Vor der Wahl

Raus aus dem Schutzschirm - Medizinische Versorgung bleibt ein Thema in Meißner

Beliebtes Ausflugsziel und
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Beliebtes Ausflugsziel in Meißner: Die Mohnblüte in Germerode

Vor der Kommunalwahl am 14. März porträtieren wir alle elf Kommunen unseres Verbreitungsgebiets und den Werra-Meißner-Kreis. Heute: die Gemeinde Meißner.

Die Gemeinde Meißner gehört mit ihren zahlreichen Attraktionen wie dem Bergwildpark Meißner, der Grube Gustav und der Mohnblüte zu den Tourismusmagneten im Werra-Meißner-Kreis. Kein Wunder, dass Meißner in regulären Jahren vom Strom der Besucher profitiert. Doch nicht nur Touristen zieht es in die Gemeinde, auch Grundstücke sind heiß begehrt.

Versorgung

Konnte schon vor der Kommunalwahl 2016 die Lebensmittelversorgung mit dem Lädchen in Abterode gesichert werden, ist für den Ärztemangel in Meißner noch immer keine Lösung gefunden. Mit der Nähe zu Eschwege sei das Problem aktuell nicht so dringend, wie Bürgermeister Friedhelm Junghans sagt, doch langfristig wolle man etwas tun und geeignete Räumlichkeiten bereithalten. Das solle durch das Dorfentwicklungsprogramm des Landes Hessen getan werden, an dem Meißner teilnimmt.

Leben und Wohnen

Die sieben Ortsteile von Meißner zeichnet das rege Vereinsleben und ehrenamtliches Engagement aus. Weil die Ehrenamtlichen auch immer älter werden, müssten auch hier mehr jüngere Menschen gewonnen werden. Dies solle nach der Coronapandemie angegangen werden. Sorgen macht sich der Bürgermeister, dass über die vergangenen Monate viele – ob Jung oder Alt – die Lust am Vereinsleben verloren haben.

Einen Zulauf erlebte die Gemeinde Meißner in den vergangenen Jahren beim Verkauf der Baugrundstücke „Roter Rain“ in Abterode. Das wurde vor etwa 20 Jahren erschlossen. Nun muss sogar überlegt werden, wie Bauinteressenten weiterhin Grundstücke angeboten werden können.

Im Zuge der Dorfentwicklung, die den Ortskern stärken soll, musste die Gemeinde sich verpflichten, keine konkurrierenden Baugebiete zu schaffen. Ausnahmen – bei begründetem Bedarf – seien jedoch möglich. Außerdem sollen über das Förderprogramm auch Schrottimmobilien hergerichtet werden.

Haushalt

Lange war die Gemeinde Meißner in den roten Zahlen und deshalb auch im Schutzschirm-Programm des Landes. Auch durch die Gewerbeeinnahmen, etwa durch die Abfall verarbeitende Firma Bohn bei Weidenhausen, konnte Meißner ab 2017 nicht nur wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen, sondern 2019 auch den Schutzschirm und damit dessen Auflagen verlassen. In der Coronapandemie konnte der ausgeglichene Haushalt bislang gehalten werden.

Tourismus

Zum Einbruch im Tourismusbereich kam es im vergangenen Jahr im Jugenddorf, das coronabedingt schließen musste. Zwar waren auch der Bergwildpark Meißner und das Besucherbergwerk Grube Gustav davon betroffen, doch besonders der Wildpark war im Coronasommer ein beliebtes Ausflugsziel und vor der erneuten Schließung im November waren längst die Besucherzahlen aus dem Vorjahr erreicht. Im Besucherbergwerk musste erst 2019 die Beleuchtung instand gesetzt werden. Diese hatte der TÜV Hessen bemängelt. Daher war das Besucherbergwerk fast zwei Jahre geschlossen. 2020 konnten lediglich kleine Besuchergruppen geführt werden. In diesem Jahr hofft die Gemeinde auf eine Öffnung.

Ebenfalls einen Wechsel gab es im Kloster Germerode. Nach dem Auszug der Glaubensgemeinschaft Communität Koinonia vor nun fast eineinhalb Jahren, entschied sich der Verein Kloster Germerode für den Geo-Naturpark Frau-Holle-Land als neuen Mieter.Hanna Maiterth

Die Spitzenkandidaten zu ihren Zielen für Meißner

Ulrike Kirch, CDU. Spitzenkandidatin Meißner.

Ulrike Kirch (55), CDU: „Schneller als erwartet, konnten die Auflagen des Schutzschirms erfüllt werden“, so die CDU-Spitzenkandidatin, die auch die niedrigsten Steuersätze im Kreis hervorhebt. Die CDU habe sich zudem starkgemacht, dass das Geld aus dem Investitionsprogramm der Hessenkasse ausschließlich zur Sanierung der maroden Straßen in allen Ortsteilen eingesetzt wurde. Nun müsse die gesundheitliche Versorgung sichergestellt und das Radwegenetz ausgebaut werden. Es müsse für alle Generationen etwas getan werden, sagt Kirch. Zu einer lebendigen Gemeinde gehöre zudem starkes Ehrenamt und aktive Bürger. 

Friedhelm Junghans, SPD. Bürgermeister Meißner.

Friedhelm Junghans (51), SPD: „Wir haben es gut durch den Schutzschirm geschafft und sind wieder handlungsfähig“, sagt Friedhelm Junghans, SPD-Spitzenkandidat und Bürgermeister der Gemeinde. Ein Erfolg in der aktuellen Legislaturperiode sei zudem die Aufnahme in das hessische Dorfentwicklungsprogramm, das nun in den nächsten Jahren angegangen werden solle. Ebenfalls auf der Liste der Ziele sieht Junghans die Digitalisierung der Gemeinde durch die Meißner-App, die Ausstattung der Jugendräume und der öffentlichen Häuser mit Wlan. Außerhalb der Ortschaften sollen nun außerdem die Radwege ausgebaut werden. 

Uwe Sommermann, ÜWG, Spitzenkandidat Meißner.

Uwe Sommermann (57), ÜWG: Die Teilnahme am Dorfentwicklungsprogramm sieht Uwe Sommermann positiv. Nun werde es wichtig, dies zu unterstützen und zu fördern. Auch wichtig wird dahingehend die Entwicklung im Außenbereich mit dem Silek, so der ÜWG-Spitzenkandidat. Was der Fraktion nun außerdem besonders am Herzen liegt, sei die „Vermarktung der leer stehenden Liegenschaften und die Erschließung neuer Bauplätze in allen Ortsteilen“. Außerdem werde es in den kommenden Jahren auch wichtig, nicht nur die Vereine und Verbände zu unterstützen, sondern auch die ehrenamtlichen Tätigkeiten zu fördern. 

Analyse

Kein Stillstand

Von Hanna Maiterth

In der Gemeinde Meißner haben Gemeindevertreter, Bürgermeister, Ortsbeiräte und viele weitere Ehrenamtliche einiges gewuppt und dabei nie die Diskussion gescheut. Der Schutzschirm ist geschafft, das barrierefreie Wohnprojekt im alten Lehrerhaus ist ein Erfolg. Die Lebensmittelversorgung, schon vor der Kommunalwahl 2016 sichergestellt, wurde in den vergangenen Jahren gut angenommen. Still bleibt es auch weiterhin nicht. Dank des hessischen Dorfentwicklungsprogramms haben die Bürger und Verantwortlichen erneut die Chance, vieles anzupacken – sowohl in den Orten als auch dazwischen: etwa dringend notwendige Straßensanierungen, der Ausbau der Radwege.

Jetzt muss nur noch der Umbruch im Ehrenamt geschafft werden und Jüngere müssen Verantwortung übernehmen.

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