Kasseles früherer Stadtverordnetenvorsteher kritisiert Benennung einer Straße in Eschwege nach NS-Lehrer

Kritik an Fritz-Neuenroth-Weg - Frei fordert Umbenennung

Umstritten: Das Straßenschild für den Fritz-Neuenroth-Weg am Schwanenteich. Besonders pikant: An der Straße, die nach einem strammen Nazi und extremen Kirchenhasser benannt wurde, liegt Eschweges Jugendherberge. Fotos: Salzmann/wr, Stieler/nh
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Umstritten: Das Straßenschild für den Fritz-Neuenroth-Weg am Schwanenteich. Besonders pikant: An der Straße, die nach einem strammen Nazi und extremen Kirchenhasser benannt wurde, liegt Eschweges Jugendherberge.

Eschwege. Der ehemalige Vorsteher der Kasseler Stadtverordnetenversammlung, Wolfgang Frei, hat in einem Brief an Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe die Umbenennung des Fritz-Neuenroth-Weges in Eschwege angestoßen.

„Ich kann nicht verstehen, dass nach diesem Mann eine Straße benannt worden ist“, sagte Frei.

Die Umbenennung des Fritz-Neuenroth-Wegs war bereits vor drei Jahren im Zusammenhang mit der Umbenennung der nach dem früheren NS-Bürgermeister Alexander Beuermann benannten Straße aufgekommen. Neuenroth war während der NS-Zeit Lehrer in Eschwege. Er galt als strammer Nazi und war extrem kirchenfeindlich. Der heute 81-jährige Frei war damals sein Schüler.

„Neuenroth kam in SA-Uniform in den Unterricht“, erinnert sich Frei. In besonders schlechter Erinnerung sind dem früheren CDU-Politiker Neuenroths antiklerikale Äußerungen. „Ich bin Katholik, und meine Familie ist 1937 von Fulda nach Eschwege gezogen“, so Frei. Erst besuchte er die Bürgerknabenschule - die heutige Humboldt-Schule - anschließend die Friedrich-Wilhelm-Schule.

Kirche verächtlich gemacht

Wolfgang Frei

„Herr Neuenroth unterrichtete Heimatkunde. Er hat jede Gelegenheit genutzt, unsere Kirche anzugreifen, sie lächerlich und verächtlich zu machen“, berichtet Wolfgang Frei. Einmal habe er gesagt, jedes Kloster habe eine Glocke. Aber die Glocken würden nicht geläutet, um die Gläubigen zum Gottesdienst oder Gebete zu rufen, sondern zum Fressen und Saufen. Einem Mitschüler, der Joseph hieß, habe er gesagt, er solle zusehen, dass ihm seine Eltern einen anderen Namen geben sollen.

„Das war mir und meinen beiden katholischen Mitschülern ein Graus“, so Frei. Er habe immer den Eindruck gehabt, Neuenroth habe ihn für die Nazis gewinnen wollen. Frei: „Mein Vater, der Direktor an der Handelsschule war, hat das mit ohnmächtiger Wut hingenommen.“

Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe (CDU) hat das Schreiben Freis an Stadthistoriker Karl Kollmann und die Doktorandin Anne Christine Alfter weitergeleitet. Alfter untersucht im Auftrag der Stadt die NS-Geschichte Eschweges. „Ich bin dankbar, dass sich Zeitzeugen bei uns melden“, sagte Heppe. Die Recherchen von Frau Alfter hätten bislang noch kein belastendes Material über Fritz Neuenroth zutage gefördert. „Das sieht jetzt aber offenbar anders aus“, so der Bürgermeister. (wr)

Von Dieter Salzmann

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