Rettungswagen mit Intensivpatientin bedrängt

Raser zu Geldstrafe in Eschwege verurteilt

Blaulicht
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Ein Mann hatte einen Rettungswagen bedrängt. Nun wurde er verurteilt.

Zu einer Geldstrafe in Höhe von 2250 Euro sowie sechs Monaten Führerscheinentzug ist ein Kfz-Meister aus dem Werra-Meißner-Kreis verurteilt worden.

Eschwege - Am Abend des 26. März dieses Jahres war der 53-Jährige auf dem Weg von Bad Sooden-Allendorf nach Hann. Münden zu seiner ehemaligen Lebensgefährtin. Weil er „spät dran“ und in Eile war, hatte er auf Bundesstraße 80 bei Gertenbach, nicht nur ordentlich Gas gegeben, sondern dabei einen Rettungswagen so bedrängt, dass dessen Fahrer sich letztendlich genötigt sah, anzuhalten, um den Autofahrer vorbeizulassen.

Auf eben jenen Rettungswagen traf der 53-Jährige etwa bei Gertenbach. Dieser fuhr mit Blaulicht, weil er eine Intensivpatientin vom Klinikum Witzenhausen nach Kassel transportieren musste.

Sechs Fahrzeuge vor dem Rettungswagen fuhren an den rechten Straßenrand, um den Krankenwagen passieren zu lassen. Das machte sich der Angeklagte zunutze und hängte sich in den Windschatten des Rettungsfahrzeuges und fuhr so in hoher Geschwindigkeit an der wartenden Kolonne vorbei.

Laut Aussage des Rettungsfahrers war der Angeklagte mit seinem Golf so dicht aufgefahren, dass er in seinen Rückspiegeln nicht mal mehr die Scheinwerfer seines Schattens sehen konnte.

Auch nach dem Passieren der Autokolonne blieb der 53-jährige Kfz-Meister hart im Windschatten des Krankenwagens – über einen Zeitraum von sieben bis acht Minuten.

Dann stoppte der Fahrer des Krankenwagens bei Hedemünden, fuhr an die Seite und lies den Golf passieren, um seinen Verfolger loszuwerden. „Ich hab den Blinker gesetzt und bin rechts ran gefahren“, hatte der Fahrer ausgesagt.

Unter den Autofahrern, die bei Gertenbach rechts ran gefahren waren, um dem Rettungswagen freie Fahrt zu gewähren, befand sich zufällig auch ein Polizist aus der Dienststelle in Witzenhausen, der auf dem Heimweg war.

Der beobachtete das Geschehen und folgte dem Tross aus Rettungswagen und dem Golf im Windschatten. Er schilderte, dass der Abstand zwischen Pkw und Rettungswagen im „einstelligen Meterbereich“ gewesen sei – „erheblich zu dicht bei dieser Geschwindigkeit“.

Mit seinem älteren Mercedes-Modell habe er Mühe gehabt „dranzubleiben.“ In Hann. Münden, wo der Angeklagte sein Ziel erreicht hatte, sprach der Polizist ihn an, notierte das Kennzeichen und merkte sich das Gesicht des Fahrers.

Gegenüber dem Gericht räumte der Angeklagte die Vorwürfe ein, dass er allerdings über längere Strecken um die 140 Stundenkilometer gefahren sei, sei „auf der Strecke gar nicht machbar“.

Während der Verhandlung im Eschweger Amtsgericht wies der Angeklagte immer wieder daraufhin, dass er durch den Entzug seines Führerscheins, den er bereits im Juli abgeben musste, massive berufliche Probleme habe.

Weder könne er als Kfz-Meister mit seinen Kunden Probe- noch Diagnosefahrten machen. Noch dulde sein Chef das, aber langfristig bang er um seine Existenz. „Auch für meine Kollegen bin ich eine Belastung.“

Zwar berücksichtigte das Gericht sein Geständnis und die Tatsache, dass der Mann bisher nicht vorbestraft ist, hielt aber an dem Tatbestand des „Autorennens“ fest und folgte im Wesentlichen dem Strafmaß, das die Staatsanwaltschaft forderte. Verurteilt wurde er wegen „rücksichtlosen Fahrens, um eine höchst mögliche Geschwindigkeit zu erreichen“ am Dienstag vor dem Amtsgericht Eschwege.

Seine Tat sei „ehrenrührig“, sagte die Vorsitzende Richterin abschließend. „Stellen Sie sich vor, welchen Druck es erzeugt, wenn einem ein Auto an der Stoßstange hängt und man zudem die Verantwortung für eine Patientin trägt.“

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