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Prozess um Essensklau bei Tegut: „Wir sind keine Schwerverbrecher“

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Witzenhausen/Eschwege. Lautstarker Protest von etwa 70 Menschen hat den Prozessauftakt um den angeblichen Lebensmitteldiebstahl dreier Witzenhäuser Studierender begleitet. Vor dem Gerichtsgebäude trommelten und riefen sie „Wir sind keine Schwerverbrecher, sondern Lebensmittelrächer“.

Schon im Vorfeld hatten sich studentische Gruppen mit den Angeklagten solidarisiert. Im Sitzungssaal im Eschweger Amtsgericht machten sie ihrem Unmut über die Aussagen der geladenen Polizisten Luft, beklatschten den Befangenheitsantrag gegen den Richter oder den Beweisantrag einer der Angeklagten. Den Hinweis des Staatsanwalts, es bestehe besonderes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung, quittierten die Zuschauer mit dem Zwischenruf „Öffentliches Interesse? Von wem denn?“.

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Zumindest an der Verhandlung war das Interesse groß: Der Sitzungssaal war voll besetzt, vor dem Gerichtsgebäude standen weitere 70 Demonstranten, etwa 30 Polizisten und etliche Schaulustige.

Die Vorgehensweise der Anwälte hat für einen Verhandlungsmarathon gesorgt, sodass der Prozess schließlich vertagt wurde. Ihre Anträge hatten zu mehreren Unterbrechungen geführt. Die angeklagten Studenten wirkten entspannt. Sie machten zwar keine Aussage, verfolgten aber aufmerksam das Geschehen.

Die Strategie der Verteidiger hat die noch offenen Fragen im Prozess entblößt: Wo genau sich die beschlagnahmte Ware vor dem Diebstahl befunden haben soll, ist ungeklärt. Zudem gab es Widersprüche in der Frage, ob Lebensmittel, die der Tafel gespendet werden, von Tegut abgeschrieben und somit in den Unterlagen genau dokumentiert werden. Auch ist es laut Aussage der Anwälte fraglich, ob das Absperrgitter vor dem Tegut-Gelände überhaupt überwunden werden kann. (sib)

Bilder des ersten Verhandlungstages

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