Manche sagen gar nicht erst ab

Ärger bei Gastronomen im Werra-Meißner-Kreis: Immer öfter bleiben reservierte Tische frei 

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Bestellt, aber nicht besetzt: Darüber ärgern sich Restaurantbetreiber nicht nur – sie haben auch echte wirtschaftliche Schäden zu beklagen. Und das Problem wird neuerdings immer stärker.

Neudeutsch wird es "No-Show" genannt, gemeint ist das Nichterscheinen bei Tischreservierung im Restaurant. Das Problem tritt seit wenigen Jahren auch verstärkt im Werra-Meißner-Kreis auf.

Die Tische sind einladend eingedeckt, in der Küche die Vorbereitungen abgeschlossen. Die Gäste können kommen. Sie haben reserviert. Und dennoch: Nicht immer kommen auch alle, die einen Tisch gebucht haben. Und das kommt seit zwei, drei Jahren auch im Werra-Meißner-Kreis zunehmend vor – zum Unmut und auch zum Schaden der Wirte. Das hat eine nicht repräsentative Stichproben-Umfrage in dieser Woche ergeben. 

Manchmal wird kurzfristig abgesagt, häufiger aber gar nicht gekommen, berichtet beispielsweise Christian Koch vom Hotel-Restaurant Pempel in Großalmerode, dass zu Weihnachten gleich zehn Personen nicht erschienen. Und es ärgere schon, wenn für 15 Leute bestellt wurde, aber nur acht, neun kamen, die nur mehr Platz am Tisch haben wollte, sagt Helga Missing vom Gasthaus Zur Krone in Witzenhausen. 

Die Zahl der sogenannten No-Shows nimmt seit wenigen Jahren auch im ländlichen Raum zu, bestätigt Christian Pelikan, der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands Werra-Meißner. Mit jeder auch „nur“ mündlich erbetenen Tisch-Reservierung werde ein Vertrag eingegangen, gibt Pelikan mit Hinweis auf die Rechtslage zu Bedenken. Doch es mangele bei etlichen Bestellern am Bewusstsein dafür. 

Warum also sollte ein Gastronom nicht eine Anzahlung oder die Kreditkartendaten des Kunden einfordern, äußert der Verbandschef Verständnis für bereits eingeführte derartige Praktiken. Zumindest müssten die Wirte die Telefonnummer notieren und eine Storno-Frist von drei Tagen setzen, meint Pelikan. „Doch das passiert größtenteils nicht“, bedauert er. 

Pelikan wünscht sich, dass sich die Gastronomen auf eine „einheitliche Sprache gegenüber den Kunden“ einigen könnten, gerade für größere Veranstaltungen mit hohem Waren- und Personalaufwand. Seine Hoffnung ist aber nicht groß. Alle kochten lieber ihr eigenes Süppchen – wenn auch nur teilweise mit Erfolg.

Einige erheben Gebühren: So gehen Gastronomen aus Kassel mit Absagen um

Um das Problem des Nichterscheinens bei Tischreservierung einzuschränken, hat mancher Gastronom im Werra-Meißner-Kreis bereits zu verschiedenen „Gegenmaßnahmen“ gegriffen. Das ergab eine stichprobenartige Umfrage.

Schriftliche Bestätigung

Das Hotel-Restaurant Schloss Wolfsbrunnen in Meinhard-Schwebda, bei dem viele Gäste online buchen, lässt sich die Tischreservierung seit eineinhalb Jahren mit vollständiger Adresse per E-Mail bestätigen. „Wenn der Gast nicht kommt, gibt’s eine Rechnung“, sagt Hotel-Direktor Gerold Schwarz. Als Stornofrist sind drei Tage gesetzt, sonst werden 15 Euro pro Gast in Rechnung gestellt, ohne Absage sind es 30 Euro – „das ist der durchschnittlich günstigste Menüpreis“. Seither seien die Kunden sehr diszipliniert, berichtet Schwarz von gerade einmal einer Schadensersatzforderung, die er seither herausgeschickt habe. Außerdem führt der Gastronom eine „schwarze Liste“ mit unerwünschten Gästen.

Eintrittskarten

Vor allem für extra geplante und große Veranstaltungen arbeiten Karina und Christian Pelikan in Bad Sooden-Allendorf (Hotel Werratal und „Küchenmaisterey Ratskeller“) seit Jahren mit Karten im Vorverkauf – schließlich seien Personal und Künstler fest engagiert. Auch lässt sich das Gastronomen-Paar die Menüs zu den „extremen Feiertagen“ wie Weihnachten und Muttertag per Vorkasse bezahlen. Ansonsten hat Christian Pelikan eigener Aussage zufolge früher im Ratskeller auch oft einen Tisch überbucht, um Ausfälle zu kompensieren. Und das habe "immer geklappt“.

Mit dem Vorverkaufs-System will beispielsweise ab Ostern auch das Hotel-Restaurant Stadthalle in Eschwege gegen die Unsitte der „No-Shows“ ankämpfen. Das sei schließlich auch „traurig für die, denen wir absagen müssen“, sagt Gastronomin Melanie Benning.

Kreditkartendaten

Reservierungen für das Gourmetrestaurant nimmt das Hotel Hohenhaus in Herleshausen-Holzhausen nur noch bei Abgabe der Kreditkartendaten an, nachdem sich die Fälle mit freigebliebenen Tischen trotz Bestellung gehäuft hätten. Absagen sind – wegen der aufwendigen Vorbereitung der Menüs – nur bis 24 Stunden vorher möglich, danach erhält der Gast eine Rechnung über die Belastung seines Kreditkartenkontos mit 30 Euro pro Person. Gastronomischer Direktor Peter Niemann hat „sehr gute Erfahrungen“ mit dieser Regelung gemacht: Die Ausfallrate sei in den vergangenen acht Monaten von 16 auf 0,3 Prozent gesunken.

Es gibt aber auch Gastronomen, die auf „Gegenmaßnahmen“ mehr oder weniger verzichten. Christian Koch vom Hotel-Restaurant Pempel in Großalmerode beispielsweise begründet das damit, dass auch falsche Telefonnummern angegeben würden, nicht jeder Gast eine Kreditkarte habe und die Frage nach den Daten schlicht „unangenehm“ sei. Und dann sei da auch das Risiko, Gäste zu verprellen. Allerdings: Zu besonderen Veranstaltungen wie Küchenpartys verkaufte auch Christian Koch schon vorab Eintrittskarten.

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