Ramelow: Keine neuen Zäune in Europa

Honig aus Asbach: Ministerpräsident Bodo Ramelow und Asbach-Sickenbergs Bürgermeisterin Ulrike Tylkowski. Fotos: Keller

Asbach-Sickenberg. Bodo Ramelow, erster linker Ministerpräsident der Bundesrepublik in Erfurt, war Gast im Grenzmuseum Schifflersgrund.

Über die legendäre Whisky-Wodka-Linie, 1945 Zankapfel zwischen Russen und Amerikanern, ist er schon gerollt. Die Massenflucht aus der DDR-Gemeinde Böseckendorf nach Niedersachsen ist ihm vertraut. Und auch das Schicksal vieler Zwangsausgesiedelten aus dem Grenzgebiet kennt er: Bodo Ramelow, erster linker Ministerpräsident der Bundesrepublik in Erfurt, ist als Wahl-Thüringer informiert über die deutsche Teilung.

Bei einer Festveranstaltung zum 26. Jahrestag des Mauerfalls räumte der Regierungschef klipp und klar die Mitveranwortung seiner Partei zum früheren Grenzregime mit all seinen Grausamkeiten ein: Das müsse aufgearbeitet werden, da dürfe es keine Tabus geben. Die DDR war für ihn ein Unrechtsstaat.

Ramelow erinnerte in der überfüllten Hessenhalle des Grenzmuseums an die über 1000 Todesopfer an Mauer und innerdeutscher Grenze, davon entfallen mindestens 26 auf die thüringisch-hessische Grenze. In Niedersachsen aufgewachsen, in Hessen beruflich tätig und in Thüringen politisch aktiv - der Linke, seit einem Jahr in Erfurt auf dem Chefsessel, hat eine schillernde Vita. In seiner Jugend sei die DDR eben Realität gewesen - „Frankreich und Spanien standen uns näher.“ Ramelow spricht von Wende und Mauerfall als europäischem Wunder - ohne den Mut der DDR-Bürger, auf die Straße zu gehen, hätte es nicht stattgefunden. Er selber habe damals die Entwicklung nicht für möglich gehalten.

Es dürfe nicht sein, dass heute wieder Zäune errichtet werden sollen, um Flüchtlinge abzuwehren, oder dass gar Gewalt gegen sie ausgeübt werde. Thüringen habe nach 1945 rund 800 000 Flüchtlinge aufgenommen und integriert, deshalb werde man auch die neue Herausforderung bewältigen: „Wir schaffen das, wenn wir es schaffen wollen.“

Zur Solidarität mit Flüchtlingen rief für die hessische Landesregierung Staatssekretär Dr. Wolfgang Dippel auf: „Es ist unsere Verpflichtung, zu helfen.“

Eröffnet hatte die Veranstaltung der Vorsitzende des Arbeitskreises Grenzinformation, Wolfgang Ruske. Was 1989 im Schutz der Kirchen begann, endete damit, dass die Menschen mutig auf die Straße gingen. Gäste der Veranstaltung waren unter anderen die Landräte Dr. Werner Henning (Eichsfeldkreis) und Stefan Reuß (Werra-Meißner-Kreis), die Landtagsabgeordneten der Region und die Bürgermeister Frank Hix (Bad Sooden-Allendorf) und Ulrike Tylkowski (Asbach-Sickenberg).

Besonders begrüßt wurde der Hamburger Bildhauer Bernd Köncke: Seine Plastik zur Wiedervereinigung wurde von der Universität der Hansestadt auf das Museumsgelände umgesetzt. (wke)

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