Wollen mal Wald werden

Ringgau forstet Gemeindewald mit neuen Baumarten auf

Muss neu platziert werden: Ringgaus Revierförster Ekkerhard Rogee (links)und Forstpraktikantin Leonie Tinnefeld setzen einen entwurzeltes Bäumchen unter den Augen von Bürgermeister Mario Hartmann neu.
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Muss neu platziert werden: Ringgaus Revierförster Ekkerhard Rogee (links)und Forstpraktikantin Leonie Tinnefeld setzen einen entwurzeltes Bäumchen unter den Augen von Bürgermeister Mario Hartmann neu.

Tief im Wald bei Rittmannshausen ist ein kleiner Baumkindergarten entstanden. Zur Aufforstung hat die Gemeinde dort 200 Bäume Wildkirschen, Linden, Spitzahorne und Walnüsse gepflanzt.

Rittmannshausen - Die winzige Bäumchen streben hier einem Dasein als starke Waldbäume entgegen. Für die zarten Geschöpfe, die bisher mehr einem in die Erde gesteckten Zweig ähneln erst mal ebenso eine Herausforderung wie für den Revierförster Ekkerhard Rogee.

Denn die filigranen Setzlinge von Wildkirsche, Spitzahorn, Linden und Walnuss haben zwar keine natürlichen Feinde, ihre Knospen und Triebe stehen aber ganz oben auf dem Speiseplan der Rehe, ihre Würzelchen auf dem der Mäuse, die es im dichten Gras der schattenlosen Aufforstungsfläche zu ansehnlichen Populationen geschafft haben.

Der alte Baumbestand auf der etwa einen Hektar große Fläche des Ringgauer Gemeindewaldes musste nach starkem Käferbefall und Windwurf gerodet werden. Die Gemeinde entscheid sich für Aufforstung mit Baumarten, die künftigen Klimaschwankungen besser standhalten als beispielsweise Fichten.

„Die Wildkirschen beispielsweise wachsen sehr gerade und nach oben strebend“, erklärt Rogee. Im kommenden Jahr werden sie voraussichtlich schon eineinhalb Meter hoch sein. Auch das Spitzahorn, für dessen Anpflanzung sich die Gemeinde entschieden hat, sei im Gegensatz zum anderen Ahornarten resistent gegen die sogenannte Rußrindenkrankheit.

Die Baumkinder sind nach Art sortiert in jeweils kleinen Gruppen angeordnet. Jede Baumart hat zwischen 100 und 200 Quadratmeter für sich. „Ein totale Vermischung der Bäume funktioniert nicht“, sagt Rogee.

Schutz vor Verbiss- und Fegeschäden durch Rehe

Um die zarten Bäumchen vor Verbiss- und Fegeschäden (wenn Rehe ihre Geweihhaut abstreifen) zu schützen, ist um jede Pflanze ein sogenanntes ein Meter hohes Freiwuchsgitter angebracht. Die Triebe der Bäumchen sind mit einer Masse bestrichen, die die Rehe abstoßend finden. „Vermutlich ist in der Mischung auch ein bisschen Fuchspisse drin“, spekuliert der Förster.

Die kleinen Eichen und Buchen, die sich zwischen den neuen Setzlingen ans Licht kämpfen, stammen aus Naturverjüngung und müssen es ohne menschlichen Extraschutz schaffen. Die Aufforstung der Kahlfläche im Ringgauer Forst wird vom Land Hessen mit 85 Prozent der Kosten gefördert. Rund 4000 Euro hat die Gemeinde jetzt für die Bäume aus der Baumschule ausgegeben, allein vier Euro kostet der Schutz der Pflanzen mit dem Gatter.

Haben die kleinen Bäumchen erst mal eine bestimmte Wuchshöhe erreicht, können ihnen weder Rehe noch Mäuse ernstlich was anhaben. Und dann können sie ein richtiger Wald werden.

Von Stefanie Salzmann

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