E-Rezept bringt Neuerungen für Ärzte und Patienten

E-Rezept fordert Ärzte - QR-Code soll rosa Zettel ersetzen

Das Rezept auf dem Smartphone: Die bundesweite Einführung des E-Rezeptes soll bald starten.
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Das Rezept auf dem Smartphone: Die bundesweite Einführung des E-Rezeptes soll bald starten.

Das elektronische Rezept (E-Rezept) kommt: Die digitale Version der herkömmlichen Verschreibung soll den rosafarbenen Papierschein in Apotheke und Arztpraxis ablösen, die Medikamentenabgabe sicherer machen und den Patienten Wege ersparen.

Werra-Meißner - Der Gesetzgeber sieht vor, dass Ärzte das E-Rezept ab nächstem Jahr für die Verordnung von apothekenpflichtigen Arzneimitteln über die gesetzliche Krankenversicherung nutzen müssen – und das eigentlich schon ab dem 1. Januar.

Technische Voraussetzung fehlen bei Ärzten noch

„Wie das funktionieren soll, weiß wohl nur die Gesellschaft Gematik, die der Bund mit der Umsetzung beauftragt hat – wir aber nicht“, kritisiert Dr. Klaudia Ress aus Hessisch Lichtenau, Vorsitzende des Ärztebündnisses Werra-Meißner. Denn für das E-Rezept und auch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (E-AU) sind „die notwendigen technischen Voraussetzungen, teilweise auch auf Seiten der Krankenkassen, aktuell flächendeckend nicht nur nicht gegeben, sondern eine strafbewehrte Verpflichtung zur Einführung wird damit fast schon zur Realsatire“, heißt es auch vonseiten der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen.

Starttermin ist verschoben worden

Dabei ist der Starttermin für die Einführung des E-Rezepts bereits einmal nach hinten verschoben worden: Ursprünglich sollte es bereits zum 1. Oktober losgehen. Vielen Arztpraxen aber mangelt es auch schlicht an zertifizierten Updates für ihre Praxisverwaltungssysteme. Insgesamt gibt es etwa 130 verschiedene. Zudem machen noch zu wenige Krankenkassen bei dem E-Rezept der Gematik mit, als dass eine flächendeckende Einführung aussichtsreich wäre, erklärt Dr. Klaudia Ress. In den kommenden Wochen soll sich die Situation verbessern – „wir müssen abwarten“.

Herleshäuser neue Praxis startet mit Technik

Gleich mit der Neueröffnung ihrer Arztpraxis im Herleshäuser Ortsteil Altefeld stellt sich Hausärztin Astrid Menzer auf die neuen Gegebenheiten ein. Eine voll digitalisierte Praxis ist für sie Grundvoraussetzung, um alle Auflagen des Gesetzgebers zu erfüllen. Und: „Nicht nur Ärzte, sondern auch Patienten müssen sich auf Neuerungen einstellen.“

Online-Kommunikation wird verpflichtend

Die Online-Kommunikation im Gesundheitswesen soll künftig verpflichtend nur noch über die Telematik-Infrastruktur (TI) laufen. Ärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Apotheken und Krankenkassen können so immer auf dem aktuellen Stand sein, was die medizinischen Informationen über Patienten angeht. Verantwortlich für Aufbau, Betrieb und Weiterentwicklung der TI ist die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (Gematik).

QR-Code ersetzt rosa Papierschein - Fragen und Antworten zum neuen E-Rezept

Ob Antibiotikum, Betablocker oder Cholesterinsenker: Um das richtige Arzneimittel zu bekommen, reicht Patienten zukünftig in der Apotheke ein digitaler Code. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum elektronischen Rezept (E-Rezept).

Was ist das elektronische Rezept (E-Rezept) genau?

Das E-Rezept ist die digitale Version der herkömmlichen Verschreibung. Auch wenn das Rezept nur digital vorliegt, hat es den Rechtsstatus einer Urkunde. Für den Aufbau der notwendigen Infrastruktur ist die Gematik GmbH beauftragt. Sie war auch für die elektronische Gesundheitskarte zuständig.

Wie soll das E-Rezept funktionieren?

Wer Beschwerden hat und ein Medikament benötigt, macht einen Termin bei seiner hausärztlichen Praxis. Diese erstellt anschließend eine entsprechende Verordnung im Praxisverwaltungssystem. Neu ist: Die Verordnung wird nicht mehr auf rosafarbenem Papier ausgedruckt und händisch unterschrieben – der Arzt signiert diese digital. Anschließend werden die Rezeptdaten auf einem zentralen Server (Fachdienst E-Rezept) in der Telematikinfrastruktur abgelegt und gespeichert. Der Patient bekommt einen QR-Code auf sein Smartphone. Besitzt er keines, wird der Code auf ein Blatt Papier gedruckt. Über diesen QR-Code wird das Rezept in der Apotheke abgerufen. Soll das Rezept eingesehen oder digital an eine Apotheke übermittelt werden, braucht es eine spezielle App. Diese wird aktuell von der Gematik entwickelt und kostenlos zur Verfügung stehen. Um sich in der App zu identifizieren, benötigt man ein Smartphone und die elektronische Gesundheitskarte. Zudem ist eine PIN von der Krankenkasse nötig. Der Patient kann mit dem QR-Code auf dem Papier oder auf dem Smartphone in die Apotheke gehen. Der Apotheker scannt den Code und erhält über die Computersoftware Zugriff auf das E-Rezept. „Alle Apotheken in Deutschland werden in der Lage sein, E-Rezepte zu verarbeiten“, erklärt Thomas Dittrich, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV).

Kann ein Rezept auch für Angehörige eingelöst werden?

Auch zukünftig soll es möglich sein, dass Angehörige das Rezept einlösen. „Das funktioniert in der analogen und in der digitalen Welt eigentlich gleich“, heißt es in einer Mitteilung des Apothekerverbands.

Welche Vorteile hat das E-Rezept für Patienten?

Es soll idealerweise manchen Weg ersparen. Mithilfe der App kann der Patient das Rezept zum Beispiel einer Apotheke zuweisen. Er hat aber auch die Möglichkeit, zuvor unverbindlich bei bis zu drei Apotheken gleichzeitig anzufragen, ob oder wann das Medikament verfügbar ist. Auch erfährt er, wie das Arzneimittel bereitgestellt werden kann – zum Beispiel, ob die Apotheke einen Botendienst hat. E-Rezepte sollen zudem schwerer zu fälschen und besser lesbar sein.

Gibt es weitere Vorteile?

Wer ein Folgerezept braucht, zum Beispiel bei chronischen Erkrankungen, kann durch das E-Rezept eventuell auf den Gang zum Arzt verzichten. Zudem können in der App Hinweise zur Einnahme und Dosierung sowie der Medikamentenplan hinterlegt werden. Der Apotheker sieht, was für Arzneimittel der Patient bereits einnimmt, und merkt, wenn sich vielleicht etwas nicht verträgt.

Welche andere Anwendung startet?

Separat zum E-Rezept ist zum 1. Oktober die digitale Übermittlung von Krankschreibungen, den elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (E-AU), gestartet. Arztpraxen schicken diese Bescheinigungen an die Krankenkassen – der Arbeitnehmer muss das also nicht mehr selbst tun. In einer Übergangszeit von drei Monaten können die Praxen trotzdem noch auf Ausdrucke setzen, ab Januar ist die digitale Krankschreibung Pflicht.

Dann müssen sie die notwendigen technischen Standards erfüllen und an das KIM-System angeschlossen sein. KIM steht für Kommunikation im Medizinwesen. Einen Zettel bekommt der Patient trotzdem noch in die Hand, und zwar die Krankschreibung für seinen Arbeitgeber. Erst ab Juli 2022 sollen die Arbeitgeber hierbei einbezogen werden, damit die E-AU direkt auch an sie übermittelt werden können. (Emily Hartmann)

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