Experte berichtet von völkischem Blogger

Wo gibt es Neurechte und Völkische im Werra-Meißner-Kreis?

ARCHIV - 17.06.2017, Berlin: Anhänger der rechtsradikalen "Identitären Bewegung" stehen mit Fahnen auf der Brunnenstraße. (Symbolbild)
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Anhänger der rechtsradikalen «Identitären Bewegung» stehen mit Fahnen auf der Brunnenstraße. (Symbolbild)

Auch im Werra-Meißner-Kreis gibt es rechte Strömungen - unter anderem durch Identitäre und Völkische.

Werra-Meißner – Vor rechten Strömungen ist auch der Werra-Meißner-Kreis nicht gefeit. Im Jahr 2020 gab es 20 Fälle, die einer rechtspolitischen Motivation zugeordnet werden können, im Jahr davor waren es 15, erklärt Dirk Bartoldus, Pressesprecher der Polizeidirektion Nordhessen auf Anfrage dieser Zeitung.

Zu diesem Spektrum gehören auch die identitäre und die völkisch-nationalistische Bewegung, letzterer gehört die Anastasia-Siedlerbewegung an. „Ihr hiesiger Protagonist ist Konstantin Kirsch aus Nentershausen bei Sontra. Er hat sieben Jahre an einem Index-Band zur Anastasia-Buchreihe gearbeitet.

Kirsch ist ein charismatischer und belesener Mensch. Er betreibt einen Blog, auf dem er sich zu aktuellen gesellschaftspolitischen Ereignissen äußert. Es finden sich darin aber auch Verschwörungserzählungen, zum Beispiel zur Corona- und Impfdebatte“, erklärt Dr. Alexander Akel, Bildungsreferent auf der Burg Ludwigstein für das Projekt „Grauzone: historisch-politische Extremismusprävention zum völkisch-nationalistischen Milieu“.

Ob Kirsch unter polizeilicher Beobachtung stehen, wollte Bartoldus weder bestätigen noch verneinen. Bei der Veröffentlichung von „Beobachtungsobjekten“ müsse zwischen Datenschutz und öffentlichem Interesse abgewogen werden.

Laut Bartoldus kann im Kreis ein einstellige Anzahl Personen der „Identitären Bewegung“ zugerechnet werden kann (hessenweit rund 60). Dem „völkischen Spektrum“ rechne die Polizei eine zweistellige Personenzahl zu. Völkische Elemente gebe es unter anderem bei der rechtsextremistischen Partei NPD und der neonazistischen Kleinstpartei „Der III. Weg“.

Neurechte und Völkische im Werra-Meißner-Kreis: Polizei ruft Organisation „Hessen R(echts)“ ins Leben

Im Juli 2019 hat die hessische Polizei die Organisation „Hessen R(echts)“ ins Leben gerufen, um den Druck auf die rechtsextremistische Szene und rechtsmotivierte Straftäter zu erhöhen, berichtet Bartoldus.

Die Organisation prüft „das gesamte rechte Personenpotenzial“, so Bartoldus, „klärt Szenetreffpunkte auf und überwacht diese“. Das habe aus polizeilicher Sicht zur Verunsicherung der ganzen rechten Szene geführt. Dazu gehören auch die Identitäre und die Völkische Bewegung.

Identitäre Bewegung

Die Identitäre Bewegung gliedert sich laut ihrer Homepage bundesweit in 16 Regionalgruppen auf. Im Werra-Meißner-Kreis trat sie laut Bartoldus zuletzt mit einem Infostand in Witzenhausen zum Thema „Einschränkungen der Meinungsfreiheit in Deutschland“ auf.

Völkische Bewegung

Die Völkische Bewegung verbindet rassistische und antisemitische Ideologieelemente, so Bartoldus. Sie strebe letztlich „die Errichtung einer rassistisch, militaristisch und ständisch organisierten Gesellschaft auf neuheidnischer oder germanisch-christlicher Grundlage an“. Hierbei sei die Forderung einer „arteigenen“ beziehungsweise „wesensgemäßen“ Religion zentral.

Polizei einschalten

Wenn etwa bei Nachbarn oder Bekannten Hinweise zu sehen sind, dass sie dem rechten Milieu angehören, rät Bartoldus, Anzeige zu erstatten, wenn zum Beispiel verfassungsfeindliche Symbole genutzt oder rechtsextreme Musik abgespielt wird. Hilfe für Aussteiger gebe es etwa unter HKE.hessen.de

Anastasia – völkische Siedler

Die Anastasia-Bewegung entstand Ende der 1990er Jahre in Zentralrussland aus den zehn Büchern „Anastasia – Die klingenden Zedern Russlands“. Autor ist der Esoteriker Wladimir Megre. Anhänger versuchen, nach den Ansichten zur Lebensführung in den Büchern zu leben – unter anderem durch ein Leben auf Familienlandsitzen mit Selbstversorgung. Die Bewegung soll laut Kritikern rechtsesotherische, verschwörungsideologische und antisemitische Inhalte verbreiten. 

Ein weiterführendes Interview zum Thema lesen Sie in der gedruckten Donnerstags-Ausgabe unserer Zeitung. (Nicole Demmer)

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