Revolver und über 200 Schuss

Deal mit Lübcke-Mörder: Mann wegen illegalem Waffenbesitz in Eschwege verurteilt

Die Statue einer Frau ist vor blauen Himmel zu sehen, sie hält eine Waage in der linken Hand.
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Zu einer Geldstrafe wurde ein Mann wegen illegalen Waffenbesitzes am Dienstag in Eschwege verurteilt. Die Waffe hatte er vom späteren Lübcke-Mörder Stephan Ernst gekauft. 

Zu einer Geldstrafe wurde ein Mann wegen illegalen Waffenbesitzes am Dienstag in Eschwege verurteilt. Die Waffe hatte er vom späteren Lübcke-Mörder Stephan Ernst gekauft.

Eschwege – Zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen á 50 Euro ist am Dienstag ein 49-jähriger Mann aus dem Landkreis Kassel wegen illegalen Waffenbesitzes inklusive einer großen Menge dazugehöriger Munition vom Amtsgericht Eschwege – zum Teil unter Ausschluss der Öffentlichkeit – verurteilt worden.

Der Mann hatte die Waffe 2016 von seinem früheren Arbeitskollegen Stephan Ernst gekauft, der drei Jahre später, im Juni 2019, den Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke ermordete.

Mit dem Strafmaß blieb die Vorsitzende Richterin Hollstein am Dienstag unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafe von 120 Tagessätzen und folgte damit dem eindringlichen Plädoyer des Verteidigers Knuth Pfeiffer.

Der hatte darauf hingewiesen, dass mit einem Eintrag in ein polizeiliches Führungszeugnis sein Mandant „keinen Zugang mehr zum sozialen Leben“ finden werde. Der sei zudem bereits genug damit gestraft, dass „er durch eine zeitgeschichtlich widerwärtige Persönlichkeit selbst in ein schiefes Licht geraten“ sei.

Revolver in einem verlassenen Bauernhof versteckt

Denn im Zuge der Ermittlungen um den Mord an dem Regierungspräsidenten waren die Ermittler auch auf den jetzt Angeklagten gestoßen und hatten zunächst dessen Haus nach der fraglichen Waffe – einem Revolver Smith & Wesson – durchsucht.

Der Angeklagte selbst hatte die Beamten letztendlich zum Versteck des Revolvers auf einem Heuboden in einem verlassenen Bauernhof geführt. Dort allerdings fand die Polizei auch über 200 Schuss scharfer Munition, passend zur Waffe.

Neben seiner Straftat, illegal eine Waffe zu erwerben und zu besitzen, sei der einzige Fehler des Mannes gewesen, die Waffe von einem Mann zu kaufen, der sich später als rechtsradikaler Mörder des Regierungspräsidenten Lübckes entpuppen würde.

Dem heute fast 50-jährigen Industriemechaniker war von seinem Kasseler Arbeitgeber im vorigen Jahr im Zuge des Prozesses gegen Stephan Ernst, mit dem er in Verbindung gebracht worden war, gekündigt worden. Der Angeklagte hatte dort 22 Jahre lang gearbeitet.

Rechtsradikaler Hintergrund nicht nachweisbar

Ihr Urteil begründete die Richterin damit, dass zugunsten des Angeklagten sein Geständnis spräche sowie dass der Mann keine Vorstrafen habe. Nicht nachweisen könne das Gericht hingegen, ob der Angeklagte einen rechtsradikalen Hintergrund habe oder nicht. „Das ist für das Gericht einfach nicht feststellbar“, sagte sie.

Die Vernehmung über die Motive des Angeklagten, der am Dienstag wegen illegalen Waffenbesitzes samt mehr als 200 Schuss scharfer Munition in Eschwege vor Gericht stand, fand im Wesentlichen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Stephan Ernst, der 2019 den Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke ermordete, sei lediglich ein Arbeitskollege von ihm gewesen. „Nicht mehr und nicht weniger“, sagte der 49-jährige Industriemechaniker.

In Kontakt seien er und Ernst 2016 über ein Gespräch am Arbeitsplatz über Bogenschießen gekommen. Ernst habe ihm im Verlauf des Gespräches angeboten, sein ererbtes Kleinkalibergewehr zu reparieren, dass der Angeklagte besaß. Als er die Langwaffe bei Ernst wieder abholte, habe dieser ihn gefragt, ob er nicht mal „Lust auf was Richtiges“ habe und ihm einen Revolver samt scharfer Munition zum Kauf angeboten.

Zwei Wochen Bedenkzeit bis zum Kauf von Stephan Ernst

Nach zwei Wochen Bedenkzeit habe er in den Kauf eingewilligt und eine Summe zwischen 500 und 700 Euro für die Waffe an Ernst gezahlt. Der habe ihm über den Zaun einen Karton gereicht, den er sofort in sein Auto gepackt habe.

Obwohl der Angeklagte einen Waffenschrank zuhause und für sein Kleinkalibergewehr auch eine Waffenbesitzkarte hatte, versteckte er den Revolver auf dem Heuboden eines verlassenen Hofes. Damit habe er sichergehen wollen, dass sein damals noch minderjähriger Sohn keinen Zugang zu der scharfen Waffen habe.

Nur wenige Male habe er überhaupt den Revolver ausprobiert und im Wald in die Luft geschossen – zuletzt im Jahr 2017, sagte er vor Gericht aus.

Von der politischen Gesinnung seines Kollegen Stephan Ernst, den er wegen unterschiedlicher Schichtdienste auch nur maximal alle drei Wochen getroffen habe, habe er nichts gewusst.

Dass er dennoch in den Fokus der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit den rechtsextremistischen Motiven des Mordes an dem Kassler Regierungspräsidenten kam, legte sein Verteidiger Knuth Pfeiffer maßgeblich der „medialen Verfolgung“, insbesondere dem NDR-Redakteur Julian Feldmann zur Last.

Vorwürfe gegen Recherche des NDR

Dieser habe im Zuge seiner Recherchen für das Magazin Panorama Kontakt zu dem Angeklagten aufgenommen. Dabei habe sich Feldmann auf angebliche Aussagen von Ernst gestützt, der behauptet haben soll, dass sein Kollege ihn in seiner rechtsextremen Gesinnung und seinem Hass auf Lübcke bestärkt und gestützt habe.

„Keiner dieser angeblichen Aussagen von Ernst seien in den Vernehmungsprotokollen von Ernst zu finden, so Pfeiffer.

Auch nach einer E-Mail des Verteidigers an Feldmann, in dem dieser erklärte, dass sein Mandat nicht dem rechtsextremen Spektrum angehöre und dessen Unterstellungen als „üble Diffamierung“ bezeichnete, habe der Redakteur stattdessen gemeinsam mit einem Kameramann an mehreren Tagen die Wohnung des Angeklagten belagert. (Stefanie Salzmann)

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