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Verein Aufwind eröffnet das sanierte Gerberhaus als Begegnungsstätte

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Von: Kristin Weber

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Vor Gästeschar: (links) Claudia Muth, Hartmuth Kleiber und Andrea Röth bei den Feierlichkeiten zur Eröffnung des Gerberhauses.
Vor Gästeschar: (links) Claudia Muth, Hartmuth Kleiber und Andrea Röth bei den Feierlichkeiten zur Eröffnung des Gerberhauses. © Kristin Weber

Eschwege – Über seelische Erkrankung ins Gespräch zu kommen, ist das Ziel der Woche der seelischen Gesundheit, eine deutschlandweite Aktion, an der sich der Verein Aufwind in Eschwege beteiligt.

An unterschiedlichen Standorten des Vereins fanden zahlreiche Aktionen statt und gaben Einblick in die Arbeit und die Angebote. Ziel ist es, das Thema Psychische Erkrankung vom Stigma zu befreien.

Noch immer gibt es viele Menschen, die sich nicht trauen, über ihre eigene Erkrankung zu sprechen, oder sich gar mit dem Thema zu befassen. Dabei heißt das Motto der Woche „Reden hebt die Stimmung“.

Als Begegnungsstätte offenstehen

Rund um das sogenannte „Gerberhäuschen“ im Hof der Zentrale von Aufwind in der Eschweger Neustadt begrüßte der Verein zahlreiche Gäste, denn es gab auch etwas zu feiern. Das Gerberhaus wurde aufwändig saniert und soll nun den Menschen aus dem „Quartier“ als Begegnungsstätte offenstehen, also aus der Eschweger Neustadt, im Grunde für alle Eschweger. Es hat mehrere Räume und eine voll ausgestattete moderne Küche. „Als eine Art Clubhaus lädt das Haus dazu ein, sich hier zu treffen“, sagte Claudia Muth vom Verein Aufwind, die das Projekt betreut hat. Ausdrücklich sind die Anwohner dazu aufgerufen, das Angebot zu nutzen. Rund um das Haus wurde auch der Garten neu gestaltet und mit Sitzgelegenheiten ausgestattet.

Das Haus gehörte einst zum verwinkelten Gebäudeensemble der Schlosserei Klages, das Aufwind übernommen hatte. Martin Ruppert, der den Stadtumbau in Eschwege begleitet hat, war anfangs skeptisch. „Es war eine alte Bruchbude und sie stand irgendwie im Weg“, sagte er. „Leicht ist man versucht, zu sagen: Reißt sie weg. Aber die Leute von Aufwind haben überlegt, ob man nicht auch was daraus machen kann.“

„Der soziale Kitt in unserer Gesellschaft geht immer mehr verloren“, sagte Aufwind-Vorstand Hartmuth Kleiber. „Mit einem solchen Angebot hoffen wir, dass wir ihn in dieser Nachbarschaft erhalten können.“ Finanziert wurde die Sanierung, die über 300 000 Euro gekostet hat, mit Mitteln aus Förderprogrammen des Landes, des Bundes und der Europäischen Union sowie mit Eigenmitteln des Vereins.

Lesung organisiert

Eine Gruppe von Ehrenamtlichen soll nun gebildet werden, die den Belegungsplan des Hauses organisiert. Gemeinnützige Veranstaltungen können die Räume gegen einen Beitrag zu den Energiekosten nutzen.

In der Zentrale von Aufwind wurden an diesem Nachmittag aber auch andere Angebote vorgestellt. Die Klienten der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle etwa hatten eine Lesung organisiert. Siegrid Hahn, Gottfried Hauck und Alexandra Schuler stellten Lyrik aus der eigenen Feder vor. Zu Schreiben hilft ihnen, ihre Gedanken zu sortieren und innere Prozesse zu lenken. Die Gedichte blickten auch in die Tiefe, wie die Zeilen von Alexandra Schuler: „Ich arbeite an mir, doch ich kämpfe auch mit mir, ich will den nächsten Schritt gehen, auch wenn die Angst davor groß ist. Ich gehe viele Schritte vorwärts, viele rückwärts, doch niemals gehe ich allein.“

Von Kristin Weber

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