Aber Riesenapplaus am Ende des Silvesterkonzertes in der Liebfrauenkirche

Publikum spät munter

Strahlende Gesichter nach einem glänzenden Konzert: Christopher Weik (Orgel, von links), die Trompeter Martin Wendt, Johannes Grüne und Bernd-Uwe Rams sowie dessen Mutter Hildegard Rams (Pauken). Foto: Cortis

Witzenhausen. War es die tiefe Versunkenheit in die Musik? Oder eine andächtige Zurückhaltung, die sich für ein ehrwürdiges Gotteshaus angeblich geziemt? Weiß der Himmel. Jedenfalls dauerte es exakt 24 Minuten, bis sich beim Silvesterkonzert in der Liebfrauenkirche erstmals zaghafter Applaus bemerkbar machte. Und das auch nur, weil im Chorgestühl eine - wie man wohl sagen muss - mutige Zuhörerin im Stile einer Claqueurin zumindest einen Teil des Publikums munter machte.

Da war die Messe schon zur Hälfte gelesen, aber immerhin der Bann gebrochen. Fortan wurde jedes der ausgesuchten elf klassischen Musikstücke mit sich ständig steigerndem Applaus bedacht, der nach dem furiosen Finale zu einem Beifallssturm anschwoll, begleitet vom Trampeln hunderter Füße.

Zum dritten Mal in Folge hatte die evangelische Kirchengemeinde Witzenhausen, personifiziert durch Bezirkskantor Christopher Weik, ein höchst anspruchsvolles Konzert auf die Beine gestellt, um keine zwei Stunden vor dem Jahreswechsel Gelegenheit zu geben, noch einmal innezuhalten.

Nur die Lichter am Christbaum, vier Kerzen auf dem Altar und Bodenscheinwerfer, deren orangefarbene Lichtkegel an den mächtigen Säulen des Kirchenschiffes emporkletterten, durchbrachen die Dunkelheit und gaben dem Szenario eine eigentümlich anheimelnde Atmosphäre.

Die musikalische Reise durch vier Jahrhunderte konfrontierte die gut 300 Zuhörer mit den Werken namhafter Komponisten, wie Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi, Benjamin Britten oder Jean Joseph Mouret. Dabei erwiesen sich einmal mehr Christopher Weik (Orgel) und Bernd-Uwe Rams (Trompete) als Meister ihres Fachs. Schon vor zwölf Monaten waren sie an gleicher Stelle dabei und offenbarten damals wie jetzt, dass sie ihre Instrumente lieben und leben.

Ihnen nicht nach standen die Trompeter Martin Wendt und Johannes Grüne, die im Verein mit Rams nicht nur bei einem Jazz-Intermezzo brillierten. An den Pauken lebte Rams’ Mutter Hildegard ihr Temperament in beeindruckender Weise aus.

Als Zugabe im musikalischen Gepäck hatte das Quintett das Prelude zum „Te Deum“ von Marc Antoine Charpentier, wohl den Meisten besser bekannt als die Eurovisionsmelodie.

Der vielleicht einzige Wermutstropfen im Becher kollektiver Freude: Es gab keinerlei Moderation. Und schon möglich, dass sich der eine oder andere Zuhörer etwas allein gelassen fühlte.

Von Christoph Cortis

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