Giftköder in Kanalsysteme, um Verbreitung zu stoppen

Schädlingsbekämpfer: „Ratten sind immer unter uns“

Einsatz vor Ort: (von links) Bürgermeister Wilhelm Gebhard und Klärwärter Thomas Fischbach informieren sich bei Stefan Patzak und Mario Panzer über das Auslegen der Giftköder im Wanfrieder Abwassersystem.
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Einsatz vor Ort: (von links) Bürgermeister Wilhelm Gebhard und Klärwärter Thomas Fischbach informieren sich bei Stefan Patzak und Mario Panzer über das Auslegen der Giftköder im Wanfrieder Abwassersystem.

Ratten gehören da, wo Menschen sich aufhalten, dazu. Sie leben mit und von uns. Stefan Patzak hat sich als Schädlingsbekämpfer ihrer angenommen.

Wanfried - Seitdem sich Stefan Patzak vor 17 Jahren als Schädlingsbekämpfer selbstständig gemacht hat, stellt er aber eine ständige Vermehrung von Ratten fest. Problematisch wird es, wenn die Nager auch tagsüber auftauchen. „Dann ist klar, dass man ein Problem hat“, erklärt Patzak.

Die Ratten haben dann die Scheu verloren und außerdem ständig die Möglichkeit, an Fressen zu kommen. Da liege die Hauptursache. Hühnerhaltung, Katzen füttern oder Essen in der Kanalisation oder auf dem Kompost entsorgen sei ein Paradies für Ratten. Gerade war Patzak in der Stadt Wanfried unterwegs, um Giftköder auszulegen.

„Für Hunde ist die Dosis des Rattengiftes ungefährlich“

Die Köder mit dem Giftstoff Brodifacoum legen Patzak und sein Mitarbeiter Mario Panzer ausschließlich in Straßenkanälen aus. „20 bis 30 Gramm Gift reichen aus, um eine Ratte zu töten. Wenn sie etwas von dem Köder frisst, wird ihr Blut dünner und nach drei bis fünf Tagen stirbt sie“, erklärt der 51-Jährige.

Die Wirkung des Giftes sei verzögert, damit die Ratte nicht direkt in der Nähe des Köders stirbt. Sonst wären die anderen Tiere vorgewarnt. Oft haben Hundebesitzer Angst um ihr Tier. Doch Patzak kann sie beruhigen: „Für Hunde ist die Dosis des Rattengiftes ungefährlich. Außerdem werden die Köder ja in Kanälen ausgelegt, sind also für den Hund nicht erreichbar.“

Klimawandel kommt Ratten zugute

In den Kanälen leben die Ratten mit Vorliebe. Eigentlich kommen sie nur nachts aus ihren Verstecken. Müssten sie aber noch nicht mal. Klimawandel und Umweltschutz kommen den Ratten zugute. Niedrige Wasserstände in den Kanälen sorgen dafür, dass sie immer an Essensreste gelangen. Das resultiere aus weniger Niederschlägen und dem Sinn fürs Wassersparen der Menschen.

Warme Winter sorgten indes dafür, dass sich die Ratten gut vermehren können. Eine Rattenfamilie besteht dann gerne mal aus 20 bis 100 Tieren, für die alle momentan genug zu essen da ist.

Denn auch an der Oberfläche ist der Tisch für Ratten reich gedeckt. Ausgestreutes Vogelfutter, über Nacht stehen gelassenes Katzenfutter, vermehrte Hühnerhaltung oder Essensreste auf dem Kompost seien menschengemacht. Jeder könne zur Minimierung einen Beitrag leisten. (Tobias Stück)

Regelmäßiger Kampf gegen die Ratten

Den Auftrag zum Auslegen der Giftköder hat Schädlingsbekämpfer Stefan Patzak von der Stadt Wanfried erhalten. „Immer mal wieder gehen beim Ordnungsamt der Stadt Meldungen über Ratten ein“, erklärt Gebhard. Neben den eigenen und regelmäßig lokalen Bekämpfungsmaßnahmen der städtischen Mitarbeiter würde darüber hinaus alle paar Jahre auch ein flächendeckender Auftrag an den Spezialisten aus Eschwege erteilt.

Patzak arbeitet in fast allen Kommunen im Werra-Meißner-Kreis. Zu 80 Prozent erledigt er kommunale und gewerbliche Aufträge. Betriebe, die mit Lebensmitteln zu tun haben, müssen ein Monitoring nachweisen. Unter anderem ist er auch mit einem Mitarbeiter in Frankfurt aktiv. In 20 Prozent seiner Fälle rufen ihn Privatleute. 

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