Zeugen verstricken sich in Widersprüche

Prozessauftakt: Mann ging mit Baseballschläger auf Pizzaboten los

Nach einem Überfall auf einen Pizzaboten sitzt ein Göttinger (36) in Untersuchungshaft.
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Der Angeklagte soll laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft im Dezember 2020 bei einem Pizzalieferdienst und dann nicht gezahlt, sondern geschlagen haben.

Wegen des Vorwurfs des schweren Raubes muss sich derzeit ein 36-Jähriger aus dem Werra-Meißner-Kreis vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Eschwege verantworten.

Werra-Meißner – Der Mann soll laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft im Dezember 2020 bei einem Pizzalieferdienst ein Sparmenü – bestehend aus einer Pizza, vier Salaten und einem Getränk – bestellt und zu seiner Wohnung geliefert bekommen haben.

Doch auf das Klingeln des Pizzaboten hin habe der 36-Jährige die Wohnungstür geöffnet, eine Diskussion wegen der angeblich viel zu späten Lieferung begonnen, die Zahlung erst in Teilen, wenig später ganz verweigert und sei zu guter Letzt mit einem Baseballschläger auf den 29 Jahre alten Pizzaboten losgegangen. Letzterer habe dem Schlag nur durch ein beherztes Ausweichen entgehen können; der massive Schläger aus Holz traf eine Wand und hinterließ dort eine Kerbe.

Aus Angst vor weiteren Schlägen habe der Pizzabote den Angeklagten gewähren lassen, als dieser die laut seiner Aussage unbezahlten Speisen und das Getränk eigenhändig aus der Thermobox heraus und mit in seine Wohnung genommen habe. Nach diesem Vorfall ist der 29-jährige nicht mehr in dem Job des Auslieferers tätig. Er hat mittlerweile den Beruf gewechselt.

Die Beweisaufnahme des gestrigen ersten Prozesstages gestaltete sich zäh. Zum einen wollte der 36-Jährige erst zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung nehmen, als er die Version des Pizzaboten gehört hatte; zum anderen musste das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Schmidt wieder und wieder Zeugen, die sich im Vorfeld der Verhandlung allzu offensichtlich zugunsten des Angeklagten abgesprochen hatten, hinsichtlich der Strafbarkeit von Falschaussagen belehren.

Fortsetzung am Dienstag, 18. Januar

Der Prozess gegen den 36-Jährigen wird am kommenden Dienstag, 18. Januar, vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Eschwege fortgesetzt. Zu diesem Termin geladen sind sechs weitere Zeugen. Entschieden wird dann auch über eine Anregung der Staatsanwaltschaft: Diese sieht nämlich den Tatbestand des fehlgeschlagenen Versuchs der gefährlichen Körperverletzung durch den Schlag mit dem Baseballschläger als erfüllt an. esp

„An gar nichts mehr erinnern“ etwa wollte sich im Sitzungssaal ein 30-Jähriger aus dem benachbarten Wartburgkreis, der am fraglichen Abend gemeinsam mit mehreren Erwachsenen, Kindern und wohl auch reichlich Alkohol in der Wohnung des 36-Jährigen dessen Geburtstag nachgefeiert hatte. Erst als Richterin Schmidt ihn an seine siebenseitige Aussage, die er bei der Polizei getätigt hatte, erinnerte, wichen die Erinnerungslücken. Mit „so etwas Ähnlichem wie einem Baseballschläger“ habe er den 36-Jährigen dann doch gesehen. Und „so holt man ja keine Pizza ab. Das macht man ja nicht.“ (Emily Hartmann)

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