Reportage vom Aufbau der Zeltstadt für Flüchtlinge in Hessisch Lichtenau

Fast fertig: Der Aufbau des Zeltlagers für Flüchtlinge in Hessisch Lichtenau liegt am Dienstagmorgen in den letzten Zügen. 320 Helfer haben fast die komplette Nacht durchgearbeitet. Fotos: Nieswandt

Hessisch Lichtenau. Die Zeltstadt für Flüchtlinge ist innerhalb weniger Stunden entstanden. Am Mittwoch gegen Mittag sollen die ersten Menschen eintreffen.

Wie mit dem Lineal gezogen stehen die Zelte in Reih und Glied: In nur wenigen Stunden haben ehrenamtliche Helfer der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerkes (THW) und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus dem gesamten Kreisgebiet aus dem Hartplatz in Hessisch Lichtenau ein Erstaufnahmelager für Flüchtlinge gemacht.

Dass das kein leichtes Unterfangen war, wird an den tiefen Fahrspuren der Radlader und Bagger im weichen Boden deutlich. Dort, wo die Wege mit Schotter befestigt wurde, sieht es kaum besser aus.

Die Helfer

„320 Ehrenamtliche waren fast die komplette Nacht im Einsatz. Sechs Mann haben jeweils ein Zelt aufgebaut“, sagt Marcel Philipp, Pressesprecher des DRK. Nur so konnte es gelingen, die 58 Zelte in wenigen Stunden aufzustellen.

Einer, der die komplette Nacht geholfen hat, ist Michael Kuß-Schönzart, Zugführer im THW OV Eschwege. „Das schwierigste war das Planen und Zusammenführen der Materialien aus den verschiedenen Baumärkten“, sagt der 41-Jährige. Den Ablauf bei solch einer Hau-Ruck-Aktion seien er und sein Team aber mittlerweile schon gewöhnt. Er hat schon in Beberbeck mitgeholfen, sein Team waren auch in Calden und Schwarzenborn dabei. „Ich habe mein Schlaf- und Waschzeug eingepackt und mit drei anderen Helfern etwa 2,5 Stunden in der Turnhalle der Schule gegenüber geschlafen“, sagt er. Es gab während des Aufbaus keine Schwierigkeiten, alles habe gut funktioniert.

Die Zelte

Der Boden der Zelte besteht aus einer Folie, über die dann Paletten gelegt werden. Darauf kommt dann eine Spanplatte. „Ein Zelt ist jeweils sieben Meter lang und hat eine Grundfläche von 35 Quadratmetern. Es ist für zehn Menschen ausgelegt“, sagt Stefan Reupke vom Regierungspräsidium Kassel. Jeweils an den Seiten des Zeltes stehen fünf Betten. Viel Platz ist nicht zwischen den Schlafmöglichkeiten. „Einige Flüchtlinge hängen dann Tücher über die Zeltstange, damit sie ein wenig Privatsphäre bekommen“, sagt Reupke. Das sei in Calden der Fall gewesen.

Jedes Zelt hat einen Anschluss an den Heizlüfter, der mit Öl betrieben wird. 25 Stück davon gibt es, zwölf sind für die Bewohner, die übrigen für das Verpflegungszelt. Außerdem werden in jedes Zelt eine Neonleuchte sowie eine Dreifachsteckdose montiert. Acht Fenster können geöffnet werden. „Von außen sind die Zelte abgespannt und unten mit Steinen fixiert, damit kein Wind hineinkommt“, sagt Reupke. Er zeigt auf ein leuchtend oranges Zelt. „Das sind die Waschräume. Es gibt jeweils einen für Männer und einen für Frauen“, sagt er und hebt die Plane hoch. Ähnlich wie in einer Gemeinschaftsdusche in der Turnhalle sieht es im Inneren aus. Ein Durchlauferhitzer liefert pro Durchgang 100 Liter Wasser, das bis zu 60 Grad warm ist.

Die Baustelle

Ein Kran bugsiert die Fußbodenplatten an seinen Platz. Dort entsteht das Versorgungszelt. Die Küche und der Speisesaal sind dort untergebracht. „Wir liegen prima in der Zeit“, sagt Reupke gegenneun Uhr. Das große Zelt soll in drei Stunden fertiggestellt sein. Während der Bagger neu planiert, werden die Dixie-Toiletten angeliefert. „Zum Schluss wird das Areal mit Bauzäunen sowie einem Sichtschutz eingezäunt“, sagt Reukpe. Flutlichter sollen es rund um die Uhr erhellen.

Von Leona Nieswandt

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