Reportage

Rundflug mit dem Segelflugzeug

Witzenhausen. Blitz: Das Wort kann ich deutlich hören, als es aus dem Funkgerät dringt. Der Regen trommelt lautstark gegen die Scheibe. Hobbyfluglehrer Helmut Hoffmeister reagiert: Er bremst.

Auch mein Körper reagiert: Ich spüre, wie das Flugzeug gegen den Wind arbeitet: Nicht nur draußen dreht sich alles, während das Flugzeug langsam auf den Boden zusteuert, auch in meinem Kopf dreht es sich. Meine Augen suchen nach Orientierung. Ich schaue nach oben. Das ist ein Fehler. Das Segelflugzeug liegt schräg in der Luft und auch über mir dreht sich alles. Ich schließe kurz die Augen, dann geht es wieder.

Bevor es losgeht, untersucht Fabian Moch, Hobbypilot beim Luftsportverein Witzenhausen, mit Hilfe von Hoffmeister, der ebenfalls Vereinsmitglied ist, auf dem Flugplatz Witzenhausen-Burgberg die Maschinen. „Das macht man vor dem ersten Start des Tages“, sagt er. Untersucht werden das Funkgerät, ob durch den Steuerknüppel die Ruder bewegt werden und ob die Bremsklappen funktionieren. Moch geht langsam um die Maschine. Hoffmeister bleibt in der Mitte. Er bewegt den Steuerknüppel. „Okay“, sagt Moch, bevor er das nächste Ruder untersucht.

„Wir müssen das Wetter beobachten“, sagt Hoffmeister. „Bei Gewitter sollten wir möglichst unten sein.“ Kommt das Flugzeug bei Gewitter in eine Wolke, kann es unendlich hochgezogen worden. Hoffmann ist genau das einmal passiert. Auf 1200 Meter Höhe wurde er in so eine Wolke reingesogen. 800 Meter höher spuckte sie ihn zum Glück wieder aus.

Hoch oben in der Luft macht mich Hoffmeister auf Verschiedenes aufmerksam: Ich bestaune den Kaufunger Wald, Witzenhausen und in der Ferne Kassel und Göttingen. Der Fluglehrer sieht einen Aufwind, er steuert darauf zu, und in der warmen Luft steigt das Flugzeug kreisend auf. „Pfffffffff“: Der Ton begleitet uns, während wir 100 Meter höher steigen. Mir wird klar, wie abhängig wir vom Wetter sind. Wolken deuten auf einen Aufwind hin, auch Vögel, die die warme Luft nutzen, um energiesparend in die Höhe zu steigen. Im Wind geht es im Kreis aufwärts, verlässt das Segelflugzeug den Aufwind, steigt es ab.

Damit wir überhaupt aufsteigen, müssen wir von einer Propellermaschine hochgezogen werden. Schließlich hat so ein Segelflugzeug keinen eigenen Motor. Mit einem Seil werden wir mit dem Motorsegler verbunden. Damit wir abheben, müssen wir 70 Kilometer pro Stunde fahren. Wir fliegen noch vor der Maschinen, die uns zieht. In der Luft bleiben wir in der Verlängerung des anderen Flugzeugs. Als wir 600 Meter hoch sind, zieht Hoffmeister an einem Seil, und löst uns vom Motorsegler. Nun gleitet unsere Maschinen alleine, nur vom Wind getrieben, durch die Luft. (sas)

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