Schifflersgrund: Gedenkveranstaltung zum Kriegsende vor 70 Jahren

Gedenken: Der hessische Landtagsvizepräsident Wolfgang Greilich (links) und Konsul Szmidt vom polnischen Generalkonsulat Köln legten am Mauerdenkmal „Getrennt – vereint“ einen Kranz nieder. Moderiert wurde die Veranstaltung von Stefan Heuckeroth-Hartmann (Vierter von links). Foto: Neugebauer

Asbach-Sickenberg. „Nie wieder darf Deutschland zum Unruhestifter werden und nie wieder darf Deutschland wegschauen, wenn Menschenrechte in Deutschland mit Füßen getreten werden", sagte Michael Roth, Staatsminister für Europapolitik, am Sonntag bei der Gedenkveranstaltung zum Kriegsende vor 70 Jahren im Grenzmuseum Schifflersgrund.

Er erinnerte an die Rede Richard von Weizsäckers vor 30 Jahren, als dieser den 8. Mai als Tag der Befreiung bezeichnete und damit heftige Diskussionen auslöste. In einer bewegenden Rede stellte er klar, dass es allemal besser sei, an unendlichen Krisen- und Friedenssitzungen teilzunehmen, als mit Waffen aufeinander loszugehen. Nicht das Recht des Stärkeren, sondern die Stärke des Rechts müsse gelten.

„Wer vor der Vergangenheit die Augen schließt, wird empfänglich für neues Unrecht“, mahnte der Vizepräsident des Hessischen Landtags Wolfgang Greilich. Menschen- und Freiheitsrechte seien nicht selbstverständlich, sondern müssten Tag für Tag verteidigt werden. „Auch vor der aktuellen Flüchtlingsdebatte darf man die Augen nicht verschließen“, sagte Landrat Stefan Reuß, und merkte an, dass rechte und linke Umtriebe diese Debatte für ihre Zwecke missbrauchen würden.

Emotional wurde es für die 80 Besucher und die zahlreichen Ehrengäste, als der stellvertretende Landrat des Eichsfeldkreises Erwin Hunold von seinen Erlebnissen als Kind der Nachkriegsgeneration berichtete. Seine Eltern hätten das Unrechtsregime der DDR zwar nicht geliebt, aber ohne groß aufzufallen ertragen. Dieses sei allemal besser als der furchtbare Krieg, wo viele Menschen ihr Leben hatten lassen müssen. Vor diesem Hintergrund sei es verständlich, dass es erst in der Nachfolgegeneration zu Widerständen gegen das Unrechtsregime DDR gekommen sei.

Konsul Szmidt vom polnischen Generalkonsulat in Köln versetzte die Besucher in die Gefühlswelt eines Soldaten mit dem Auftrag, andere zu erschießen, und brachte die Freude zum Ausdruck, dass es beide Länder geschafft haben, ihre Kriegsvergangenheit zu bewältigen.

In der vom zweiten Vorsitzenden des Grenzmuseums, Stefan Heuckeroth-Hartmann, vorbildlich moderierten Gedenkveranstaltung sang der Polizeichor Kassel Lieder mal besinnlich, mal stimmgewaltig und kraftvoll. Auch die chinesische Pianistin Shanji Quan trug mit gefühlvollem Klavierspiel zu einer aufgelockerten Veranstaltung bei.

Bevor Konsul Szmidt und Landtagsvizepräsident Wolfgang Greilich den Kranz am Mauerdenkmal der Gedenkstätte Schifflersgrund niederlegten, sangen Chor, Ehrengäste und Besucher gemeinsam die Nationalhymne.

Von Hartmut Neugebauer

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