchlich, dass das Gericht entschied, auch noch den zweiten in den Vorfall involvierten Polizisten vernehmen zu müssen, bevor es zu einem Urteil kommen kann.

Wodka und laute Musik

Was war geschehen? Am Abend des 24. Märzes vergangenen Jahres war die Angeklagte zu Besuch bei einem Freund in Hessisch Lichtenau, die beiden tranken Bier und Wodka und hörten Musik – und zwar laut. Um 23 Uhr rief die Polizei den 25-jährigen Wohnungsinhaber an und forderte ihn auf, die Musik leiser zu machen. Weil die jungen Leute das aber nur kurzzeitig taten, rückte um kurz nach Mitternacht eine Polizeistreife an, um Abhilfe zu schaffen.

Laut Aussage der Angeklagten hätten die beiden Polizisten die Wohnungstür aufgedrückt, nachdem sie diese einen Spalt geöffnet hatte und die beiden wortlos beiseitegeschoben. Der eine Beamte hätte den jungen Mann in die Küche gebracht, der andere sei ins Wohnzimmer gegangen, um das Tablet, von dem aus die Musik über eine Anlage abgespielt wurde, sicherzustellen.

Widersprüchliche Aussagen

Während der Polizist aussagte, dass er das Gerät genommen habe und zurück in den Flur Richtung Wohnungstür gegangen sei, stellte die Angeklagte den Vorgang komplett anders dar. Sie sei von dem Beamten in eine Zimmerecke gedrängt worden, saß auf der Musikbox und hätte das Tablet an ihren Oberkörper gepresst. Der Beamte habe sie ins Gesicht geschlagen und ihr das Gerät weggenommen. Der wiederum sagte aus, dass die alkoholisierte Frau ihm in den Flur gefolgt sei und extrem laut und aggressiv gewesen sei. Er habe das Tablet in der rechten Hand gehalten, mit seiner linken habe er die Frau auf Abstand gehalten. Sie habe versucht, nach ihm zu schlagen und gegenüber seinem Kollegen angekündigt, dass sie ihm „in die Eier treten“ wolle.

Ebenfalls völlig widersprüchlich stellte sich die Schilderung der Örtlichkeit heraus. Der Polizist sagte, dass es nur einen Raum in der Wohnung gäbe, der als Zeuge geladene Wohnungsinhaber sprach hingegen von zwei weiteren Räumen, unter anderem einer Küche, in der er und der zweite Beamte sich aufhielten. Ohne die Aussage des zweiten Beamten, der als Zeuge nicht erschienen war, ließ sich die Frage nicht klären.

Neuer Termin in der kommenden Woche

Der Verteidiger allerdings stellte zum Ende der Verhandlung die Rechtmäßigkeit der gesamten Polizeiaktion infrage, die nachts nur in eine Wohnung eindringen dürfe, wenn ein Rechtsgut in Gefahr sei. Diese und viele weitere offenen Fragen sollen nach Möglichkeit in einem Fortsetzungstermin kommende Woche geklärt werden. Nicht Gegenstand des Verfahrens war, dass die Polizei in jener Nacht ein weiteres Mal in der Wohnung waren und dann auch die gesamte Musikanlage mit Boxen sicherstellten, weil das Paar nach dem Vorfall weiter die Anwohner mit lauter Musik versorgte. (Stefanie Salzmann)

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