Wenn der Job zum Arbeitslosen kommt – Agentur schlägt neue Wege ein

Wie im Schlaraffenland

Plakativ auf diversen Ständern hat das Jobmobil am Mittwoch in Bad Sooden-Allendorf eine Vielzahl von Stellen angeboten: Bürgermeister Frank Hix (von links), Oliver Brunkow (Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner), Christina Kallus (Job-Center Schwalm-Eder), Janina Eifler (Job-Center Eschwege), Björn Wiechern und Renate Bölling (Job-Center Witzenhausen) sowie Nicole Sperk (Job-Center Schwalm Eder). Foto: Cortis

Bad Sooden-Allendorf. Das Jobmobil der Agentur für Arbeit machte in dieser Woche im Werra-Meißner-Kreis Station. In Bad Sooden-Allendorf nutzte Carola S. das Angebot. Sie will ihren richtigen Namen nicht nennen. Und fotografiert werden will sie schon gar nicht. Ein bisschen wohl schämt sie sich, die 53-Jährige, die als Servicekraft in der Gastronomie viele Jahre absolut zuverlässig war, trotzdem ihren Arbeitsplatz wegen Geschäftsaufgabe verlor.

Jetzt steht die verwitwete Mutter zweier erwachsener Söhne auf dem Marktplatz in Bad Sooden-Allendorf und wedelt mit ein paar Papieren. „Das ist ja wie im Schlaraffenland“, prustet es aus ihr heraus. Was Carola S. in den Händen hält, sind gleich drei auf DIN-A-4-Seiten fixierte Job-Angebote, die ihr einen Start in eine bessere Zukunft verheißen.

Aktion „50plus“

Ob daraus was geworden ist oder wird, wissen wir nicht. Es bleibt ja alles anonym. Und das ist das Besondere an dem Jobmobil, das in der Kurstadt Station machte, um mit der bundesweiten Aktion „50 Plus“ ältere Arbeitslose wieder in Arbeit und Brot zu bringen.

Wenn der Job zum Arbeitslosen kommt, das ist eine neue Variante der Job-Centers der Agentur für Arbeit, die gerade die ältere und erfahrene Generation wieder in den Arbeitsmarkt integrieren möchte. Erfunden hat dieses Modell das Job-Center im Schwalm-Eder-Kreis. Seit Mai 2009 ist das in dieser Form bundesweit einzigartige Jobmobil regelmäßig in unserem Nachbarkreis auf Achse, hat seitdem 30 000 Kilometer zurückgelegt und pro Monat 150 Kunden beraten. 80 Prozent der Arbeitslosen erhielten auf Anhieb mindestens ein, aber auch bis zu fünf und mehr Angebote, um beruflich wieder Fuß zu fassen.

Das Jobmobil verzichtet auf Bürokratie. „Was willst du, was kannst du?“ heißt hier die entscheidende Frage. Und wenn die Qualifikation doch nicht so gut ist, dann werden auch Weiterbildungsmöglichkeiten vermittelt. Diese lockere Atmosphäre der Anonymität mindere die Schwellenangst, weiß Oliver Brunkow von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner, die dieses Projekt in unserer Region fördert.

80 Stellenangebote

Allein in Bad Sooden-Allendorf wurden an diesem Tag 80 freie Stellen angeboten, vorwiegend in Handel, Handwerk, Industrie, Dienstleistung und Gastronomie - vom 400-Euro-Job bis zur unbefristeten Festeinstellung, und alles in oder in der Nähe der Stadt: Der Kunde kommt, sucht sich was aus, telefoniert mit dem Wunsch-Arbeitgeber und kriegt den Job - oder auch nicht. Einfacher geht es nicht.

Geht es nach Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix, kann das Jobmobil gern wieder kommen. Hix: „Am besten aber an einem Donnerstag.“ Denn dann ist Markttag. Und der Marktplatz ist regelmäßig voller Menschen, vor allem derer von 50 Plus. (zcc)

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