Regeln für Bestattungen

Beisetzungen finden nur noch im kleinen Kreis statt

Bei Beerdigungen muss, wie in allen anderen Lebenslagen aktuell auch, auf Abstand zwischen den Hausständen geachtet werden. Symbolfoto: Lea-Sophie Mollus
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Bei Beerdigungen muss, wie in allen anderen Lebenslagen aktuell auch, auf Abstand zwischen den Hausständen geachtet werden. Symbolfoto: Lea-Sophie Mollus

Durch die Corona-Pandemie haben sich auch Bestattungen verändert.

Werra-Meißner – Die Pandemie hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. Auch Bestattungen haben sich mit dem Coronavirus verändert.

Sie finden nun im engsten Familienkreis statt, obwohl das nicht zwingend notwendig wäre, wie Lars-Henning Bartels vom Eschweger Bestattungsinstitut Bartels erklärt. „Eine Personenbegrenzung gibt es so nicht, sondern die Frage ist, wer mit Abstand auf den Friedhof passt.“

Nachdem im vergangenen Frühjahr die Trauerhallen geschlossen waren, können nun die Gemeinden selbst entscheiden, ob sie geöffnet oder geschlossen sein sollen. In den Trauerhallen ist die Personenanzahl dann begrenzt. „In Großalmerode passen jetzt 20 Personen rein, früher waren es 120“, sagt Karl-Heinz Stöbener, der ein Bestattungsinstitut in Großalmerode leitet. Zudem gelten die üblichen Vorgaben Maskenpflicht, es darf nicht gesungen werden und Desinfektionsmöglichkeiten müssen vorhanden sein.

„Viele Leute haben jetzt aber auch gemerkt, dass es keine große Trauerfeier sein muss“, erklärt Dirk Hochapfel, der in Bad Sooden-Allendorf Bestattungen-Halbritter leitet. „Das haben sie früher vielleicht nur gemacht, damit die Leute nicht reden.“ Bartels kann sich vorstellen, dass zukünftig Beisetzungen öfters im Freien stattfinden werden. „Das hat eine ganz eigene Atmosphäre. Wer das einmal erlebt hat, wünscht das später vielleicht wieder.“ Dem stimmt Hochapfel zu: „So eine Stimmung hätte man nie in der Trauerhalle.“ Zudem gebe es heutzutage das Equipment transportabel, sodass im Freien nicht auf Orgel oder Lautsprecher verzichtet werden müsste.

Der deutlichste Unterschied zeigt sich, wenn ein Verstorbener infiziert war. Denn dann ist eine Verabschiedung am offenen Sarg nicht mehr möglich. „Dann haben die Angehörigen gelitten“, sagt Karl-Heinz Stöbener. „Da gibt es auch keinen Spielraum“, ergänzt Dirk Hochapfel und erklärt, dass in so einem Fall der Verstorbene in einem Leichensack liegt, der desinfiziert wird und so dann in den Sarg kommt. Der Sarg selbst wird mit Silikon versiegelt und ebenfalls desinfiziert.

Viele Familien verzichten darauf, den Termin zur Beisetzung öffentlich bekannt zu geben und wünschen sich eine Trauerfeier im engsten Familienkreis. Auch würden es viele Trauerende als angenehm empfinden, wenn ihnen nicht alle kondolieren, wie Dirk Hochapfel vom Bad Sooden-Allendorfer Bestattungsinstitut Halbritter berichtet. Er achtet darauf, dass er in den Gesprächen im Vorfeld die Angehörigen darüber informiert, mit welchen Einschränkungen sie zu rechnen haben. Sei es die Personenbeschränkung in der Trauerhalle, möglichen Engpässen bei der Blumengestaltung oder, dass sie sich von den Verstorbenen nicht am offenen Sarg verabschieden können, wenn er Corona hatte. „Das ist schon schwer, wenn die Angehörigen den Verstorbenen vielleicht zwei Monate nicht gesehen haben, weil er im Krankenhaus oder Altersheim war und sich dann auch nicht am Sarg verabschieden können“, sagt Lars-Henning Bartels vom Bestattungsinstitut Bartels in Eschwege.

Die Angehörigen können aber weiterhin entscheiden, ob der Verstorbene eine Feuer- oder Erdbestattung erhalten soll. „Da gibt es keinen Zwang für eine Einäscherung“, erklärt Stöbener.

Einschränkungen bei der Blumendekoration gab es bisher wohl noch nicht, aber es sei einmal bereits eng geworden. „Die Blumenhändler haben ja auch zu“, sagt Hochapfel. Bis Anfang Januar gab es für die Bestatter immer Blumen. Dann wurde die Versorgung aber unsicher. Ihm sei aber von keiner Beerdigung bekannt, die deswegen ohne Blumenschmuck hätte stattfinden müssen, sagt Hochapfel.

Für Karl-Heinz Stöbener, der in Großalmerode ein Bestattungsinstitut leitet, ist seit Corona der Verwaltungsaufwand gestiegen. Wo er früher einen Verstorbenen im Krankenhaus mit Überführungsunterlagen abgeholt und im Anschluss beim Standesamt weitere Unterlagen abgeholt hat, müssen diese ihm nun per Post zugesendet werden. So dauert es länger, bis alle notwendigen Papiere zusammen sind.

In Eschwege sind es vor allem die Schutzmaßnahmen, die eine Veränderung darstellen, wenn sie einen Verstorbenen abholen sollen, der Corona hatte, wie Bartels berichtet. Dann müssen Vollanzüge und Schutzbrille getragen werden. Verwaltungstechnisch sieht Bartels nur geringe Unterschiede, wie auch Hochapfel aus Bad Sooden-Allendorf.  (elu)

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