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Prozess eingestellt: Mann soll zu schnell unterwegs gewesen sein

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Von: Emily Spanel

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Das Verfahren wurde gegen eine Zahlung des 27-Jährigen in Höhe von 600 Euro an eine gemeinnützige Organisation vorläufig eingestellt.
Das Verfahren wurde gegen eine Zahlung des 27-Jährigen in Höhe von 600 Euro an eine gemeinnützige Organisation vorläufig eingestellt. © dpa/Archiv

Er soll in wilder Eile und mit stark überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen, infolgedessen aus einer scharfen Rechtskurve getragen worden und schließlich in den Gegenverkehr geraten sein.

Werra-Meißner – Durch seine rücksichtslose Fahrweise habe der angeklagte 27-Jährige mutwillig einen Unfall verursacht, bei dem eine entgegenkommende Autofahrerin leichte Verletzungen davongetragen habe. Diese Vorwürfe der Straßenverkehrsgefährdung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung jedenfalls sind dem 27-jährigen, ehemaligen Auslieferungsfahrer von der Staatsanwaltschaft Kassel zur Last gelegt worden.

In der Hauptverhandlung am Donnerstag vor dem Amtsgericht Eschwege allerdings ergaben sich begründete Zweifel an der ursprünglichen Darstellung – in der Folge wurde das Verfahren gegen eine Zahlung des 27-Jährigen in Höhe von 600 Euro an eine gemeinnützige Organisation vorläufig eingestellt.

So sei sein Mandant, zum Unfallzeitpunkt im März des vergangenen Jahres noch als Auslieferungsfahrer eines Onlineversandhändlers tätig, keinesfalls in Eile gewesen wie von der Staatsanwaltschaft ausgeführt, erklärte Verteidiger Rechtsanwalt Hans J. Hauschild. Im Gegenteil, seine Arbeit sei getan und der 27-Jährige am späten Nachmittag auf dem Rückweg in seinen Wohnort im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gewesen.

Zum ersten Mal habe er dazu die Landesstraße über Vockerode und den Hohen Meißner gewählt. „Auf der ihm unbekannten Strecke hat er sich schlicht verschätzt“, so der Verteidiger. „So etwas passiert in Deutschland 100-fach jeden Tag.“ Eigentlich, so die Kritik des erfahrenen Strafverteidigers, handele es sich bei dem Sachverhalt lediglich um eine Bußgeldsache – dass es überhaupt zu der Anklage gekommen sei, sei wohl „einem übereifrigen Polizisten“ zu verdanken.

Die Unfallgegnerin, eine 53 Jahre alte Frau aus Hessisch Lichtenau, wurde als Zeugin vernommen. Auch sie sei an diesem Märznachmittag auf dem Heimweg und auf der ihr wohlbekannten Strecke mit nicht mehr als 50 Stundenkilometern unterwegs gewesen. „Die Kurve ist sehr schlecht einsehbar“, erklärte die 53-Jährige.

Ihrer Erinnerung an den Moment des Unfalls zufolge sei der Angeklagte mit seinem Fahrzeug „förmlich angeflogen“ gekommen; ein Ausweichen, um eine Kollision zu verhindern, sei aufgrund der zeitlichen und örtlichen Gegebenheiten keinesfalls möglich gewesen. Es sei zu dem Zusammenstoß gekommen, bei dem ihr Fahrzeug an der Seite stark beschädigt wurde. Die 53-Jährige selbst habe einen Schock sowie eine Stauchung der Halswirbelsäule erlitten.

Nach dem Unfall habe der Angeklagte unverzüglich gestoppt, sich nach ihrem Wohlbefinden erkundigt und sei bei ihr geblieben, bis der Rettungswagen gekommen sei. In der Hauptverhandlung entschuldigte sich der 27-Jährige bei der Frau für ihr erlittenes Leid.

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