„Der zweite vor dem ersten Schritt“

Schafhalterverband kritisiert Förderregularien für Schutz vor Wölfen

Wölfe und der Umgang mit den Tieren sind Themen, die das hessische Umweltministerium beschäftigt. Das Bild zeigt ein aufgenommenes Rudel im Wildpark Knüll.
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Wölfe und der Umgang mit den Tieren sind Themen, die das hessische Umweltministerium beschäftigt. Das Bild zeigt ein aufgenommenes Rudel im Wildpark Knüll.

Die neuen Fördermittel für mehr Schutz vor Wölfen, die das Hessische Umweltministerium bereits im April bei der Vorstellung des neuen Wolfsmanagementplans angekündigt hatte, können ab Oktober abgerufen werden. Das teilt Ministerin Priska Hinz (Grüne) in einer Pressemitteilung mit.

Wiesbaden/Großalmerode – Die mit der Rückkehr des Wolfes nach Hessen „verbundenen Befürchtungen vieler Tierhalter haben sich bislang nicht erfüllt“, so Hinz. Man wolle alles dafür tun, damit das so bleibe und baue deshalb die Förderangebote aus. Konkret geht es in dem neuen Programm um zusätzlichen Schutz in Gebieten, in denen es in den vergangenen drei Jahren mindestens drei Übergriffe auf Schafe oder Ziegen von ansässigen Wölfen gegeben hat. Diese Gebiete werden Wolfspräventionsgebiete genannt.

„Das hat nichts mit Prävention zu tun“

Vom Hessischen Schafhalterverband kommt dazu Kritik. „Das hat nichts mit Prävention zu tun, wenn Herdenschutzmaßnahmen erst dann gefördert und umgesetzt werden, wenn es Übergriffe gegeben hat“, sagt Pressesprecher Burkhard Ernst, Berufsschäfer aus Großalmerode. Hessen mache mit dem neuen Programm den zweiten vor dem ersten Schritt. Ein Großteil der Betriebe bekäme bislang kein Fördergeld für die Gewährleistung des Grundschutzes (90 Zentimeter hohe Elektrozäune).

Ministerium: Betriebe nehmen Herdenschutzprämien in Anspruch

Diesen Einspruch möchte man beim Umweltministerium nicht gelten lassen. Die sogenannte Herdenschutzprämie plus sei bereits zweimal auf nun 40 Euro je Hektar angehoben worden. Das nehme ein Großteil der Betriebe auch in Anspruch, so Pressesprecherin Ira Spriestersbach. Das Förderprogramm sei für Kleinstbetriebe geöffnet worden und unterliege nicht mehr der sogenannten De-Minimis-Grenze, die zu einer Aufrechnung mit anderen Förderungen führt. „Die Kritik ist daher nicht nachvollziehbar“, sagt Spriestersbach. Der Schafhalterverband hat bereits mehrfach mit Rechenbeispielen kritisiert, dass dieses Fördergeld bei Weitem nicht ausreiche, um die nötigen Zäune anzuschaffen und zu unterhalten. Umweltministerin Priska Hinz hatte bei der Vorstellung des Wolfsmanagementplans aber auch gesagt, dieser Grundschutz liege „im Wesentlichen in der Verantwortung der Weidetierhalter“.

Rinderhalter wurden ausgeklammert

Ein weiterer Kritikpunkt von Burkhard Ernst vom Schafhalterverband ist, dass unter den Weidetierhaltern die Probleme der Rinderhalter ausgeklammert würden. Aus dem neuen Förderprogramm bekommen sie erst Unterstützung, wenn es in ihrem Betrieb bereits einen belegten Wolfsangriff gegeben hat. Das führe dazu, dass ein Rinderhalter nach einem Wolfsangriff auf dem Nachbargrundstück trotzdem keine Unterstützung bekäme.

Außerdem würden Weidetierhalter, anders als vom Ministerium angekündigt, beim erweiterten Herdenschutz nun doch finanziell belastet, weil nur 80 Prozent der Anschaffungskosten gefördert werden und der Betrag außerdem auf 30 000 Euro pro Betrieb pro Jahr gedeckelt ist. Bei den für Herdenschutzhunde angesetzten Fördermitteln seien lediglich Anschaffung, Futter und Tierarztkosten einberechnet – nicht aber der zusätzliche Arbeitsaufwand.

Insgesamt können die neuen Fördermittel in 101 hessischen Kommunen abgerufen werden. (Christopher Ziermann)

Weitere Infos im Internet unter umwelt.hessen.de/sites/default/files/media/richtlinie_weidetierschutz_24.08.2021_r_0.pdf czi

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