Die Rebellion gegen die Frauen

Club der unterdrückten Ehemänner vor 45 Jahren in Kneipe gegründet

Lieben ihre Ehefrauen: die Mitglieder des Clubs der unterdrückten Ehemänner. Das Bild stammt aus dem Jahr 2002, zu sehen sind unter anderem der jetzige Vorsitzende Volker Waldheim (vorn im blauen Jeanshemd) und der mittlerweile verstorbene Gründungsvater Eduard Ressel (achter von links). Foto:  privat

Frankenhain. Der steht doch bestimmt unter dem Pantoffel seiner Frau - dieser Gedanke schießt einem bei so manchen Mann durch den Kopf. Offen gefragt, streitet das so gut wie jeder ab - nicht so in Frankenhain: Dort gibt es seit 45 Jahren den Club der unterdrückten Ehemänner.

Entstanden ist der nicht nur aus einer Laune heraus, sondern aus einem konkreten Anlass: Weihnachten 1969 haben sich gut 20 Männer in einer Kneipe in Frankenhain zum Frühschoppen getroffen, um den Vorbereitungen für das Festessen zu entgehen. „Aus einem Bier wurden erst zwei, dann drei“, erzählt der heutige Vorsitzende Volker Waldheim, der 1985 das Amt übernahm. Irgendwann dann kamen die Kinder und Ehefrauen, um die Männer wieder nach Hause zu holen - diejenigen, die tatsächlich mitgingen, wurden von den in der Kneipe verbliebenen als unterdrückt bezeichnet. Die Idee des Clubs war geboren.

Symbol des Clubs der unterdrückten Ehemänner: ein Pferd mit Männerkopf und einer Frau.

„Damals war ich leider noch nicht dabei“, sagt Waldheim, der 1980 nach Frankenhain zog. Seitdem aber verkörpert er das, was den Club ausmacht: heiter und froh sein. „Die Geselligkeit steht bei uns im Vordergrund, deshalb sind Politik-Themen auch tabu.“ Zelebriert werde das auch während der gemeinsamen Veranstaltungen: Regelmäßig gibt es im Frühjahr eine Wanderung, im Sommer ein Fest und im Herbst eine Fahrt: „Mitkommen dürfen immer auch die Frauen“, sagt Waldheim und schmunzelt. Denn zum einem sei man ja verheiratet, zum anderen gebe es den Club ja gar nicht ohne das weibliche Geschlecht: Wer solle ohne sie die Männer unterdrücken?

Derzeit besteht der Club aus 22 Mitgliedern zwischen 30 und 75 Jahren. Aufgenommen werden nicht nur Frankenhainer, sondern auch Männer aus den umliegenden Ortsteilen. Und auch Unverheiratete haben mittlerweile Zutritt: „Was ja nicht ist, kann ja noch werden“, klärt Waldheim auf.

Derzeit steckt er in den Vorbereitungen für die diesjährige Herbstfahrt, ausgesucht hat er ein schwäbisches Winzer- und Erlebniswochenende. „Wir waren auch schon in Prag, Paris und am Gardasee“, zeigt der Vorsitzende auf die akribisch geführte Liste, die seit 1973 aufzeigt, wohin es jeweils ging. Damals fuhr man allerdings noch fünf Tage weg, heute sind es drei. „Deshalb bleiben wir jetzt in Deutschland.“

Wie der Verein auch wurden die Fahrten von Eduard Ressel erfunden. Der hat sich auch alsbald nach der Gründung das Symbol ausgedacht: Den Stammtischwimpel ziert ein Pferd mit aufgesetztem Männerkopf, auf dem eine Frau sitzt und dem Männerpferd die Sporen gibt.

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